Zentralschweiz: Fachkräftemangel bleibt bestehen

Uwe Guntern
Uwe Guntern

Region Zug,

Der Fachkräftemangel bleibt in der Zentralschweiz spürbar. Besonders gefragt sind Ärztinnen und Ärzte sowie Fachkräfte aus Elektroberufen.

Ärzte
In der Zentralschweiz werden Ärzte gesucht. (Symbolbild) - keystone

Der Arbeitsmarkt in der Zentralschweiz steht weiterhin vor einer schwierigen Aufgabe: Unternehmen finden in zahlreichen Berufen nur mit grossem Aufwand geeignetes Personal.

Das zeigt der aktuelle Fachkräftemangel-Index der Industrie- und Handelskammer Zentralschweiz (IHZ), der gemeinsam mit dem Amt für Wirtschaft des Kantons Zürich erstellt wurde. Für die Untersuchung wurde die Rekrutierungssituation in 100 verschiedenen Berufen ausgewertet.

An der Spitze stehen bereits zum dritten Mal in Folge Ärztinnen und Ärzte. Ebenfalls besonders schwierig gestaltet sich die Suche nach Fachkräften in Elektroberufen.

Elektroinstallateurinnen und Elektroinstallateure gehören zu den am stärksten vom Personalmangel betroffenen Berufsgruppen. Auf dem dritten Rang folgen Fachkräfte für Elektronik und Telekommunikationstechnik.

Arbeitslosenquote
Im Jahr 2025 gingen in der Zentralschweiz rund 500 Jobs bei Industrieunternehmen verloren. Die Arbeitslosenquote stieg in der gleichen Zeit deutlich an. Dennoch kann nicht von einer Entspannung beim Fachkräftemangel gesprochen werden. - Adobe Stock

Die starke Präsenz technischer Berufe in den vorderen Rängen fällt besonders auf. Telekommunikations- und Rundfunktechniker liegen auf Rang acht.

Material- und ingenieurtechnische Fachkräfte belegen Rang zehn, Ingenieurinnen und Ingenieure der Elektrotechnik Rang 14. Für eine Region mit einer vielfältigen Wirtschaftsstruktur wie der Zentralschweiz ist diese Entwicklung von grosser Bedeutung.

Auch im Kanton Zug, wo zahlreiche Unternehmen aus Technologie, Industrie, Dienstleistungen und verwandten Branchen tätig sind, ist der Zugang zu qualifizierten Fachkräften ein wichtiger Faktor für die weitere Entwicklung des Wirtschaftsstandorts.

Gesundheitsberufe ebenfalls stark betroffen

Nicht nur technische Fachkräfte sind knapp. Auch im Gesundheitswesen bleibt die Situation angespannt.

Neben den Ärztinnen und Ärzten auf Platz eins finden sich akademische und nichtakademische Fachkräfte aus Krankenpflege und Geburtshilfe auf den Rängen fünf und sechs.

Weitere Berufe aus der Human- und Tiermedizin folgen zwischen Rang 17 und 20. Damit zeigt sich, dass der Fachkräftemangel längst nicht auf einzelne Branchen begrenzt ist.

Sowohl Unternehmen als auch Spitäler, Pflegeeinrichtungen und andere Institutionen stehen vor der Herausforderung, qualifizierte Mitarbeitende zu gewinnen und langfristig zu halten.

Zug als Teil einer regionalen Entwicklung

Für den Kanton Zug ist die Entwicklung besonders relevant. Der Wirtschaftsstandort ist eng mit den übrigen Zentralschweizer Kantonen verbunden.

Unternehmen konkurrieren deshalb nicht nur innerhalb des eigenen Kantons um Fachkräfte, sondern zunehmend auch über die Kantonsgrenzen hinweg.

Die Verfügbarkeit qualifizierter Arbeitskräfte wird damit zu einer wichtigen Voraussetzung für Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit. Eine besondere Situation zeigt sich bei den Präzisions- und Kunsthandwerksberufen.

Coronavirus Impfung Zug
Für den Kanton Zug ist die Entwicklung besonders relevant. (Symbolbild) - keystone

Dazu gehören beispielsweise Uhrmacherinnen und Uhrmacher, Mikromechanikerinnen und Mikromechaniker oder Fachkräfte für die Herstellung von Schmuckwaren.

Während diese Berufsgruppe in der schweizweiten Auswertung lediglich auf Rang 85 liegt, erreicht sie in der Zentralschweiz Rang 13. Zuletzt standen einer arbeitssuchenden Person drei offene Stelleninserate gegenüber.

Weniger Industriearbeitsplätze

Gleichzeitig hat sich die wirtschaftliche Lage in Teilen der Region verändert. Im Jahr 2025 gingen in der Zentralschweiz rund 500 Arbeitsplätze in Industrieunternehmen verloren.

Parallel dazu nahm die Arbeitslosigkeit spürbar zu. Von einer nachhaltigen Entspannung beim Fachkräftemangel kann dennoch keine Rede sein.

Ein wesentlicher Grund liegt in der demografischen Entwicklung. In den kommenden Jahren werden zahlreiche Personen aus den geburtenstarken Jahrgängen pensioniert.

Wie blickst du auf die Zentralschweizer Wirtschaft?

Damit verlassen viele erfahrene Arbeitskräfte den Arbeitsmarkt, während deutlich weniger junge Menschen nachrücken. Für die Unternehmen bedeutet dies, dass sie sich langfristig auf einen härter umkämpften Arbeitsmarkt einstellen müssen.

Ein wichtiger Ansatz bleibt die Aus- und Weiterbildung. Betriebe sind gefordert, junge Menschen auszubilden und bestehende Mitarbeitende gezielt weiterzuentwickeln.

Gerade für den Wirtschaftsstandort Zug kann die Förderung eigener Fachkräfte dazu beitragen, die Abhängigkeit vom externen Arbeitsmarkt zu reduzieren. Gleichzeitig gewinnt die Produktivität an Bedeutung.

Wenn weniger Arbeitskräfte zur Verfügung stehen, müssen Unternehmen Prozesse verbessern, digitalisieren und gezielt in moderne Technologien investieren. Ziel ist es, mit den vorhandenen Ressourcen effizienter zu arbeiten.

Hinweis

Dieser Artikel ist zuerst in den «Zuger Woche» erschienen.

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