Im 2021 befindet sich die Zahl der im Kanton Bern registrierten Straftaten auf dem tiefsten Wert seit Einführung der polizeilichen Kriminalstatistik.
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Für das Jahr 2021 sind im Kanton Bern in der polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) insgesamt 63'661 minus neun Prozent, Vorjahr: 69'910, strafrechtlich relevante Handlungen erfasst.

Dies ist der tiefste Wert seit Einführung der Statistik im Jahr 2008. Von allen Straftaten betreffen 81,4 Prozent, 51'813, Vorjahr: 54'869, das Strafgesetzbuch, 14,4 Prozent, 9'178, Vorjahr: 11'854, das Betäubungsmittelgesetz und 4,2 Prozent, 2'670, Vorjahr: 3'187, das Ausländer- und Integrationsgesetz.

Bei den Delikten gegen Leib und Leben wurde eine Aufklärungsquote von 90,8 Prozent erreicht. Insgesamt konnten 39, Prozent aller StGB-Delikte aufgeklärt werden. Neu werden in der Statistik die Straftaten und Modi Operandi im Bereich «Digitale Kriminalität» detailliert ausgewiesen.

Vermögensdelikte zurückgegangen, erneut weniger Einbruchdiebstähle

Bei den Vermögensdelikten kann ein leichter Rückgang festgestellt werden, 36'584 Straftaten, minus vier Prozent. Wie schon im Vorjahr wurden weniger Diebstähle, 14'475 Straftaten, minus vier Prozent verzeichnet.

Insbesondere die Zahl der Einbruchdiebstähle, 2'389 Straftaten, minus 15 Prozent, ist erneut zurückgegangen, wobei es namentlich weniger Einbruchdiebstähle in Ein- und Mehrfamilienhäuser gab.

Auch die Fahrzeugeinbruchdiebstählen nahmen ab

Abnahmen sind weiter unter anderem bei den Fahrzeugeinbruchdiebstählen, 428 Straftaten, minus 18 Prozent, bei den Taschendiebstählen, 800 Straftaten, minus 14 Prozent, bei den Einschleichdiebstählen, 1'109 Straftaten, minus elf Prozent, sowie bei den separat ausgewiesenen Fahrzeugdiebstählen, 6'168 Straftaten, minus ein Prozent zu verzeichnen.

Im Gegensatz dazu haben die Diebstähle ab/aus Fahrzeugen, 1'228 Straftaten, plus 22 Prozent zugenommen. Neben den Diebstählen wurden auch weniger Vandalismus-Delikte, 7'620 Straftaten, minus neun Prozent registriert.

Rückgang bei den Gewaltstraftaten, aber Anstieg bei der Jugendgewalt

Erstmals seit 2018 wurde bei den Gewaltdelikten wieder ein Rückgang verzeichnet, 4’423 Straftaten, minus acht Prozent, wobei der Anteil der schweren Gewalt vier Prozent, 176 Straftaten, minus sechs Prozent, beträgt.

Darunter fallen neben drei vollendeten und zehn versuchten Tötungsdelikten beispielsweise auch die schweren Körperverletzungen, deren registrierte Zahl, 77 Straftaten, minus sechs Prozent tiefer ausfällt als im vergangenen Jahr.

Es kam zu weniger Raubdelikten

Im Bereich der angewandten minderschweren Gewalt, 3'075 Straftaten, minus acht Prozent, mussten weniger Raubdelikte, 224 Straftaten, minus 19 Prozent, und weniger einfache Körperverletzungen, 478 Straftaten, minus 27 Prozent, rapportiert werden.

Erfreulich ist, dass die Aufklärungsquote in der Kategorie Raub von 35 Prozent auf 58,4 Prozent erhöht werden konnte. Es wurde also bei mehr als der Hälfte aller Raubdelikte die Täterschaft ausfindig gemacht und zur Anzeige gebracht.

Der Gewalt im öffentlichen Raum soll entgegengewirkt werden

Im öffentlichen Raum wurden 427 Gewaltstraftaten weniger verzeichnet. Es bleibt weiterhin ein zentrales Ziel der Kantonspolizei Bern, der Gewalt im öffentlichen Raum entgegenzuwirken.

Neu wird der Schwerpunkt verstärkt bei der Jugendgewalt gesetzt, da hier eine deutlich steigende Tendenz zu erkennen ist. Insbesondere die Zahl der wegen schwerer Körperverletzung, Raub, Angriff und Tätlichkeiten rapportierten Jugendlichen ist stark angestiegen.

