Just Eat Schweiz: Hunderte Kuriere bangen um ihren Job
Je nach Region sollen Angestellte, Selbstständige und Flottenpartner zum Einsatz kommen. Für Mitarbeitende kann der Umbau personelle Folgen haben.

Das Wichtigste in Kürze
- Essenslieferant Just Eat will sein Kuriergeschäft umbauen.
- Das könnte für hunderte Kuriere den Jobverlust bedeuten.
- Der Umbau des Kuriergeschäfts habe keine finanziellen Gründe, erklärt Just Eat.
Just Eat stellt sein Kuriergeschäft neu auf und will künftig verstärkt auf Selbstständige und externe Flottenpartner setzen.
Der Essenslieferdienst führt aktuell ein Konsultationsverfahren durch, wie das Unternehmen am Donnerstag mitteilte.
Im Zuge der Umstellung könnten mehrere Hundert der rund 700 Kurierstellen wegfallen. Das sagte Schweiz-Chef Lukas Streich in einem gleichentags publizierten Interview mit dem «Tages-Anzeiger».
Die genaue Zahl soll nach Abschluss des Konsultationsverfahrens in etwa zwei Wochen feststehen.
Stellenabbau aus Flexibilitäts- nicht aus Spargründen
Die Neuausrichtung sei aber keine Sparmassnahme, sondern eine Reaktion auf veränderte Kundenbedürfnisse, erklärte Streich. Denn die Nachfrage nach Lieferungen verteile sich zunehmend über den ganzen Tag und reiche bis in die Nacht.
Mit fest angestellten Kurieren und Schichtplänen, die zwei Wochen im Voraus festgelegt würden, lasse sich diese Flexibilität nicht gewährleisten.

Das neue Modell sieht laut Streich je nach Region unterschiedliche Lösungen vor. In Städten wie Zürich, Bern, Basel und Winterthur sowie in der Ostschweiz sollen vermehrt selbstständige Kuriere zum Einsatz kommen.
Im Tessin arbeite Just Eat vor allem mit dem Flottenpartner On Duty zusammen. In der Westschweiz sollen die Kuriere aufgrund eines Gerichtsurteils weiterhin angestellt bleiben.
Gewerkschaften sind hässig
Mit der Umstellung nähert sich Just Eat dem Geschäftsmodell des Konkurrenten Uber Eats an. Dieses wird von Gewerkschaften wegen der Arbeitsbedingungen kritisiert. Streich weist in dem Interview jedoch den Vorwurf zurück, er wälze sein unternehmerisches Risiko auf die Kuriere ab.
«Das stimmt nicht in allen Fällen», erklärt Streich. Er verwies auf die Möglichkeit, Aufträge frei anzunehmen oder abzulehnen, sowie auf höhere Verdienstchancen bei starker Nachfrage.
Konkrete Angaben zum durchschnittlichen Verdienst pro Lieferung machte er jedoch nicht.
Für die betroffenen Mitarbeitenden sei ein Sozialplan vorgesehen, sagte Streich weiter. Zudem könnten sie sich als Selbstständige um Aufträge bewerben.






