Ein überparteiliches Komitee wirbt in der Stadt Bern für ein Ja zum Farbsack-Abfall-Trennsystem, über dessen Einführung die Stadtberner Stimmberechtigten am 28. November abstimmen. Es sagt, vom neuen System profitierten sowohl die «Ghüdermänner» und -frauen als auch die Gesamtbevölkerung.
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Farbsäcke mit Altglas: das neue Wertstoffsammelsystem kam im Berner Pilotversuch gut an. - sda - KEYSTONE/PATRICK HUERLIMANN

Wenn in Zukunft aller Abfall in Containern vor dem Haus bereitgestellt werden müsse, entlaste das die Angestellten von Entsorgung + Recycling Bern stark. Bisher hievten diese Leute täglich Abfallsäcke mit einem Gesamtgewicht von drei bis acht Tonnen in die Kehrichtfahrzeuge.

Darauf wies laut einer Mitteilung des Pro-Komitees vom Donnerstag SP-Stadträtin Edith Siegenthaler im Namen der Gewerkschaft VPOD an einer Medienkonferenz in Bern hin. Die Folge dieser Schwerstarbeit seien körperliche Verschleisserscheinungen.

Für die Bevölkerung werde die Kehrichtentsorgung mit dem neuen System so einfach wie noch nie, findet das Pro Komitee auch. Separatabfälle wie Glas und Büchsen könnten neu vor der Haustüre entsorgt werden. Den Gang oder die Fahrt zur Sammelstelle könne man sich schenken. Papier und Karton müssten die Stadtberner künftig nicht mehr bündeln. Zudem sei das neue System ökologisch sinnvoll.

Dem Pro-Komitee gehören mehrere links-grüne Parteien, Gewerkschaften sowie der Mieterinnen- und Mieterverband und die Umweltorganisation WWF an. Auch die Grünliberalen sind dabei.

Die Stadt Bern testete das neue System 2018/19 in rund 2500 Stadtberner Haushalten. Dann entschied sich der Gemeinderat, dem Stadtrat eine Kreditvorlage zur Einführung vorzulegen. Dort passierte das Geschäft im September mit 50 zu 18 Stimmen.

Vertreterinnen und Vertreter bürgerlicher Parteien, aber auch ein Teil der Ratslinken, tat sich schwer mit gewissen Neuerungen. Auf Kritik stiess unter anderem die Vorschrift, dass vor allen Wohnhäusern künftig zwei Container stehen müssen - einer für Haushaltkehricht und einer für Separatabfälle. Bern drohe zu einer «Container-Wüste» zu verkommen, mahnte etwa Ursula Stöckli (FDP).

Farbsack-Trennsystem wird die neue Abfallentsorgung genannt, weil PET, Büchsen, Glas und andere Separat-Abfälle künftig in verschiedenfarbigen Säcken in die Container vor dem Haus gelegt werden müssen. Der Hauskehricht kommt unverändert in - ebenfalls kostenpflichtigen, blauen Säcken - in einen anderen Container.

Die zwei Container stellt die Stadt gratis zur Verfügung. Wer weiterhin Separatabfälle zur Sammelstelle bringen will, kann das tun. Nicht eingeführt wird das System wegen enger Platzverhältnisse in der Innenstadt.

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