Appenzellerland

    Schaukäserei in Stein AR wird erneuert – und plant Erlebniszentrum

    Keystone-SDA Regional
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    Appenzell,

    Die Appenzeller Schaukäserei will ihre Produktionsanlagen erneuern und gleichzeitig die Weichen für die Zukunft stellen. Gemeinsam mit dem Volkskunde-Museum sowie weiteren Partnern plant sie in Stein ein Hotel sowie Kulturangebote. Geschäftsführer Ralph Böse erläutert die Pläne.

    Auf dem Gelände der Schaukäserei in Stein ist eine umfassende Arealentwicklung geplant.(Archivbild)
    Auf dem Gelände der Schaukäserei in Stein ist eine umfassende Arealentwicklung geplant.(Archivbild) - KEYSTONE/GAETAN BALLY

    Teile der Schaukäserei in Stein sind in die Jahre gekommen und müssen erneuert werden. Parallel dazu ist ein Plan für das gesamte Areal entstanden. Im Interview erklärt Geschäftsführer Ralph Böse, weshalb die technische Sanierung nur der erste Schritt eines weit grösseren Projekts sein könnte.

    Auf dem Gelände der Schaukäserei in Stein AR ist eine umfassende Arealentwicklung geplant. Entstehen soll in den nächsten Jahren ein Erlebnisort. Welche Ideen liegen dem Projekt zugrunde?

    Ralph Böse: Die Appenzeller Schaukäserei AG beschäftigt sich bereits seit dem Jahr 2020 mit der Planung einer umfassenden Sanierung ihrer in die Jahre gekommenen käsereitechnischen Anlagen. Relevante Kernanlagen laufen bereits seit 1993 fast ununterbrochen. Gleichzeitig sind auch weitere Anlagen des Tourismusbetriebes nicht mehr zeitgemäss. Längst nicht mehr alle Schaukäsereien in der Schweiz leisten sich den Erhalt ihrer Produktion.

    Welche Bedeutung hat der Produktionsbetrieb in Stein?

    Wir planen den wirtschaftlichen Erhalt der Schaukäserei, welche seit bald 50 Jahren an diesem Standort im Appenzellerland eine touristische Institution ist. Die Produktion für den Markt ist unser Herzstück. Ohne Produktion kein Schaubetrieb, ohne Schaubetrieb kein Tourismus. Wir produzieren am Standort Stein mit rund 750 Tonnen Appenzeller Käse etwa 8,5 Prozent des gesamten Marktvolumens von Appenzeller Käse. Ein Produktionsausfall wäre fatal. Das Risiko plötzlich anfallender hoher und wenig nachhaltiger Unterhaltskosten steigt stetig.

    Wie hoch werden die Kosten voraussichtlich sein und wann können die Arbeiten starten?

    Die Kosten für die umfassende Erneuerung der Käserei belaufen sich auf 6,8 bis 7,3 Millionen Franken, je nach Ausbaustandard. Das Baugesuch wurde Ende Februar 2026 bei der Gemeinde eingereicht und die Bewilligung liegt uns seit Mitte Juli vor. Die Planungsarbeiten laufen bereits. Sobald die volle Finanzierung steht, können auch die ersten baulichen Arbeiten im Aussenbereich starten. Wir rechnen damit im Frühsommer 2027.

    Wird es zu einem generellen Betriebsunterbruch auch für den Shop und das Restaurant kommen?

    Es wird nur einen Betriebsunterbruch in der Käserei geben. Den Shop, die Gastronomie und auch den Schaubereich möchten wir durchgehend, vielleicht mit angepassten Öffnungszeiten, weiter offenhalten.

    Rechnen Sie mit Einnahmeverlusten?

    Ja, es ist jedoch enorm schwierig, diese abzuschätzen. Der Unterbruch ist im Winter vorgesehen, dann ist die Gästefrequenz am tiefsten.

    Was gab den Ausschlag, dass aus einem technischen Sanierungsprojekt ein umfassendes Arealentwicklungsprojekt wurde?

    Im Zuge der käsereitechnischen Planungsarbeiten hat sich der Verwaltungsrat der Appenzeller Schaukäserei auch mit der Unternehmensstrategie über die nächsten 20 bis 30 Jahre beschäftigt. Unsere Vision sieht vor, dass sich in der Appenzeller Schaukäserei Genuss, Brauchtum, Regionalität, traditionelles Handwerk und modernste Technologie ergänzen und für einen spannenden mehrtägigen Aufenthalt der Gäste sorgen sollen. Die Vision aus dem Jahr 2023 basiert auf dem Ziel einer gewünschten Wertschöpfungssteigerung am Standort Stein im Rahmen eines touristischen Gesamterlebnisses mit einem Hotelbetrieb.

