Franken wird wieder zur Safe-Haven-Währung
Nachdem der Schweizer Franken für ein paar Monate nicht mehr besonders gefragt war, legt er seit kurzem wieder deutlich zu. Dabei handelt es sich vor allem um eine Euro-Schwäche. Die politischen Entwicklungen in Frankreich lasten auf der Gemeinschaftswährung.

Am frühen Donnerstagnachmittag unterschritt der Franken zum Euro gar wieder die Marke von 92 Rappen. Damit stieg der Franken auf den höchsten Stand seit Anfang Juli.
Noch Anfang des Monats mussten für einen Euro fast 95 Rappen bezahlt werden. Auch zum US-Dollar verstärkte sich der Franken zuletzt wieder deutlich. Zuletzt kostete ein Dollar 82,25 Rappen, Anfang Monat waren es phasenweise noch fast 84 Rappen.
Hintergrund für die leichte Franken-Schwäche vor ein paar Wochen war vor allem die steigende Zinsdifferenz zwischen dem Euro-Raum und dem Dollar-Raum. Während die Schweizerische Nationalbank (SNB) dank anhaltend tiefer Teuerung den Leitzins bei null halten konnte, hatten sowohl die Europäische Zentralbank (EZB) als auch die US-Notenbank Fed jüngst ihre Zinsen erhöht.
Stimmung vollständig gedreht
Nun hat die Stimmung aber innert kurzer Zeit vollständig gedreht. Bauchschmerzen bereitet den Finanzmarktteilnehmern vor allem die hohe und weiter steigende Verschuldung in Frankreich und die anhaltende politische Unsicherheit mit Unruhen sowie die Präsidentschaftswahlen im nächsten Jahr. Das führte dazu, dass die Zinsen für französische Staatsanleihen mittlerweile höher sind als in früheren Problemländern wie Griechenland oder Italien.
Bei den zehnjährigen Staatsanleihen erreichte der Renditeabstand zu entsprechenden deutschen Papieren mit knapp 1,7 Prozentpunkten gar den höchsten Stand seit 15 Jahren. Da Frankreich nach Deutschland das zweitwichtigste EU-Land ist, ist die Verunsicherung gross.
Ein Euro bald unter 90 Rappen?
Entsprechend sind Marktteilnehmer verunsichert. Die anhaltenden Proteste seien nicht gerade vertrauensbildend, hiess es etwa in einem Devisenkommentar der Valiant Bank von dieser Woche. Dies weniger wegen der Bilder von Krawallen als vielmehr wegen der teilweise berechtigten Forderungen, deren Erfüllung hohe Kosten verursachen würde.
Da sich das Problem nicht schnell in Luft auflösen dürfte, ist davon auszugehen, dass die Zuflüsse in den Schweizer Franken wieder zunehmen werden und der Franken seine Rolle als sicherer Hafen wieder zurückerhalten wird. Wie während der Euro-Schuldenkrise diene das Euro/Franken-Paar damit zunehmend als Gradmesser für die Risiken innerhalb der Eurozone, meinte die Privatbank UBP in einem Kommentar.
Trotz der weiterhin für den Euro günstigen kurzfristigen Zinsdifferenzen dürften die Abwärtsrisiken in den kommenden Wochen bestehen bleiben und sich mit Blick auf 2027 noch verstärken. Mittelfristig seien gar Kurse von knapp unter 90 Rappen pro Euro möglich, glauben die Analysten der Privatbank.










