Nach eingehender Prüfung eines unterirdischen Bushofs am Bahnhof Baar hat der Gemeinderat diese Idee verworfen. Zu hoch sind die Kosten und die Unwägbarkeiten.
Bahnhof (Symbolbild)
Bahnhof (Symbolbild) - Eigenproduktion

Wie die Gemeinde Baar mitteilt, ist der Vorentscheid gefallen: Nach eingehender Prüfung eines unterirdischen Bushofs am Bahnhof Baar hat der Gemeinderat diese Idee verworfen. Zu hoch sind die Kosten und die Unwägbarkeiten.

Mit dem Ausbauschritt 2035 des strategischen Entwicklungsprogramms (STEP) will der Bund auch im Raum Baar die Bahninfrastruktur ausbauen. Die Pläne sind seit längerem bekannt: Der Zimmerberg-Basistunnel II soll die Fahrzeit von Baar nach Zürich auf bis zu 13 Minuten verkürzen. Vorgesehen sind zudem ein drittes (und allenfalls später gar ein viertes) Gleis zwischen Baar und Zug sowie ein viertes Gleis und eine zusätzliche Perronkante am Bahnhof Baar.

Bessere Zugverbindungen bringen mehr Passagiere mit sich. Die Zahl der Ein- und Aussteiger soll gemäss Prognosen von 9'800 (2016) auf 18'000 (2035) steigen. Der bestehende Bushof mit sechs Kanten, der bereits heute sehr gut ausgelastet ist, muss deshalb auf mindestens acht Haltekanten ausgebaut werden. Nötig sind auch bauliche Anpassungen, um dem Behindertengleichstellungsgesetz gerecht zu werden.

Hohe Kosten, grosser Termindruck

Um die planerischen Herausforderungen rund um den Bahnhof mit der Entwicklung im Ortszentrum abzugleichen, hat der Gemeinderat die Funktionale Studie Verkehr Bahnhof in Auftrag gegeben. Bestandteil dieser Studie waren unter anderem Variantenprüfungen für die zukünftige Gestaltung des Bushofs.

Neben verschiedenen oberirdischen Optionen wurde auch ein Bushof unter den Gleisen, parallel zur Neugasse, vertieft geprüft. Die Idee ist verlockend: Der Bahnhofplatz könnte vom Verkehr entlastet werden, es entstünden neue Optionen für die Gestaltung des Platzes.

Nun liegen die Resultate der Variantenprüfung vor – und diese sprechen deutlich gegen eine unterirdische Lösung. «Ein Bushof unter den Gleisen wäre zwar bau- und verkehrstechnisch machbar», erklärt Gemeinderat Jost Arnold. «Die Kosten, der grosse Termindruck und auch ortsplanerische Überlegungen haben den Gemeinderat aber dazu bewogen, die Variante eines unterirdischen Bushofs nicht weiter zu verfolgen.»

Ortsplanerische Überlegungen sprechen gegen eine unterirdische Lösung

Eine erste Schätzung geht von Baukosten für eine unterirdische Variante von rund 97 Millionen Franken (±30 Prozent) aus – und das in einer Zeit, in der die Gemeinde Baar mit der Dreifachturnhalle Sternmatt 2, der Erweiterung der Schule Sternmatt 1 und dem Neubau der Schule Wiesental bereits rund 165 Millionen Franken investiert und sich weitere Investitionen am Horizont abzeichnen. Der unterirdische Bushof müsste zudem zusammen mit den SBB realisiert werden.

Um Schritt zu halten, müsste deshalb bereits im zweiten Quartal 2022 vom Souverän ein Planungskredit gesprochen werden. Nicht zuletzt sprechen ortsplanerische Überlegungen gegen eine unterirdische Lösung.

Die Dorfstrasse wäre die Verliererin

Mit dem Bushof unter den Gleisen könnte zwar der Bahnhofplatz aufgewertet werden, gleichzeitig würde jedoch die Dorfstrasse weiter an Bedeutung verlieren und mit Mehrverkehr belastet. Denn durch den unterirdischen Bushof würde die Zufahrt von der Neugasse hinauf zum Bahnhof verunmöglicht.

Ebenso müsste der Parkplatz Neugasse als Zufahrtsstrecke zum Bushof genutzt werden. Ein Grundstück, das der Gemeinde gerade im Bereich der Alterspolitik viele Optionen eröffnet, wäre damit verloren. Die Summe der Argumente spricht deutlich gegen eine unterirdische Lösung.

Dieser Meinung sind auch die Bau-, die Planungs, die Verkehrs- und Tiefbau sowie die Rechnungs- und Geschäftsprüfungskommission. Sie alle wurden über die Projektvarianten informiert und sind zum selben Schluss gekommen wie der Gemeinderat.

Nun wird eine oberirdische Variante ausgearbeitet

«Wir werden nun die Pläne für einen oberirdischen Bushof vertiefen», erklärt Jost Arnold. Wie genau diese Lösung aussehen wird, ist Gegenstand der weiteren Planungen. Die Kosten sollen sich gemäss ersten Schätzungen auf rund einen Viertel der unterirdischen Lösung belaufen.

Die Abteilung Planung / Bau wird in den nächsten Monaten ein Projekt erarbeiten, das zwar in Abstimmung mit, aber technisch unabhängig von den Ausbauplänen der SBB realisiert werden kann. Der Planungs- und der Baukredit werden den Kommissionen zur Prüfung vorgelegt und danach dem Souverän zur Abstimmung unterbreitet.

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