Gasverband sieht derzeit keinen Mangel
Der Krieg im Nahen Osten beeinträchtigt wichtige Transportwege für Gas, gleichzeitig sind die Gasspeicher in Teilen Europas ungewöhnlich leer. Die Versorgung der Schweiz sei dennoch derzeit gesichert, sagte Daniela Decurtins, Direktorin des Verbands der Schweizerischen Gasindustrie (VSG), in einem Interview mit dem Branchendienst «energate».

Eine Mangellage würde allerdings dann drohen, wenn mehrere ungünstige Faktoren gleichzeitig eintreten würden. Dazu zählten ein sehr kalter Winter, eine hohe Gasnachfrage für die Stromproduktion, eine eingeschränkte Verfügbarkeit von Flüssigerdgas (LNG) und zusätzliche Störungen wichtiger Lieferwege.
Grundsätzlich bleibe die Lage an den europäischen Gasmärkten angespannt, die Preise seien entsprechend hoch und schwankungsanfällig, so Decurtins. Besonders relevant für die Schweiz seien die niedrigen Füllstände der deutschen Gasspeicher.
In einem kalten Winter würden bis zu 80 Prozent des Gases über Deutschland in die Schweiz gelangen. Allerdings könne die Schweiz auch grössere Mengen über Frankreich und Italien beziehen, was die Versorgungslage entspannen könnte.
Bei der Krisenvorsorge sieht Decurtins die Schweizer Gasbranche auf Kurs. Die regionalen Gasgesellschaften würden ihre Verpflichtung erfüllen, für den Winter Gasreserven im Umfang von 15 Prozent des durchschnittlichen Schweizer Jahresverbrauchs in ausländischen Speichern anzulegen.
Zusätzliche Sicherheit biete eine neue Vereinbarung, mit der die Schweiz bei Bedarf bis zu 2 Terawattstunden Gas nutzen könne, das von Frankreich über die Schweiz nach Italien transportiert wird. Diese Menge sei für den Winter 2026/27 garantiert verfügbar, sofern die Bezugsoption aktiviert werde.
Für die weitere Entwicklung der Gaspreise wagt Decurtins keine Prognose. Die Preise reagierten empfindlich auf geopolitische Entwicklungen und die Versorgungslage. Bei einem kalten Winter sei mit weiteren Preissteigerungen zu rechnen.






