Experte: Binance-Rekordraub belastet Vertrauen in Kryptobranche
Der grösste Krypto-Diebstahl der Geschichte könnte das Vertrauen in die Kryptobranche nachhaltig belasten. Wie gross der Schaden für das Ansehen der Branche ausfällt, hängt vor allem davon ab, wie Binance mit dem Angriff umgeht, sagte Markus Perdrizat, Co-Chef der Cybersecurity Working Group der Zuger Crypto Valley Association, auf Anfrage der Nachrichtenagentur AWP.

«Jeder Hack dieses Ausmasses kostet die Branche ein Stück Vertrauen», sagte Perdrizat. Entscheidend sei nun, wie schnell Binance die Auszahlungen wiederherstelle und wie offen das Unternehmen über die Ursachen informiere.
Insgesamt sollen nordkoreanische Hacker bei der Kryptobörse Binance Kryptowährungen im Wert von bis zu 6,3 Milliarden US-Dollar gestohlen haben. Etwa die Hälfte davon wurde inzwischen eingefroren und so dem Zugriff der Angreifer entzogen.
«Binance bedient Kunden in der Schweiz, mir sind jedoch bislang keine spezifischen Berichte aus der Schweiz bekannt», sagte Perdrizat weiter. Kurzfristig seien Kunden vor allem dadurch betroffen, dass sie keine Auszahlungen mehr vornehmen könnten. Zudem seien die Kurse von Kryptowährungen teils recht stark gefallen.
Binance hat allerdings angekündigt, sämtliche Verluste der betroffenen Kunden zu übernehmen. Das Geld dürfte daher nicht wie bei der Pleite von FTX im Jahr 2022 verloren sein. Vielmehr könnte es ähnlich wie beim Diebstahl bei Bybit im vergangenen Jahr laufen. Damals wurden die Verluste innerhalb weniger Tage ausgeglichen und das Vertrauen rasch wiederhergestellt.
Bei den Angreifern habe es sich höchstwahrscheinlich um staatliche Akteure gehandelt, die für ihren Angriff viele Ressourcen und vor allem Zeit aufwenden könnten. «Keine Organisation, so gut ihre Kontrollmechanismen auch sein mögen, kann mit Sicherheit gewährleisten, dass sie solche Vorfälle jedes Mal verhindern kann», sagte Perdrizat.
Die Vorfälle würden zeigen, dass Kryptobörsen nicht immun gegen Cyberangriffe seien und über verschiedene Wege kompromittiert werden könnten, erklärte die Cybersicherheitsfirma Kaspersky in einem Kommentar. Die Angreifer nutzten dabei wohl den gehackten Laptop eines Mitarbeiters aus.
Eine Schwachstelle in der Blockchain-Technologie selbst habe es nicht gegeben, so die Experten. Dieses Muster habe sich laut Perdrizat auch schon bei früheren Angriffen gezeigt. Dabei seien vor allem Menschen und Computer ins Visier genommen worden, die die digitalen Geldbörsen verwalten, und nicht die Verschlüsselungstechnologie selbst.
Perdrizat plädiert daher für «kooperative Modelle» beim Transfer grösserer Summen. Dabei müssten mehrere unabhängige Institutionen eine Genehmigung erteilen. Dies erhöhe die Sicherheit, da «ein Angreifer dann mehrere Organisationen gleichzeitig kompromittieren müsste». Allerdings gebe es auch hier Grenzen: So dürften die beteiligten Unternehmen nicht alle auf dieselbe Software angewiesen sein.






