Sam Urech (35) aus dem Zürcher Oberland ist Halleluja-Kolumnist. Er schreibt ab sofort auf Nau.ch das Wort zum Freitag.
Sam Urech.
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«Christen sind Heuchler! Sie reden von Gott und Liebe, verhalten sich aber wie die grössten Idioten.»

Als Sohn eines Freikirchenpastors verbrachte ich meine Jugend im christlichen Milieu. Dabei habe ich etliche Menschen kennengelernt, die stinken bis unters Dach und sich trotzdem Jesus-Follower nennen. Was hier oben bei diesem Artikel im Titel und in der Einleitung steht, waren so oft meine Gefühle und Worte.

Diese heuchlerischen Christen warten ganz edelmütig mit Sex bis zur Hochzeit und gucken solange heimlich Pornos. Sie spenden als Unternehmer grosszügig Geld in ihre Freikirche und pressen dafür die eigenen Mitarbeitenden aus. Die Liste ist lang, was sich Christen alles so zuschulden kommen lassen.

«Ich werde immer Christ bleiben»

Dennoch bin ich Christ und werde es für immer bleiben. Weil ich etwas begriffen habe: Christen müssen um Himmelswillen gar keine besseren Menschen sein! Eben gerade nicht.

Ein Christ ist nicht perfekt, sondern hat lediglich kapiert, dass er Hilfe braucht und zwar von ganz oben.

Wie schlimm würde es um Sie, verehrte*r Leser*in stehen, wenn nur makellose Menschen an Gott glauben dürften. Und nur fehlerlose Menschen von IHM geliebt würden? Bei allem Respekt: Sie würden kaum dazugehören – ich auch nicht.

Aber so ist es eben NICHT, weil Gott die Liebe ist und seine Gnade kein Ende kennt. Will heissen, dass nicht ein Christ fehlerlos leben muss, sondern viel eher Menschen, die NICHT an Gott glauben.

Denn wer nicht an Gott glauben mag, sagt meiner Meinung nach aus, dass er selber gerecht ist. Und keinen Gott braucht. Ganz schön mutig.

«Warum sind Sie noch hier?»

Es sei denn, es ist Ihnen ohnehin egal und Sie wollen gar keine Gerechtigkeit. Dann könnten Sie natürlich argumentieren, dass das Christentum nur gescheiterten Leuten dient. Etwas für Schwache, die nicht selber zurechtkommen im Leben. Doch nichts für Sie!

Falls Sie so denken, sollten Sie sich fragen, warum Sie bisher dennoch 303 Wörter dieses Artikels gelesen haben. Warum sind Sie noch hier? Warum interessiert Sie das Christentum doch?

Gerne möchte ich in einer nächsten Kolumne auf eine andere Thematik eingehen. Nämlich, warum Menschen, die gar nicht nach einer Gerechtigkeit in ihrem Leben streben, meiner Meinung nach sich selber anlügen.

Wie gefällt Ihnen die Kolumne?

Zurück zum Thema: Ja, es gab Momente, in denen ich Christen verabscheute. Heute weiss ich, dass ich als Jesus-Fan nicht besser sein muss – weil mir meine Fehler vergeben sind. Genau so kann ich anderen Menschen vergeben, die sich nicht so verhalten, wie ich mir das vorstelle. Wie befreiend!

«Als Christ muss ich nicht zwingend Fehler machen»

Aber: Nur weil ich Christ bin, muss ich nicht zwingend Fehler machen. Es ist kein Freipass.

Natürlich wäre es schön, die christliche Botschaft würde mein Leben verändern und all meine Schattenseiten aufhellen. Das ist mein Ziel und noch bin ich dorthin auf der Reise, auf der mich niemand hetzen muss. Jesus tut es ja auch nicht.

Weiter geht es am nächsten Freitag mit der Folge 2: «Ich brauche keinen Gott!»

Zum Autor:Sam Urech ist 35-jährig, verheiratet, Vater eines kleinen Jungen (2), hat viele Jahre als Sportjournalist gearbeitet. Und ist heute als Marketing-Berater unterwegs.

Sam liebt seine Familie, Guinness, Fussball, Darts. Den EHC Wetzikon, Preston North End und vor allem Jesus Christus. Sam schreibt wöchentlich auf Nau.ch über seine unverschämt altmodischen Ansichten.

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