RTS darf Vipret-Reportagen wieder senden
Nach acht Monaten Sperre kann das Westschweizer Fernsehen RTS zwei Reportagen der Sendung «Vraiment» wieder ausstrahlen. Die Beiträge befassen sich mit Vorwürfen gegen den Freiburger Alternativheiler Denis Vipret. Das Bezirksgericht Lausanne hat die von Vipret beantragten vorsorglichen Massnahmen abgewiesen.

RTS begrüsste am Donnerstagabend den Entscheid der Waadtländer Justiz, die einstweilige Verfügung aufzuheben, die zur Entfernung der beiden Reportagen geführt hatte, wie es in einer Mitteilung hiess. In den Sendungen kommen Kundinnen zu Wort, die dem Heiler Übergriffe gegen ihre sexuelle Integrität vorwerfen.
Die im Juli 2025 ausgestrahlten Episoden waren zwischenzeitlich zurückgezogen worden und sind nun wieder verfügbar. RTS habe stets «die Berechtigung der Recherche, deren sorgfältige Durchführung und das überwiegende öffentliche Interesse» verteidigt, teilte der Sender mit.
RTS wertete den Entscheid als starkes Signal für die Pressefreiheit – insbesondere vor dem Hintergrund, dass solche Verfahren zunehmend eingesetzt würden, um journalistische Recherchen in der Schweiz zu stoppen. Der Entscheid kann noch angefochten werden.
Vipret's Anwalt, Nicolas Capt, sprach von einem vorläufigen Entscheid. Das Gericht habe lediglich festgestellt, dass die in der Sendung geschilderten Fakten nicht offensichtlich falsch seien. Dies bedeute weder, dass sie wahr, noch frei von Mängeln seien.
Vipret bestreitet die Vorwürfe und gilt als unschuldig. Gegen ihn laufen zwei Verfahren – eines bei der Staatsanwaltschaft Freiburg, ein weiteres bei der regionalen Staatsanwaltschaft Berner Jura-Seeland.
Bereits im Mai 2024 war Vipret vom Freiburger Kantonsgericht in zweiter Instanz wegen Vorfällen aus dem Jahr 2020 verurteilt worden. Er erhielt eine Busse von 2000 Franken wegen «Belästigung durch Konfrontation mit einer sexuellen Handlung» infolge unangemessener Gesten.