An Schulen werde Präventionsmodule angeboten

Einerseits soll dieser Entwicklung mit repressiven Massnahmen entgegengewirkt werden. Andererseits wird an Örtlichkeiten, an denen sich vermehrt Jugendliche aufhalten, verstärkt polizeiliche Präsenz gezeigt, in Uniform aber auch mit zivilen Jugendpatrouillen.

Ausserdem werden an Schulen Präventionsmodule angeboten. «Der regelmässige Austausch mit Jugendlichen ist für uns sehr wichtig. Es ist wesentlich, dass problematische Entwicklungen frühzeitig erkannt werden, damit wir entsprechend handeln können.

Hier spielen unter anderem der enge Kontakt mit den Eltern und eine gute Zusammenarbeit mit verschiedenen Partnern, wie beispielsweise Gemeinden, Schulen und der Jugendanwaltschaft, eine zentrale Rolle», erklärt der seit Januar im Amt tätige Kommandant Christian Brenzikofer.

Weniger Delikte in den Bereichen häusliche Gewalt und sexuelle Integrität

Nachdem im 2020 mehr Straftaten im Bereich der häuslichen Gewalt zur Anzeige gebracht worden sind, weist die Statistik im 2021 eine leichte Abnahme um vier Prozent, total 1'497 Straftaten, aus.

Weniger Straftaten resultierten beispielsweise in den Kategorien Vergewaltigung, Drohung, Beschimpfung sowie Nötigung. Hingegen wurden erneut mehr Tätlichkeiten, 601 Straftaten, plus zehn Prozent, und mehr Fälle sexueller Handlungen mit Kindern, 37 Straftaten, plus 37 Prozent, verzeichnet.

Die Zahl der polizeilichen Interventionen wegen häuslicher Gewalt, aus denen keine Strafanzeigen resultierten, hat weiter zugenommen, 687 Interventionen, plus 32 Prozent.

Vor allem die Fälle von Pornografie haben abgenommen

Im Bereich der sexuellen Integrität wurden im Vergleich zum Vorjahr etwas weniger Delikte, 838 Straftaten, minus zwei Prozent registriert.

Abgenommen haben insbesondere die angezeigten Fälle von Pornografie, 291 Straftaten, minus 14 Prozent. Eine Zunahme ist hingegen vor allem bei der sexuellen Belästigung, 216 Straftaten, plus 19 Prozent festzustellen.

Internetkriminalität weiter steigend

Die seit einigen Jahren steigende Tendenz bei der digitalen Kriminalität setzt sich fort, 3'885 Straftaten, plus 28 Prozent. Dies insbesondere im Bereich der Cyber-Wirtschaftsdelikte, die 90 Prozent aller Straftaten der digitalen Kriminalität ausmachen.

Es erfolgten beispielsweise mehr Anzeigen wegen Betrug, 2'026 Straftaten, plus 27 Prozent, wegen Geldwäscherei, 717 Straftaten, plus 43 Prozent, wegen betrügerischem Missbrauch von Datenverarbeitungsanlagen, 365 Straftaten, plus 62 Prozent, sowie wegen Erpressung, 118 Straftaten, plus 115 Prozent.

Hingegen wurden weniger Fälle von Pornografie, 263 Straftaten, minus 16 Prozent, übler Nachrede, 30 Straftaten, minus 39 Prozent, Beschimpfung, 22 Straftaten, minus 41 Prozent sowie Verleumdung, 18 Straftaten, minus 36 Prozent im Cyber-Bereich registriert.

Insgesamt weniger beschuldigte Personen

Es wurden insgesamt 14'351 Personen wegen Gesetzeswiderhandlungen zur Anzeige gebracht, 12 Prozent weniger als im Vorjahr, 16'253 Personen.

Die Rückgänge wurden bei den beschuldigten Erwachsenen über 24 Jahre, minus acht Prozent, 6'190 Beschuldigte, aber vor allem auch bei den Beschuldigten im jungen Erwachsenenalter zwischen 18 und 24 Jahren, minus 15 Prozent, 1'693 Beschuldigte, verzeichnet.

Nicht abgenommen hat die Zahl der Minderjährigen, die wegen Verstössen gegen das StGB angezeigt wurden, plus ein Prozent, 1'413 Beschuldigte.

Weniger Betäubungsmittel-Widerhandlungen und Straftaten gegen das AIG

Im 2021 wurden wiederum weniger Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz angezeigt, minus 23 Prozent, 9'178 Straftaten.

Die ausgewiesene Abnahme der Straftaten gegen das Ausländer- und Integrationsgesetz, minus 16 Prozent, 2’670 Straftaten, ist in erster Linie auf weniger Delikte in den Kategorien rechtswidrige Ein- /Ausreise und Aufenthalte sowie Förderung der rechtswidrigen Ein-/Ausreise oder des rechtswidrigen Aufenthalts zurückzuführen.

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