China drosselte vor einiger Zeit die Herstellung von Stahl – aus Klimaschutzgründen. Seit Monaten steigen die Preise für das Metall. Ende ist keines in Sicht.
Ein Stahlarbeiter am Hochofen in einem Thyssenkrupp-Werk in Duisburg. Foto: Rolf Vennenbernd/dpa
Ein Stahlarbeiter am Hochofen in einem Thyssenkrupp-Werk in Duisburg. Foto: Rolf Vennenbernd/dpa - dpa-infocom GmbH

Das Wichtigste in Kürze

  • China drosselte wegen des Klimaschutzes seine Stahlproduktion.
  • Die Preise für das Metall steigen seit Monaten stark an.
  • Der Anstieg begann bereits vor rund einem Jahr.

Der Stahlpreis ist in den vergangenen Monaten steil nach oben geschossen. Grund dafür sind eine hohe Nachfrage weltweit sowie eine tiefere Produktion in China. Im Reich der Mitte wurde die Herstellung unlängst nämlich aus Gründen des Klimaschutzes gedrosselt.

Der Anstieg des Stahlpreises begann im Herbst 2020. Wobei es zu differenzieren gilt: Denn Stahl ist nicht gleich Stahl. Über 4000 verschiedene Sorten gibt es. Sie finden sowohl im Maschinenbau als auch im Bauwesen ihre Verwendung.

Eine Tonne für 1175 Franken

Viel beachtet wird der sogenannte Bewehrungs- oder Betonstahl. Er kostete im August 2021 bis zu 1175 Franken pro Tonne. Noch im Oktober 2020 mussten für die gleiche Menge des Materials nur rund 700 Franken auf den Tisch gelegt werden. Aktuell ist der Preis wieder etwas zurückgekommen, liegt jedoch immer noch bei hohen 1115 Franken pro Tonne.

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Ein Mann befestigt in einer Fabrik von Nucor Steel Gallatin eine Rolle aus Stahl auf einem LKW-Anhänger. - dpa

Hauptgrund für den Preisanstieg in den letzten Monaten - bei eigentlich allen Stahlsorten - ist die starke Nachfrage. Diese brach während der Coronakrise komplett ein. Nun füllen die Unternehmen ihre Lager wieder auf. Dadurch kletterte die Nachfrage in den letzten Monaten wieder auf dasselbe Niveau wie vor der Pandemie.

Das Problem: «Die Produzenten reagieren nur sehr langsam bis gar nicht auf die steigende Nachfrage», erklärt Daniel Briesemann. Er arbeitet als Metall-Analyst bei der deutschen Commerzbank. «Und der Engpass treibt die Baupreise», ergänzte unlängst Felix Leiss, Forscher beim deutschen Ifo-Institut.

China hält Stahl zurück

Ausserdem hätten auch die globalen Lieferkettenprobleme einen kostentreibenden Einfluss. Sie hätten die Frachtkosten für Stahl erhöht. Analyst Briesemann erklärt: «Die Preise werden von den Produzenten so weit durchgereicht, wie sie durchgereicht werden können. Den Letzten beissen die Hunde, wie man so schön sagt.»

Auch Kleinkonsumenten würden die deutlichen Kostensteigerungen daher bereits zu spüren bekommen. «Wenn die steigenden Preise nicht an die Kunden weitergegeben werden können, wirkt sich dies negativ auf die Margen aus.» So ergänzt der Schweizer Branchenverband Swissmem.

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In der Maschinen-, Elektro- und Metall-Industrie zeichnet sich ein Nachkrisen-Boom ab. - Keystone

Was die Produktion von Stahl anbelangt, so übt China einen grossen Einfluss aus. Als weltweit grösster Stahlproduzent stellt das Reich der Mitte 55 bis 60 Prozent des weltweiten Stahlbedarfs her. Bereits früher hielt China aber viel für den Eigengebrauch zurück.

Diese Haltung verstärkte sich 2020 nochmals. Das Land will nämlich Energie sparen, um bis 2060 klimaneutral zu werden. Eine neue Regel besagt deshalb: China darf 2021 nicht mehr Stahl produzieren als im Vorjahr.

Günstige Ausgangslage

Da das Land bereits im ersten Halbjahr viel Stahl hergestellt hat, drücken die chinesischen Produzenten nun auf die Bremse. Auch Exporterleichterungen wurden in diesem Zusammenhang gestrichen. Die Folgen: Der weltweit grösste Stahlproduzent exportiert noch weniger als bisher, was den Preis zusätzlich in die Höhe treibt.

Dabei wäre die Ausgangslage für die Stahlproduktion momentan günstig. Die Rohstoffpreise für Eisenerz und Kohle - Ressourcen, die man für die Stahlproduktion benötigt - sind derzeit tief.

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In Europa gibt es einen Stahlengpass. - dpa

«Der Preis für Eisenerz hat sich von Mitte Juli bis September mehr als halbiert», sagt Briesemann. Mittlerweile habe sich der Preis zwar wieder etwas stabilisiert, sei aber immer noch tief. Es würde sich also lohnen mehr Stahl zu produzieren. Briesemann wertet den Verzicht als klares Anzeichen dafür, dass die Stahlproduzenten bewusst weniger herstellen als sie könnten.

Kein Ende des Anstiegs in Sicht

Laut dem Experten wäre der Preis ohne diese Massnahme der Hersteller schon wieder stärker zurückgekommen. «Die Preisdynamik hat eigentlich bereits wieder nachgelassen», sagt er. Verantwortlich ist hier auch die Nachfrageseite. Denn aufgrund des Chipmangels würden Automobilhersteller momentan weniger Stahl nachfragen als gewöhnlich.

Mit Blick nach vorne bleibe nun die Frage, ob die Stahlproduzenten ihre Produktion nicht doch schon bald wieder ausweiten. Kurzfristig scheine dies aber nicht realistisch. Und der Stahlpreis dürfte vorerst nicht auszubremsen sein.

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