Die Verkaufspreise im deutschen Grosshandel sind im September so stark gestiegen wie seit über 47 Jahren nicht mehr.
Container auf einem Containerschiff im Hafen von Hamburg. Foto: Marcus Brandt/dpa
Container auf einem Containerschiff im Hafen von Hamburg. Foto: Marcus Brandt/dpa - dpa-infocom GmbH

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Preise im deutschen Grosshandel sind im September so stark wie noch nie gestiegen.
  • So waren sie um 13,2 Prozent höher als im Jahr zuvor.

Die Verkaufspreise im deutschen Grosshandel sind im September so stark gestiegen wie seit über 47 Jahren nicht mehr. Sie lagen um 13,2 Prozent höher als ein Jahr zuvor, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag mitteilte.

Einen kräftigeren Anstieg gab es zuletzt im Juni 1974, als die Preise im Zuge der ersten Ölkrise um 13,3 zulegten. Damit beschleunigte sich der Auftrieb erneut deutlich: Im August hatte die Teuerungsrate bei 12,3 und im Juli bei 11,3 Prozent gelegen.

Entwicklung ist Indikator für weitere Tendenzen

Die Entwicklung gilt als Indikator für zukünftige Inflationstendenzen, da der Grosshandel das Scharnier zwischen Herstellern und Endkunden ist. Die Inflationsrate liegt aktuell mit 4,1 Prozent so hoch wie seit 1993 nicht mehr und dürfte sich Experten zufolge bis Jahresende weiter in Richtung fünf Prozent bewegen.

«Der hohe Anstieg der Grosshandelspreise gegenüber September 2020 ist zum einen durch aktuell stark gestiegene Preise für viele Rohstoffe und Vorprodukte begründet», erklärten die Statistiker. «Zum anderen kommt ein Basiseffekt infolge des sehr niedrigen Preisniveaus der Vorjahresmonate im Zusammenhang mit der Corona-Krise zum Tragen.»

Preisentwicklung bei Metallen und Erzen schuld

Ein starker Preistreiber war den Angaben zufolge die Entwicklung bei Erzen, Metallen und Vorprodukten aus Metall: Sie verteuerten sich um 62,8 Prozent. Mineralölerzeugnissen kosteten 42,3 Prozent mehr als vor Jahresfrist. Besonders kräftige Anstiege gab es auch im Grosshandel mit Altmaterial und Reststoffen (+84,6 Prozent) sowie mit Roh- und Schnittholz (+54,6 Prozent). Erheblich teurer wurden auch Getreide, Rohtabak, Saatgut und Futtermittel (+23,9 Prozent).

Wegen der raschen Erholung der Weltkonjunktur von der Corona-Rezession steigen derzeit die Preise für viele Produkte rasant. Besonders den weltgrössten Volkswirtschaften USA und China wird in diesem Jahr ein starkes Wachstum vorausgesagt, zumal dort grosse Konjunkturprogramme aufgelegt wurden.

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