Bitcoin unter Zinsdruck – Warum die Fed den Kurs bewegt
Bitcoin fällt unter 80'000 US-Dollar und erholt sich wieder. Steigende Renditen, ETF-Abflüsse und die Zinspolitik der Fed prägen den Kryptomarkt.

Bitcoin steht im Oktober unter Druck, weil Anleger ihre Zinserwartungen neu bewerten. Am Donnerstag, 15. Oktober, fiel die Kryptowährung auf der Handelsplattform Bitstamp zeitweise auf 79'693 US-Dollar.
Am Freitagmorgen erholte sich der Kurs auf rund 81'970 US-Dollar. Wie die «Investrends» berichtet, blieb Bitcoin damit deutlich unter seinem Rekordhoch von rund 126'000 US-Dollar aus dem Oktober 2025.
Die jüngste Bewegung fiel mit einem breiteren Rückzug aus riskanten Anlagen zusammen. Neben Zinssorgen belasteten auch Zweifel an KI-Bewertungen und eine sinkende Risikobereitschaft der Anleger.
Höhere Realrenditen belasten Bitcoin
Am 7. Oktober veröffentlichte die US-Notenbank Fed das Protokoll ihrer Septembersitzung. Darin hielten zahlreiche Teilnehmer eine weitere Zinserhöhung bis Jahresende für angemessen, wie «finanzen.net» schreibt.
Steigende Zinsen erhöhen die Attraktivität von Anlagen, die laufende Erträge bieten. Bitcoin wirft weder Zinsen noch Dividenden ab und gerät deshalb unter Druck, wenn sichere Staatsanleihen höhere Renditen bieten.
Besonders relevant sind die Realrenditen, welche die Inflationserwartungen berücksichtigen. Die Rendite zehnjähriger inflationsgeschützter US-Staatsanleihen stieg von 1,90 Prozent zu Jahresbeginn auf 2,94 Prozent.
ETF-Abflüsse verstärken die Kursschwankungen
Die Kapitalbewegungen bei Bitcoin-ETFs zeigen, wie wechselhaft die Nachfrage institutioneller Anleger derzeit ausfällt. Am 7. Oktober flossen laut «finanzen.net» rund 487,1 Millionen US-Dollar aus amerikanischen Spot-Bitcoin-ETFs ab.
Am 13. Oktober verzeichneten die Fonds wieder Zuflüsse von knapp 176 Millionen US-Dollar. Einen Tag später zogen Anleger laut «Investrends» erneut rund 261 Millionen US-Dollar ab.
Zusätzlich verstärkten gehebelte Positionen die Kursschwankungen. Laut der «Investrends» wurden binnen 24 Stunden gehebelte Kryptopositionen über 929 Millionen US-Dollar liquidiert, mehrheitlich Long-Positionen.
Inflation rückt den nächsten Fed-Schritt ins Zentrum
Die US-Verbraucherpreise stiegen im September gegenüber dem Vorjahr um 3,7 Prozent, nach 3,4 Prozent im August. Wie «finanzen.net» berichtet, liessen die höheren Inflationsdaten die Erwartungen an eine weitere Zinserhöhung zeitweise deutlich steigen.
Auch die Anleiherenditen blieben hoch: Die «Investrends» bezifferte die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen am Freitagmorgen auf 5,07 Prozent. Ein stärkerer Dollar kann die globale Finanzierung verteuern und dadurch die Nachfrage nach risikoreichen Anlagen belasten.

Am 27. und 28. Oktober berät die Fed über ihren nächsten geldpolitischen Schritt. Fed-Chef Kevin Warsh legte sich laut der «Investrends» nicht auf eine konkrete Entscheidung fest.
Langfristige Bitcoin-Erwartungen bleiben umstritten
Während kurzfristige Marktbewegungen stark von Zinsen und Liquidität geprägt sind, setzen langfristige Befürworter auf Bitcoins begrenztes Angebot. Der Autor von «The Bitcoin Standard», Saifedean Ammous, sieht laut der «Börse Online» Bitcoin als möglichen Nachfolger von Gold.
Seiner Einschätzung nach müsste sich die Marktkapitalisierung von Bitcoin dafür ungefähr verachtzehnfachen, um Gold einzuholen. Eine breitere Nutzung und ein höheres Handelsvolumen könnten laut Ammous zugleich die Schwankungen reduzieren.
Kurzfristig richtet sich die Aufmerksamkeit auf die Fed-Sitzung Ende Oktober. Bis dahin bleiben die Entwicklung der Anleiherenditen, die ETF-Kapitalflüsse und die Inflationsdaten zentrale Einflussfaktoren für den Bitcoin-Kurs.















