ABB plant grössten Zukauf der Firmengeschichte in Grossbritannien
ABB plant mit Rotork die grösste Übernahme der Firmengeschichte und baut das Automatisierungsgeschäft weiter aus.

Der Industriekonzern ABB will den britischen Spezialisten Rotork für 5,5 Milliarden US-Dollar übernehmen. Wie das «Handelsblatt» berichtet, wäre es die grösste Akquisition der Unternehmensgeschichte.
ABB bietet den Rotork-Aktionären 503 Pence je Aktie vollständig in bar an. Dies entspricht einer Prämie von rund 60 Prozent auf den Durchschnittskurs, wie «The Market» schreibt.
Das Angebot lag zudem 73 Prozent über dem letzten Schlusskurs. Die Rotork-Aktie reagierte darauf mit einem Kurssprung von mehr als 67 Prozent.
Rotork soll die Automatisierung stärken
Rotork entwickelt elektrische Stellantriebe und Steuerungssysteme für industrielle Rohrleitungsanlagen. Die Produkte steuern Ventile und Klappen in kritischen Infrastrukturen.
Die Systeme kommen vor allem in der Öl-, Gas- und Chemieindustrie zum Einsatz. Wie das «Handelsblatt» berichtet, zählen auch Wasserinfrastrukturen und Versorgungsbetriebe zu den Kunden.

Rotork erzielte im Geschäftsjahr 2025 einen Umsatz von rund einer Milliarde US-Dollar. Das Unternehmen erreichte dabei eine Ebitda-Marge von 25,4 Prozent, so «The Market» weiter.
ABB setzt auf die Feldebene
Die Briten sollen künftig Teil der Automatisierungssparte von ABB werden. Die Produkte beider Unternehmen ergänzen sich auf der Feldebene.
Der Schweizer Technologie- und Industriekonzern deckt dort bereits Sensorik, Software und industrielle Steuerungslösungen umfassend ab. Mit Rotork kämen zusätzlich die physischen Stellglieder für Anlagen hinzu.
Die Übernahme soll den ABB-Umsatz unmittelbar um drei Prozent erhöhen. Zudem erwartet der Konzern eine sofortige Verbesserung der operativen Margen.
Analysten kritisieren den hohen Preis
An der Börse sorgte die Ankündigung zunächst für eine negative Reaktion der Anleger. Die ABB-Aktie verlor zeitweise mehr als vier Prozent.
Die Analysten von Bernstein kritisierten laut der «Börse Express» vor allem die hohe Bewertung der Übernahme. Auch die Zürcher Kantonalbank sprach von einem ambitionierten Bewertungsniveau für Rotork.
Die Analysten von Vontobel bewerteten den Schritt dennoch als strategisch sinnvoll. Aus ihrer Sicht überwiegt die industrielle Logik der Transaktion, wie «The Market» berichtet.
CEO Wierod steht vor einer Bewährungsprobe
ABB finanziert die Übernahme mit Barmitteln, Krediten und früheren Verkaufserlösen. Wie das «Handelsblatt» schreibt, stammt ein Teil aus dem Robotikverkauf an SoftBank.
Der Verkauf der Robotiksparte brachte ABB im Jahr 2025 rund 4,8 Milliarden US-Dollar ein. Die Bilanz bleibt trotz des Milliardenkaufs solide ausgestattet.
Seit seinem Amtsantritt setzte CEO Morten Wierod vor allem auf kleinere Übernahmen. Wie «The Market» berichtet, dürfte der Erfolg der Integration genau beobachtet werden.
Starke Quartalszahlen begleiten den Deal
Parallel zur Übernahme präsentierte ABB für das zweite Quartal 2026 starke Zahlen. Der Umsatz stieg um 14 Prozent auf 9,48 Milliarden US-Dollar.
Der Auftragseingang legte um 28 Prozent auf 12,04 Milliarden US-Dollar zu. Der «Börse Express» zufolge profitierte ABB besonders von der Nachfrage nach Rechenzentren.

Der Abschluss der Übernahme wird im ersten Halbjahr 2027 erwartet. Laut dem «Handelsblatt» müssen Aktionäre und Behörden dem Vorhaben noch zustimmen.












