Schweizer KMU erwarten schlimmere Cyberangriffe - wegen KI
Schweizer KMU sind immer häufiger Opfer von Cyberkriminellen. Sie befürchten, dass KI nun zu einem weiteren Anstieg führen wird – und die Attacken gefährlicher werden.

In den vergangenen drei Jahren waren 6 Prozent der Schweizer KMU von einem schwerwiegenden Cybervorfall betroffen. Das entspricht hochgerechnet rund 35'000 kleinen und mittleren Unternehmen, wie aus der am Donnerstag veröffentlichten Studie «KMU Cybersicherheit 2026» hervorgeht. Im Vorjahr hatte der Anteil noch bei 4 Prozent gelegen.
Besonders verbreitet sind zudem Cyber-Erpressungen. Rund 7 Prozent der befragten KMU gaben an, bereits einmal Opfer einer solchen Attacke geworden zu sein. Das entspricht schweizweit rund 43'000 bis 45'000 Unternehmen. Zu den häufigsten Angriffsarten zählen Phishing, Passwort-Hacking und Schadsoftware.
Nach Erfahrungen des Versicherers Mobiliar verursacht ein Cyber-Schaden bei KMU durchschnittlich Kosten von rund 8000 bis 10'000 Franken. Diese Schätzung beziehe sich allerdings nur auf die eigenen Versicherungsfälle und sei nicht repräsentativ für sämtliche Schweizer Unternehmen, sagte Jesús Pampín, Leiter des Kompetenzzentrums Cyber Risk bei der Mobiliar, bei der Präsentation der Studie.
Für die kommenden Jahre rechnen die Firmen mit einer weiteren Verschärfung der Bedrohungslage. Vier von fünf KMU (81 Prozent) gehen davon aus, dass Cyberangriffe durch den Einsatz künstlicher Intelligenz gefährlicher werden.
Gleichzeitig setzt erst knapp die Hälfte der Unternehmen KI in eigenen Projekten ein. KI mache es Cyberkriminellen einfacher, Angriffe vorzubereiten und überzeugender zu gestalten, sagte Pampín. Dadurch entwickelten sich die Angriffsmethoden immer schneller weiter.
Bei den technischen Schutzmassnahmen sind viele KMU laut der Studie vergleichsweise gut aufgestellt. Mehr als 80 Prozent führen regelmässig Software-Updates durch, rund neun von zehn Unternehmen sichern ihre Daten. Auch die Mehrfaktor-Authentifizierung gehört vielerorts zum Standard.
Deutlich schlechter sieht es bei den organisatorischen Vorkehrungen aus. Nur etwa jedes dritte KMU führt regelmässige Mitarbeiterschulungen durch oder inventarisiert seine IT-Systeme und Cloud-Dienste. Auch Notfallpläne und Sicherheitsaudits sind wenig verbreitet.
Besonders auffällig sind die Defizite bei der Datensicherung: Nur jedes vierte Unternehmen überprüft regelmässig, ob sich gesicherte Daten im Ernstfall tatsächlich wiederherstellen lassen. Damit bleibt laut den Studienautoren ungewiss, ob die Firmen nach einem Angriff rasch wieder arbeitsfähig wären.
Für die Studie wurden zwischen Ende Juni und Anfang Juli 507 Geschäftsleitende von Schweizer KMU mit 1 bis 49 Mitarbeitenden befragt. Durchgeführt wurde sie von der Mobiliar gemeinsam mit Digitalswitzerland, dem Bundesamt für Cybersicherheit und weiteren Partnern.






