SpaceX

Schweizer Weltraumfirmen hoffen auf Schub durch SpaceX-Börsengang

Keystone-SDA
Keystone-SDA

Zürich,

Mit dem geplanten Börsengang der US-Raumfahrtfirma SpaceX am Freitag blickt die Welt auf die Raumfahrtbranche. Weniger bekannt ist, dass auch in der Schweiz in den vergangenen Jahrzehnten zahlreiche Weltraumfirmen entstanden sind.

Eine Nutzlastverkleidung für die Raumfahrt liegt in der Montagehalle von Beyond Gravity im luzernischen Emmen. (Archivbild)
Eine Nutzlastverkleidung für die Raumfahrt liegt in der Montagehalle von Beyond Gravity im luzernischen Emmen. (Archivbild) - KEYSTONE/GAETAN BALLY

Bei privaten Weltraumfirmen kommen einem zuerst US-Unternehmen wie SpaceX von Milliardär Elon Musk oder Blue Origin von Amazon-Gründer Jeff Bezos in den Sinn. Rund um diese Vorreiter ist in den vergangenen Jahren eine Vielzahl weiterer Unternehmen entstanden, die Geschäfte rund um den Weltraum betreiben.

Einen besonderen Schub erhielt die Branche durch die wiederverwendbaren Raketen von SpaceX. Dadurch konnten die Kosten für den Transport ins All um bis zu 95 Prozent gesenkt werden. War der Weltraum zuvor weitgehend Regierungen und Grosskonzernen vorbehalten, können heute auch kleinere Firmen mitmischeln.

Weltraumfirmen allein auf Satelliten und Raketen zu reduzieren, greift zu kurz. Diese bilden zwar die Grundlage vieler Anwendungen, darüber hinaus umfasst die Branche jedoch ein deutlich breiteres Spektrum. Üblicherweise wird zwischen den Bereichen Upstream (Infrastruktur) und Downstream (Anwendungen) unterschieden.

Vereinfacht gesagt umfasst der Upstream-Bereich alles, was in den Weltraum befördert wird, etwa Raketen oder Satelliten. Beim Downstream werden die im All gewonnenen Daten oder Signale auf der Erde genutzt und weiterverarbeitet. Beispiele sind Wetterdaten oder GPS-Signale.

Die Schweiz verfügt über eine lange Tradition in der Raumfahrt. So gehörte sie 1975 zu den Gründungsländern der europäischen Weltraumorganisation ESA. Bekanntester Vertreter ist die ehemalige Ruag Space, die heute unter dem Namen Beyond Gravity firmiert. Das Unternehmen fertigt unter anderem die Spitzen der europäischen Ariane-Trägerraketen.

Daneben gibt es zahlreiche Zulieferer. Dazu zählen etwa der Antriebsspezialist Maxon mit einem bedeutenden Raumfahrtgeschäft oder der Westschweizer Zulieferer Apco. Diese Unternehmen sind eher der etablierten Weltraumbranche zuzuordnen.

Noch wenig bekannt sind dagegen die zahlreichen Jungfirmen in der Schweiz. Dank der intensiven Forschung an den beiden ETH in Zürich und Lausanne sind in den vergangenen Jahren zahlreiche Weltraumunternehmen entstanden. Entsprechend konzentrieren sie sich vor allem auf den Raum Zürich und die Genferseeregion.

Seit Mitte der 2010er-Jahre ist die Zahl der Firmengründungen im Weltraumbereich deutlich angestiegen. Wurden in den 1990er- und 2000er-Jahren jährlich fünf bis zehn Unternehmen gegründet, liegt die Zahl inzwischen bei knapp 20 pro Jahr, wie dem «Swiss Space Ecosystem Report 2024» zu entnehmen ist.

Besonders stark ist die Schweiz im Bereich Hardware. Zu nennen ist hier etwa das Unternehmen DPhi Space, das an Rechenzentren im Weltall arbeitet. Grössere Bekanntheit erreichte zuletzt auch Clearspace, die Technologien zur Beseitigung von Weltraumschrott entwickelt.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Auswertung von Daten aus dem Weltraum. Beispiele hierfür sind Reor20, die Flutvorhersagen macht, oder Correntics für das Management von Lieferketten.

Am erfolgreichsten am Markt behauptet sich derzeit Swissto12. Das 2011 aus der EPFL hervorgegangene Unternehmen stellt mit seiner 3D-Drucktechnologie Hochfrequenz-Komponenten, Antennen und komplette Satellitensysteme her und verfügt inzwischen auch international über eine starke Vernetzung.

Am meisten fehle der Schweizer Weltraumbranche noch die Sichtbarkeit in einer breiteren Öffentlichkeit, sagte Nanja Strecker, Leiterin des Start-up-Inkubators ESA BIC Switzerland, der Nachrichtenagentur AWP. Der Börsengang von SpaceX könnte dies ändern, denn dieser «dürfte die Sichtbarkeit und Attraktivität des gesamten Raumfahrtsektors erhöhen und damit auch der Schweizer Industrie Rückenwind geben», sagte Raiffeisen-Chefökonom Fredy Hasenmaile.

In der Raumfahrtbranche selbst sei bereits eine gewisse Aufbruchstimmung spürbar, so Strecker weiter. Ein Überspringen auf den öffentlichen Diskurs sieht sie derzeit allerdings noch nicht.

Auch wenn die Kosten für Raketenstarts deutlich gesunken sind, bleibt das Weltraumgeschäft in der «Regel kosten- und forschungsintensiv und erfordert Zeit», schreibt die Bank Raiffeisen in einer Studie zur Weltraumwirtschaft. Wie bei vielen anderen Jungunternehmen sei die Kapitalbeschaffung schwieriger als in den USA. Zudem sei die Risikokapital-Kultur in Europa und insbesondere in der Schweiz weniger ausgeprägt.

In den USA steht nicht nur deshalb deutlich mehr Kapital zur Verfügung. Die US-Regierung begann bereits vor mehr als einem Jahrzehnt damit, den privaten Raumfahrtsektor gezielt zu fördern. Europa hinkt dieser Entwicklung weiterhin hinterher. «Die Funktionsweisen der Behörden und Institutionen sind oft viel zu langsam und bürokratisch», sagte Nanja Strecker. Dies sei ein deutlicher Wettbewerbsnachteil.

Gleichzeitig erkennt sie positive Signale. Länder wie Frankreich und Deutschland hätten den Handlungsbedarf erkannt und investierten inzwischen Milliardenbeträge in den Sektor, und dies nicht nur in die Verteidigung. Eine ähnliche Entwicklung würde sie sich auch für die Schweiz wünschen. Hier fehle es derzeit noch an einem gemeinsamen Ziel und an der nötigen Koordination, damit die Schweizer Weltraumfirmen auch wirklich abheben können.

Kommentare

Weiterlesen

coop
211 Interaktionen
Cashless boomt
Fischi
158 Interaktionen
Ex-Nati-Coach spricht

MEHR SPACEX

SpaceX
KI-Rechenleistung
SpaceX
Countdown
Elon Musk SpaceX
12 Interaktionen
135 Dollar pro Aktie
SpaceX
1 Interaktionen
Tech-Rennen

MEHR AUS STADT ZüRICH

Bankerin
2 Interaktionen
Kundenkonto abgeräumt
6 Interaktionen
Am 18. Juni
1 Interaktionen
Zürich
Pfadi Züri 2026 Präsidentin
Pfadi Züri