2020 wurden in der Schweiz weniger Medikamente verkauft. Trotzdem stiegen die Kosten wegen verteuerten Preisen in der Pandemie etwas an.
Die Medikamentenpreise in der Schweiz sind im Jahr 2020 leicht gestiegen - hauptsächlich wegen der Pandemie. (Symbolbild)
Die Medikamentenpreise in der Schweiz sind im Jahr 2020 leicht gestiegen - hauptsächlich wegen der Pandemie. (Symbolbild) - sda - KEYSTONE/GAETAN BALLY

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Preise für Medikamente sind 2020 schweizweit gestiegen.
  • Am stärksten waren die Westschweiz und das Tessin betroffen.

Die Kosten für Medikamente in der Schweiz sind 2020 leicht gestiegen. Dabei war die Entwicklung laut neustem Helsana-Arzneimittelreport stark von der Covid-19-Pandemie geprägt. Weiterhin kaum genutzt wurde das Einsparpotential von Nachahmerpräparaten.

Trotz weniger Medikamente Kostenanstieg

Im Jahr 2020 sind zwar 2,2 Prozent weniger Medikamente bezogen worden als im Vorjahr. Die Kosten zulasten der Grundversicherung stiegen dagegen um 1,2 Prozent auf 7,741 Milliarden Franken.

Medikamente
Insgesamt wurden in der Schweiz 2020 weniger Medikamente verkauft. Trotzdem stiegen die Kosten an. (Symbolbild) - Keystone

Die höchsten Arzneimittelkosten verursachten mit knapp 1,2 Milliarden Franken erneut Immunsuppressiva. An zweiter Stelle der Kostenverursacher rangierten Krebsmedikamente mit 898 Millionen. Insgesamt entfielen 68 Prozent der Gesamtkosten auf die 15 kostenintensivsten therapeutischen Medikamentengruppen.

Pandemie treibt die Preise nach oben

Regional betrachtet, lagen die Medikamentenkosten pro Person in Teilen der Nordwest- und Westschweiz und im Tessin über dem Durchschnitt.

Die Corona-Pandemie wirkte sich auf die Arzneimittelbezüge aus. «Durch die hohe psychische Belastung und Verunsicherung wurden während des Lockdowns vermehrt Psychoanaleptika und Schlafmittel bezogen», teilte Helsana mit.

Lieferengpässe und nicht ausgeschöpftes Spar-Potential

Helsana geht auch auf die seit Jahren anhaltenden Lieferengpässe ein. Ursache sei ein weltweiter Rückgang der Hersteller und die dadurch resultierende Konzentration der Produktion auf nur wenige Standorte.

«Der Schweizer Markt ist klein, sodass er oft einer der ersten ist, der unter Lieferengpässen leidet», betont der Report. Bereits im Jahr 2019 habe man den Lieferengpass zu spüren bekommen. Allerdings sei er bislang «grösstenteils wenig kritisch».

Medikamente Schweiz
In vielen Fällen hätten die Schweizer Ärzte gemäss dem Bericht auch auf billigere Medikamente zurückgreifen können. - Keystone

Kaum Fortschritte seien beim Thema Einsparpotential gemacht worden. Das ungenutzte Sparpotenzial lag im abgelaufenen Jahr bei fast 100 Millionen Franken. Zwischen 2015 und 2020 hätte man und 275 Millionen Franken sparen können, wenn Ärzte vorhandene Nachahmerpräparate verschrieben hätten.

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