    Allein kann die Schaukäserei ein solches Projekt kaum stemmen. Wer ist noch mit an Bord?

    Die Projektgruppe besteht aus Vertretern der Anspruchsgruppen des Volkskunde-Museums, der Stiftung für Appenzellische Volkskunde, Gemeinde und Kanton und natürlich der Schaukäserei als Grundeigentümerin. Alle Involvierten haben zusammen bereits vor zwei Jahren eine Absichtserklärung mit den gemeinsamen Zielen unterzeichnet. Am Standort Stein soll ein touristisches Highlight im Appenzellerland entstehen. Untersuchungen des Kantons Appenzell Ausserrhoden haben zudem ergeben, dass im Kanton ein Bedürfnis nach neuen, vor allem zeitgemässen Hotelbetten besteht. Der Standort Stein als Nachbargemeinde der Kongressstadt St. Gallen und die zentrale Lage für Freizeitaufenthalte im Raum Ostschweiz zwischen Bodensee und Säntis sind dabei eine hervorragende Ausgangslage.

    Inwiefern ist auch das Volkskunde-Museum Teil des Gesamtprojekts?

    Im Jahr 2024 zeichnete sich ab, dass das Appenzeller Volkskunde-Museum, unser Nachbarbetrieb, für eine langfristige Überlebensfähigkeit eine Transformation der Betriebsstrukturen vollziehen muss. Gleichzeitig kam die Gemeinde Stein mit dem Wunsch auf die Appenzeller Schaukäserei und das Museum zu, den heutigen Besucherparkplatz im Rahmen der nächsten Ortsplanungsrevision als Zone der inneren Verdichtung zu definieren. Somit war für die Appenzeller Schaukäserei klar, dass es auf dem Gelände der Schaukäserei und des Museums eine umfassende Arealentwicklung braucht.

    Was ist vorgesehen?

    Im Gesamtprojekt ist ein zusammenhängender Erlebnisrundgang geplant, der das Thema der Vieh-, Milch- und Käsewirtschaft, aber auch das bäuerliche Leben im Appenzellerland von einst – hier sind speziell die Themen der Bauernmalerei und Heimweberei zu erwähnen – beleuchtet. Die Schaukäserei einerseits und die Kulturgüter des Volkskunde-Museums andererseits sollen in einem durchgängigen «Storytelling» erlebnisreich verwoben werden.

    In welchem Kostenrahmen bewegt sich das Gesamtprojekt?

    Die ersten Einschätzungen haben ergeben, dass das Gesamtprojekt Erlebnisort in einem Kostenrahmen von rund 27 Millionen Franken zu liegen kommt. Die angedachte Wohnraumentwicklung auf dem heutigen Besucherparkplatz, ein Teil der Arealentwicklung, ist darin nicht eingerechnet.

    Wie soll der Finanzbedarf gedeckt werden?

    Die Finanzierung wird eine grosse Herausforderung. Es braucht eine umfassende Aktienkapitalerhöhung mittels einer Publikumsaktie. Im Bereich der Hotellerie wird es nicht ohne einen zusätzlichen Grossinvestor gehen. Bei der Ausstellungsgestaltung beziehungsweise dem Ausbau des Erlebnisrundganges hoffen wir auf die Unterstützung von Dritten, zum Beispiel Stiftungen. Entscheidend wird sein, dass wir bald ein attraktives Vorprojekt präsentieren können, welches wir, mit entsprechenden Zahlen hinterlegt, bewerben können.

    Wie sieht der Zeitplan aus?

    Wir möchten bis im Sommer 2027 für die architektonische Arealgestaltung einen begleiteten Studienauftrag durchführen. Parallel dazu wird die Erneuerung der Käserei weiter vorangetrieben. Mit einem Start der Projektumsetzung Arealentwicklung rechnen wir nicht vor 2029. Man könnte auch sagen, das Projekt braucht sicher noch zwei bis drei Jahre Reifezeit und hat keine Garantie auf die Umsetzung. Eine risikobehaftete Reifezeit, die wir bei den in die Jahre gekommenen Käsereianlagen nicht abwarten können. Deshalb müssen wir die technische Sanierung vorziehen und rasch vorantreiben.

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