Krankheit macht arm und Armut macht krank: diesen Teufelskreis will die Stadtberner Sozialhilfe durchbrechen. Ziel ist es, die Arbeitsintegration von Personen mit gesundheitlichen Problemen zu fördern.
Bern
Blick auf die Altstadt von Bern. (Symbolbild) - Keystone

Gesundheitliche Probleme seien eine häufige Ursache für den Bezug von Sozialhilfe, hält die Stadtberner Direktion für Bildung, Soziales und Sport in einer Mitteilung vom Dienstag fest. Zugleich verhinderten Krankheiten oft die Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt.

Mit einer umfassenden Gesundheitsstrategie und 12 Pilotprojekten will das Sozialamt der Stadt Bern dem Problem zu Leibe rücken. Die Stadt erhofft sich nicht zuletzt erhebliche Einsparungen bei der Sozialhilfe und bei den Gesundheitskosten.

In der Stadt Bern ist bei rund einem Viertel der erwachsenen Sozialhilfebeziehenden eine Integration in den Arbeitsmarkt wegen gesundheitlicher Probleme nicht möglich. Eine Zahl, die weiter zunehmen dürfte, auch weil die Invalidenversicherung IV in den letzten Jahren ihre Rentenpraxis verschärft hat.

«Immer mehr Personen sind heute zu gesund für die IV, aber zu krank für den Arbeitsmarkt», hält Felix Wolffers, Leiter des Sozialamts der Stadt Bern in der Mitteilung fest. Dies führe zu einer Veränderung des Auftrags der Sozialhilfe: Das Thema Gesundheit wird in der Sozialhilfe immer wichtiger.

Die entsprechenden Angebote und Instrumenten für eine Arbeit mit krankheitsbetroffenen Menschen sind laut Wolffers in der Sozialhilfe aber erst in Ansätzen vorhanden. Insbesondere bei komplexen gesundheitlichen Situationen und chronischen Erkrankungen stosse die Sozialarbeit an ihre Grenzen.

Das Stadtberner Sozialamt strebt daher den Aufbau eines gesundheitsorientierten Fallmanagements für Krankheitsbetroffene an. Dafür braucht es laut Wolffers neue Instrumente zur Klärung der gesundheitlichen Situation, einen erweiterten Zugang zu Fachwissen aus dem Gesundheitsbereich für die Sozialarbeitenden und Gesundheitspräventionsprogramme für Sozialhilfebeziehende.

Geplant sind zwölf Pilotprojekte, welche aufzeigen sollen, wie die Sozialhilfe besser mit Krankheit umgehen und so die berufliche und soziale Integration von unterstützten Personen besser unterstützen kann.

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