Die Deckungsgrade der Schweizer Pensionskassen sind wegen Schwankungen an der Börse stark gesunken. Die Reserven liegen deutlich unter der Zielgrösse.
Vorsorge
Die Lebenserwartung der Pensionskassen-Versicherten steigt und sie beziehen länger Beiträge. Gleichzeitig werden sie statistisch gesehen seltener invalid. Unter dem Strich sinkt das Vorsorgekapital der Rentner leicht. Corona könnte die Statistik aber wieder über den Haufen werfen. (Symbolbild) - Keystone
Ad

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Deckungsgrade von Schweizer Pensionskassen haben 2022 stark abgenommen.
  • Nur noch 26 Prozent der privatrechtlichen Kassen haben eine Deckung über 115 Prozent.
  • Bei den öffentlich-rechtlichen sind es nur 11 Prozent.

Schweizer Vorsorgeeinrichtungen haben als Folge von Kursverlusten bei allen Anlageklassen einen deutlichen Abbau ihrer Wertschwankungsreserven hinnehmen müssen. Die entsprechenden Deckungsrade gaben daher deutlich nach.

Bei den privatrechtlichen Vorsorgeeinrichtungen sanken gemäss dem neuesten Swisscanto Pensionskassenmonitor vom Dienstag die Wertschwankungsreserven im zweiten Quartal 2022 um durchschnittlich 9,3 Prozentpunkte auf noch 7,8 Prozent. Per Mitte 2022 seien die Reserven damit wieder deutlich unter der durchschnittlichen Zielgrösse von 18 Prozent gelegen.

Mit dem geschätzten Wert von 107,8 Prozent entfernten sich die Deckungsgrade zudem massiv von den Höchstständen zum vergangenen Jahreswechsel (122,1%). Deutlich tiefer war der Stand zuletzt 2011 mit 102,8 Prozent.

Nur kleiner Anteil hat Deckung von über 115 Prozent

Per Mitte Jahr hatten laut der Untersuchung nur noch 26,2 Prozent der privatrechtlichen Kassen und 11,1 Prozent der öffentlich-rechtlichen Kassen eine Deckung von über 115 Prozent. Eine Unterdeckung per Mitte 2022 wiesen 8,4 Prozent der privatrechtlichen Kassen aus, ebenso 25 Prozent der öffentlich-rechtlichen Kassen mit Vollkapitalisierung und 87,5 Prozent der öffentlich-rechtlichen Kassen mit Teilkapitalisierung.

Die zum Jahreswechsel 2021/2022 vorhandenen hohen Reserven hätten also ihre Funktion als Wertschwankungsreserve in der überwiegenden Mehrheit der Fälle erfüllt, folgert Swisscanto. Als Wertschwankungsreserve werden Vermögensteile über 100 Prozent Deckungsgrad bezeichnet.

Die von der ZKB-Tochter erfassten Vorsorgeeinrichtungen erwirtschafteten im zweiten Quartal 2022 eine geschätzte vermögensgewichtete Rendite von -7,4 Prozent. Sämtliche Anlageklassen trugen negativ zur Rendite bei, wobei Aktien Schweiz (-11,0%) und Aktien Welt (-12,8%) die schwächsten Renditebeiträge verzeichneten.

Für das ganze erste Halbjahr ergibt sich eine Rendite von -10,8 Prozent. Auch hier sind die beiden Aktienkategorien am Schluss der Tabelle zu finden, während Rohstoffe sich als einzige Anlageklasse positiv entwickelten (+24,4%).

Schätzungen basierend auf Zahlen von Ende 2021

Grundlage für die neuesten Schätzungen bildeten laut Swisscanto die effektiven Angaben per 31. Dezember 2021 von 475 Vorsorgeeinrichtungen mit einem Vermögen von insgesamt 806 Milliarden Franken. Die Schätzungen für das Berichtssemester sind demnach Hochrechnungen aufgrund der Marktentwicklungen und der von den Umfrageteilnehmern zu Beginn des Jahres 2022 gewählten Anlagestrategie, dies unter der Annahme dass seither keine wesentlichen Änderungen in der Allokation vorgenommen worden seien.

Es dürfe daher mit Spannung erwartet werden, welche Reallokationen die Pensionskassen aufgrund der Kursbewegungen des Jahres 2022 und der dadurch geänderten Renditeerwartungen vorgenommen hätten bzw. vornehmen würden.

Mehr zum Thema:

Rohstoffe Franken ZKB