Versicherungsriese Helvetia Baloise gibt Einblick in Zukunftspläne

Keystone-SDA
Keystone-SDA

Basel,

Ein neuer Versicherungs-Koloss ist geboren – und nun wird es ernst: Die frisch fusionierte Helvetia Baloise lüftet erstmals den Schleier über Zahlen und Strategie. Der Konzern mit 20 Milliarden Geschäftsvolumen und rund 22'000 Mitarbeitenden will am Mittwoch zeigen, wohin die Reise nach der Mega-Fusion geht. Dazu die wichtigsten Fragen und Antworten:

Helvetia, Baloise
Am Mittwoch werden neue Details zur Zukunft der fusionierten Unternehmen Helvetia und Baloise bekannt. - keystone

Helvetia und Baloise kündigten die Fusion unter Gleichen («Merger of Equals») vor gut einem Jahr an. Offiziell ging der Zusammenschluss schliesslich nach Erhalt aller erforderlichen Genehmigungen der Aufsichtsbehörden Anfang Dezember über die Bühne. Seither wird die Aktie mit dem Symbol HBAN an der Schweizer Börse SIX gehandelt. Dabei wurden die Papiere der Baloise in neu ausgegebene Namensaktien der Helvetia Baloise umgetauscht und dekotiert. Faktisch ging die Baloise damit in der Helvetia auf.

Bei der Fusion ging es vor allem um Grösse, Effizienz und um eine starke Wettbewerbsposition. Im Heimmarkt Schweiz ist die neue Gruppe mit über zwei Millionen Kunden und einem Marktanteil von rund 20 Prozent zum grössten Allbranchenversicherer aufgestiegen. In Europa schafft sie es verteilt auf acht Länder (Schweiz, Deutschland, Spanien, Italien, Frankreich, Belgien, Luxemburg, Österreich) in die «Top 10» der börsenkotierten Versicherungen. Weit vor der Fusionsankündigung hatten aktivistische Aktionäre bei der Baloise einschneidende Veränderungen gefordert.

An der Spitze stehen der frühere Helvetia-Chef Fabian Rupprecht als CEO und der ehemalige Baloise-Präsident Thomas von Planta als Verwaltungsratspräsident. Einen wichtigen Posten in der Geschäftsleitung bekleidet auch Martin Jara von der Helvetia als Chef des Schweizer Geschäfts, während der frühere Baloise-CEO Michael Müller die Fusion umsetzen soll und der Baloise-Anlagechef Matthias Henny als Finanzchef amtet. Derweil sitzen im Verwaltungsrat je sieben Personen aus den Verwaltungsräten der Helvetia und der Baloise.

Ein Teil der Fusion ist auch der Name, der künftig an den Gebäuden des Versicherers, auf Webseiten oder in der Werbung zum Einsatz kommen wird. Beim Markennamen fällt nämlich der Zusatz «Baloise» weg. Das Logo setzt sich aus der Wortmarke «Helvetia» und der 2022 modernisierten Farb- und Schriftwelt mit der von Baloise zusammen, mit der quadratischen Bildmarke im Logo. Der Name «Helvetia» sei in den Ländereinheiten und Sprachregionen universell besser einsetzbar, lautete die Begründung.

Während Baloise aus dem Markennamen fällt, muss die ehemalige Helvetia einen wohl schwereren Verlust tragen. Denn der Hauptsitz der neuen Gesellschaft ist Basel, wogegen dem früheren Helvetia-Hauptquartier St. Gallen weniger Gewicht zukommen wird. Medienberichten zufolge gibt die Gruppe dort Teile der Büroflächen ab, etwa an die benachbarte Universität St.Gallen (HSG). Noch unklar ist, wie viele Jobs von St. Gallen nach Basel und den ebenfalls wichtigen Standort in Stettbach bei Zürich verlagert werden.

Von den rund 22'000 Jobs wird ein beträchtlicher Teil gestrichen. Schliesslich will die Gruppe ein Synergiepotenzial von rund 350 Millionen Franken erschliessen. Laut den Plänen werden zwischen 2000 und 2600 Stellen abgebaut, davon allein 1400 bis 1800 in der Schweiz. Details dazu, zu den Konzernzielen und der strategischen Ausrichtung werden ebenfalls am 15. April an einem Investorentag in London erläutert. Den Aktionären wurde indes eine Steigerung der Dividendenkapazität um rund 20 Prozent bis ins Jahr 2029 versprochen.

Kurzfristig ändert sich für die Kundinnen und Kunden der Helvetia und der Baloise wenig. Die Verträge und der Versicherungsschutz werden unverändert weitergeführt. Die Angebote in den Märkten mit gemeinsamer Präsenz würden indes «sukzessive zusammengeführt» und auf die Helvetia Baloise übergehen. Langfristig sollen die Kunden von einem breiteren Angebot und dem dichten Vertriebsnetz an über 150 Standorten mit gut 1700 Beratern allein in der Schweiz profitieren.

Bislang hielt sich die Konkurrenz auf dem Schweizer Versicherungsmarkt mit Aussagen zur Fusion zurück. Kurzfristig ändere sich für ihr Unternehmen dadurch nichts, längerfristig könne sich aber die Marktdynamik verändern, sagte Allianz-Suisse-Chefin Laura Gersch zur Nachrichtenagentur AWP. Erste Chancen gebe es im Broker-Geschäft: Weil Broker ihren Kunden eine Mindestzahl an Offerten vorlegen müssen, könnte Allianz Suisse künftig häufiger in die engere Auswahl kommen. Ähnlich tönte es an der Bilanzmedienkonferenz der Vaudoise.

Kommentare

Weiterlesen

Tariferhöhung
21 Interaktionen
GA wird immer teurer
Jacques Moretti Dach-Arbeiten
49 Interaktionen
Nicht krank?

MEHR AUS STADT BASEL

Basel
Basel-Stadt
6 Interaktionen
Basel
1 Interaktionen
Basler Klybeck-Areal
5 Interaktionen
Basel