So wichtig sind die Deutschen für den Tourismus

    Michael Bolzli
    Michael Bolzli

    Bern,

    Deutschland hat die Schweiz zum Risikogebiet erklärt. Zum Leid der heimischen Tourismus-Branche, welche schon zuvor mit einem Gästeschwund kämpfte.

    Tourismus
    Besonders für Bergregionen ist es ein Problem, wenn ihre Ärzte keinen Beinbruch mehr behandeln können. - Keystone

    Das Wichtigste in Kürze

    • Die ganze Schweiz ist neu auf der Risikoliste Deutschlands.
    • Deutschland ist der wichtigste Auslandsmarkt für den Schweizer Tourismus.

    Es war absehbar und ist dennoch ein Schock: Heute hat Deutschland die ganze Schweiz auf die Risikoliste gesetzt. Die Regel gilt ab kommendem Samstag.

    «So kurz vor dem Start der Wintersaison ist dieser Entscheid für die Schweiz denkbar ungünstig», sagt Barbara Gisi, Direktorin des Schweizer Tourismus-Verbands. Sowieso läuft es für die Branche nicht optimal. «Aufgrund der Covid-19-Pandemie sind die Gästezahlen aus Deutschland bereits stark im Sinkflug.»

    Wintersport
    Die Wintersport-Saison wird dieses Jahr in einem anderen Rahmen ausfallen. - APA/AFP/Archiv

    Allein im ersten Halbjahr 2020 reisten 50 Prozent weniger Gäste in die Schweiz als im Vorjahr. Das Buchungsverhalten der deutschen Gäste werde nun noch zurückhaltender, glaubt Gisi.

    Deutsche meiden Risikogebiete

    Diese Befürchtung stützt eine jüngst in Deutschland durchgeführte Umfrage des Marktforschers YouGov, die zeigt: 45 Prozent der Wintersportler wollen ihre Ferien nicht antreten, wenn das Zielgebiet zum Risikogebiet erklärt wird.

    Wenn die Deutschen der Schweiz fernbleiben, sind alle traditionellen Wintersport-Regionen betroffen: Graubünden, das Wallis, das Berner Oberland, aber auch die Zentralschweiz.

    Ständerat Coronavirus
    Bereits im Frühjahr reisten weniger ausländische Gäste in die Schweiz. - Keystone

    Deutschland ist der wichtigste Auslandsmarkt für die Schweiz – im Sommer und Winter. Letztes Jahr verzeichneten Schweizer Hotels 1,8 Millionen Logiernächte durch deutsche Gäste. Das entspricht jeder zehnten Hotel-Übernachtung.

    Um vermehrt ausländische Gäste anzulocken, fordert die Tourismus-Branche schon länger, dass das Quarantäne-Regime durch Schnelltests abgelöst wird. «Wie dies in anderen Ländern bereits praktiziert wird», ergänzt Gisi.

    Trotzdem hat sie für die vom Bundesrat beschlossenen Einschränkungen Verständnis. «Wir müssen aus eigenem Interesse darauf hoffen, dass die Massnahmen greifen und kein zweiter Lockdown verordnet wird. Dieser wäre für die Branche verheerend.»

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