Wirtschaftsnobelpreis: Schweizer erneut unter möglichen Kandidaten

    Keystone-SDA
    Keystone-SDA

    Zürich,

    Am kommenden Montag richtet sich der Blick von Wirtschaftsinteressierten wieder einmal nach Stockholm. Dann wird bekannt, wer in diesem Jahr den Wirtschafts-Nobelpreis erhält. Aus Schweizer Sicht dürfte dabei einmal mehr ein Name besonders interessieren: Ernst Fehr. Der an der Universität Zürich lehrende Ökonom wird seit Jahren als möglicher Preisträger gehandelt.

    Ernst Fehr
    Der Schweizer Ernst Fehr gilt als möglicher Kandidat für den Wirtschaftsnobelpreis. - keystone

    Ob Fehr diesmal tatsächlich zum Zug kommt, ist allerdings kaum seriös vorherzusagen. Die Namen der Nominierten werden von der Nobel-Stiftung unter Verschluss gehalten. Und auch bei den Forschungsgebieten lasse sich aus den Entscheidungen der vergangenen Jahre nur begrenzt auf die Wahl des Nobelkomitees schliessen, heisst es jeweils.

    Inhaltlich gibt es kaum Zweifel, dass Fehr in die Nobel-Kategorie gehört. Der inzwischen 70-jährige schweizerisch-österreichische Ökonom gehört zu den prägenden Figuren der Verhaltensökonomie. Er hat dabei das klassische Bild des rein eigennützigen Homo oeconomicus relativiert. «Viele Ökonomen wussten zwar, dass das nicht die ganze Wahrheit ist, sie haben aber dieses Bild verinnerlicht», sagte er vor ein paar Monaten in einem Interview mit der «Neuen Zürcher Zeitung». Die wissenschaftlichen Befunde zeigten jedoch, dass Menschen auch von Fairness, Gerechtigkeit und dem Wohl anderer motiviert würden.

    Fehr gilt als einer der meistzitierten, wenn nicht gar als der meistzitierte Ökonom des deutschsprachigen Raums. Seit 2012 leitet er unter anderem als Direktor auch das UBS International Center of Economics in Society. Dieses ist ein assoziiertes Institut der Universität Zürich. Es wurde von der Grossbank mit UBS mit einem Startbetrag von 100 Millionen Franken ins Leben gerufen. Gemäss Fehr ist die wissenschaftliche Freiheit aber «komplett gewährleistet».

    Wie hoch Fehrs Ansehen in der internationalen Ökonomenzunft ist, zeigte sich auch im vergangenen Juni. Zu einer wissenschaftlichen Konferenz anlässlich seines 70. Geburtstags kamen unter anderem die Nobelpreisträger Abhijit Banerjee, Esther Duflo, Joel Mokyr, Oliver Hart und Jean Tirole nach Zürich.

    Fehr ist allerdings nur einer von zahlreichen Ökonominnen und Ökonomen, denen Chancen auf den Nobelpreis zugeschrieben werden. Einen Anhaltspunkt liefert jeweils der Informationsdienst Clarivate. Dieser identifiziert anhand wissenschaftlicher Zitationen Forscher, deren Arbeiten nach seiner Einschätzung «Nobelklasse» erreicht haben. Eine Prognose für den jeweiligen Nobelpreis will Clarivate damit ausdrücklich nicht abgeben.

    Für 2026 hat Clarivate bei den Wirtschaftswissenschaften vier Namen herausgehoben. Dazu gehört der Geldtheoretiker Michael Woodford von der Columbia University. Seine Arbeiten über Geldpolitik, Inflationserwartungen und die Kommunikation von Zentralbanken haben auch die praktische Geldpolitik stark beeinflusst. Insbesondere gilt Woodford als wichtiger theoretischer Wegbereiter der sogenannten «Forward Guidance», mit der Notenbanken die Erwartungen von Unternehmen, Anlegern und Konsumenten zu steuern versuchen.

    Als weitere Kandidaten nennt Clarivate Susan Athey von der Universität Stanford und Hal Varian von der Universität Berkeley. Gewürdigt werden ihre Arbeiten zur Ökonomie der Informationstechnologie. Angesichts der wachsenden Bedeutung digitaler Plattformen, von Daten und künstlicher Intelligenz wäre ein Preis für die Digitalökonomie durchaus zeitgemäss.

    Der vierte Clarivate-Kandidat ist Sidney Winter von der Universität in Pennsylvania. Er hat sich insbesondere mit evolutionärer Ökonomie sowie der Frage beschäftigt, wie sich Unternehmen und Organisationen an veränderte Rahmenbedingungen anpassen.

    Auf dem Prognosemarkt Polymarket, auf dem man über den Ausgang des Rennens spekulieren kann, liegt aktuell mit 19 Prozent allerdings mit dem Harvard-Ökonomen Ariel Pakes ein anderer Kandidat an der Spitze. Seine empirischen Methoden werden etwa dafür verwendet, zu untersuchen, wie sich Unternehmen, Produkte, Preise und Wettbewerb in bestimmten Märkten entwickeln. Ernst Fehr kommt auf eine Gewinnwahrscheinlichkeit von 6 Prozent und liegt damit an sechster Stelle.

    Der Wirtschafts-Nobelpreis ist eigentlich kein «echter» Nobelpreis, sondern wurde erst im Jahr 1968 von der Schwedischen Zentralbank anlässlich ihres 300-jährigen Bestehens gestiftet und wird seit 1969 vergeben. Der offizielle Name lautet daher «Preis der schwedischen Reichsbank für Wirtschaftswissenschaften im Gedenken an Alfred Nobel». Nobel selbst hatte in seinem Testament nur die fünf Kategorien Physik, Chemie, Medizin, Literatur und Frieden für den Preis festgelegt.

    Kommentare

    Weiterlesen

    sdf
    122 Interaktionen
    In einem Monat
    Digitalisierung Monica Amgwerd
    4 Interaktionen
    Dänemark-Hack

    MEHR AUS STADT ZüRICH

    Zürich
    Zürich
    -
    40 Interaktionen
    Mit 18 Jahren
    7 Interaktionen
    Zürich
    GC YB
    19 Interaktionen
    «Welt ist klein»