Der SMI bekommt eine Pharmaspritze

Keystone-SDA
Keystone-SDA

Zürich,

Der wichtigste Schweizer Aktienindex erhält ab Montag ein neues Gesicht. Die Aktien des Hautpflegekonzerns Galderma und des Generikaherstellers Sandoz steigen in den Swiss Market Index (SMI) auf. Dafür müssen der Logistikkonzern Kühne+Nagel und der Telekomkonzern Swisscom ihre Plätze räumen. Sie wechseln in den Index für mittelgrosse Unternehmen SMIM.

Sandoz
Das Logo der Sandoz AG am Bürogebäude Elsässertor der Basler Architekten Herzog und de Meuron in Basel, am Dienstag, 16. Dezember 2025. - keystone

Diese Rochade zugunsten der beiden Pharmatitel hatte sich bereits früher im Jahr abgezeichnet. Galderma und Sandoz hatten sich aufgrund ihrer Grösse und der regen Börsenumsätze bereits im Frühjahr für einen Aufstieg empfohlen. Die Schweizer Börsenbetreiberin SIX kündigte den Wechsel Anfang Juli an.

Damit erhält die Gesundheitsbranche im SMI noch mehr Gewicht. Neben Galderma und Sandoz gehören auch Novartis, Roche, Lonza und Alcon dazu. Künftig stammen somit sechs der 20 SMI-Unternehmen aus dem Gesundheitssektor. Gemessen am Börsenwert fällt die Verschiebung allerdings weniger stark aus. Der Anteil der Gesundheitsunternehmen am gesamten SMI steigt auf rund 40 von bisher 36 Prozent.

Der SMI umfasst die 20 wichtigsten börsenkotierten Unternehmen der Schweiz. Entscheidend für die Auswahl sind unter anderem zwei Kriterien: der Wert der frei handelbaren Aktien eines Unternehmens der vergangenen zwölf Monate und die Frage, wie rege diese Aktien an der Börse gehandelt werde.

Die SIX erstellt daraus die entscheidende Rangliste per Ende Juni. Die ersten 18 Unternehmen sind sicher im SMI. Für die Plätze 19 bis 22 – die sogenannte Pufferzone – gelten zusätzliche Regeln, damit es nicht wegen kleiner Verschiebungen ständig zu Wechseln kommt. Sie verschafft bestehenden SMI-Mitgliedern einen entscheidenden Vorteil gegenüber Herausforderern.

Ganz vorne ändert sich wenig: Die drei Börsenschwergewichte Nestlé, Novartis und Roche belegten bei der jüngsten Rangliste per Ende Juni unangefochten die ersten drei Plätze.

Der SMI bildet allerdings nicht die gesamte Schweizer Wirtschaft ab. Er zeigt vielmehr die Entwicklung der grössten und liquidesten kotierten Unternehmen und Sektoren, erklärte Remo Rosenau von der Helvetischen Bank gegenüber der Nachrichtenagentur AWP bei der Bekanntgabe der SMI-Veränderungen. Diese Sektoren seien für die Schweiz aber volkswirtschaftlich sehr wichtig.

«Der SMI verliert zwar etwas an Aussagekraft als Gradmesser der gesamten Breite der Schweizer Wirtschaft, aber das war schon vorher so», so Rosenau. «Er bleibt ein sehr guter Blue-Chip- und Referenzindex für den Schweizer Aktienmarkt, wo gewisse Branchen eben eine starke Bedeutung haben.»

Dass einzelne Branchen in einem Leitindex besonders stark vertreten sind, ist laut Rosenau zudem kein Schweizer Sonderfall. Auch andere bekannte Aktienindizes spiegeln die jeweilige Volkswirtschaft nur teilweise wider. So bilde der Dow Jones Industrial Average die US-Wirtschaft noch deutlich weniger repräsentativ ab als der SMI die Schweizer Wirtschaft.

Die Aufnahme in einen bekannten Index wie den SMI ist nicht nur eine Prestigesache, sie erhöht auch tatsächlich die Sichtbarkeit und Aufmerksamkeit einer Aktie bei institutionellen und internationalen Anlegern. Da viele Fonds und ETFs den SMI abbilden, kann die Aufnahme zudem zu zusätzlicher Nachfrage nach der Aktie führen, weil diese Produkte ihre Portfolios entsprechend anpassen müssen.

Gleichzeitig steigt in der Regel die Liquidität und Handelsaktivität, was die Aktie für weitere Investoren attraktiver machen kann. Der Effekt ist allerdings nicht automatisch dauerhaft: Ein Teil der Kursbewegung wird oftmals bereits vor der tatsächlichen Aufnahme in den Leitindex vorweggenommen.

Kommentare

Weiterlesen

Kita
142 Interaktionen
Sessionen
Unfall Baustelle Zürich
1 Interaktionen
Nach Unfall in Zürich

MEHR AUS STADT ZüRICH