Emmi-Chefin will US-Geschäft wieder auf Wachstum bringen
Emmi bekommt in den USA die Konsumzurückhaltung und die höheren Zölle auf Schweizer Käse zu spüren. Im zweiten Halbjahr solle das US-Geschäft aber wieder wachsen, sagte Emmi-Chefin Ricarda Demarmels im Interview mit der Nachrichtenagentur AWP.

Interview: Thomas Oswald
AWP: Frau Demarmels, die Absatzmengen von Emmi waren in den USA im ersten Halbjahr rückläufig. Was läuft dort nicht rund?
Ricarda Demarmels: Die Unsicherheit in den USA ist zweifellos höher. Wir haben dort Zölle, Inflation und sehen auch eine Konsumzurückhaltung. Gleichzeitig beobachten wir eine starke Polarisierung des Konsums, die sogenannte K-Economy: Das Einstiegssegment wächst und das Premiumsegment ebenfalls, während das Mitteangebot wegbricht.
AWP: Was bedeutet das konkret für Emmi?
RD: Als Qualitätsanbieter bewegen wir uns vor allem am oberen Ende. Deshalb bleiben wir langfristig sehr zuversichtlich.
AWP: Was konkret bremste das Geschäft in den USA im ersten Halbjahr?
RD: Ein Grund für unsere etwas schwächere Entwicklung in den USA ist die allgemeine Konsumsituation. Hinzu kommt, dass Schweizer Käse aufgrund der Zölle deutlich teurer geworden ist. Gleichzeitig sehen wir bei lokal produzierten Produkten eine gute Entwicklung. Bei unserem Feta Athenos beispielsweise wachsen die Volumen. Unser Ziel ist es, die USA im zweiten Halbjahr wieder auf Wachstum zu bringen. Die erwartete Beschleunigung soll insbesondere aus Käse und Desserts kommen.
AWP: Anfang Jahr gab es in der Schweiz noch zu viel Milch. Dann drückten Hitze und Trockenheit auf die Milchmengen. Droht der Markt vom Überangebot in eine Knappheit zu kippen?
RD: Die Situation ist regional sehr unterschiedlich. Über die Sommerwochen haben wir vorübergehend einen Rückgang der Milchmengen gesehen. Zuletzt hat sich die Situation aber wieder normalisiert. Im Moment hat das keine Auswirkungen auf unsere Versorgung. Wie sich die Lage in den kommenden Monaten entwickelt, ist heute schwer abzuschätzen. Wir beobachten die Entwicklung deshalb sehr genau und arbeiten mit verschiedenen Szenarien.
AWP: Wie spüren Sie die Hitze beim Konsum?
RD: Wettereffekte beeinflussen das Konsumverhalten kurzfristig. Tatsächlich haben wir mit den Kaltgetränken der Reihe Emmi Caffè Latte in den vergangenen Monaten wiederholt Rekorde gebrochen. Für uns entscheidender sind aber die langfristigen Konsumtrends.
AWP: Welche Rolle spielt der neue Fertigdrink Matcha Latte?
RD: Emmi Caffè Latte hat im ersten Halbjahr klar überdurchschnittlich zum Gruppenwachstum beigetragen. Der Emmi Matcha Latte gehört zu den stärksten Innovationen, die wir überhaupt je lanciert haben. Wir haben sehr starke Regalplatzierungen in den Läden in Europa erreicht und sehen, dass die Konsumentinnen und Konsumenten darauf anspringen. Besonders interessant ist, dass wir damit nicht einfach bestehende Latte-Käufer innerhalb der Kategorie verschieben, sondern auch neue Konsumenten gewinnen.
AWP: Neben Matcha ist derzeit auch Protein stark gefragt. Verschiebt sich damit auch der Wert der Milch weg vom klassischen Milchprodukt hin zu höher verarbeiteten Produkten?
RD: Man kann durchaus sagen: «Dairy is back». Milch ist eines der nährstoffreichsten Lebensmittel. Sie liefert hochwertiges Protein mit einer vollständigen Aminosäurenstruktur sowie wichtigen Mineralstoffen und Vitaminen und wird häufig auch fermentiert konsumiert. Protein ist ein wichtiger Treiber, aber die Entwicklung geht darüber hinaus. Die Menschen suchen Produkte, die Gesundheit, Natürlichkeit, Funktionalität und Genuss verbinden. Genau dafür steht unsere neue Wachstumsplattform Nutrition+, die im ersten Halbjahr zweistellig gewachsen ist.
AWP: Sucht Emmi dafür auch neue Märkte und Länder?
RD: Unser Fokus liegt derzeit weniger auf neuen Ländern als vielmehr darauf, das zu skalieren, was wir aufgebaut haben. Wir haben unser Portfolio in den vergangenen Jahren sehr bewusst weiterentwickelt. Wir haben uns von Firmen und Beteiligungen getrennt und gleichzeitig unsere strategischen Nischen Nutrition+, Ready-to-drink-Kaffee, Premium-Desserts und Spezialitätenkäse gestärkt. Das sind Bereiche, die strukturell wachsen und sehr gut zu unseren Stärken passen.
AWP: Konsumenten achten stärker auf Zucker, Kalorien und Nährwerte. Muss sich damit auch das klassische Dessert verändern?
RD: Davon bin ich überzeugt. Und wir sehen darin eine grosse Chance für Emmi. Konsumentinnen und Konsumenten wollen nicht zwischen Genuss und einem bewussten Lebensstil wählen, sondern beides miteinander verbinden. Deshalb sehen wir grosses Potenzial bei unserer Linie «Better for you». Dabei geht es nicht nur um weniger Zucker, sondern um bessere Nährwertprofile, natürlichere Rezepturen, bessere Verpackungen und einen geringeren ökologischen Fussabdruck. Genau diese Kompetenzen haben wir mit unserer Dessertorganisation in den vergangenen zehn Jahren gezielt aufgebaut.










