Beni Thurnheer: «Mein WM-Held heisst... Erling Braut Haaland!»
«Wer ist mein WM-Held ausserhalb des Schweizer Teams? Da kommt für mich nur einer in Frage: Erling Braut Haaland», schreibt Beni Thurnheer im WM-Check.

Das Wichtigste in Kürze
- In seiner Kolumne schreibt Beni Thurnheer über die WM.
- Heute schreibt Thurnheer über seinen WM-Helden.
Der norwegische Topskorer Erling Braut Haaland ist für mich nicht wegen seiner Statur von 1,95 Metern der Grösste, sondern wegen seiner Tore und vor allem dem, was nachher passiert.
Obwohl er bei einem Aussenseiterteam agiert, der Nummer 31 der Weltrangliste, mischt er im Kampf um die Krone des WM-Torschützenkönigs mit.
Schon sieben Mal hat er in den bisherigen fünf Spielen getroffen, zuletzt im Achtelfinal zweimal gegen Brasilien.

Was machen Mbappé, Lionel Messi und all die anderen. wenn sie ein Tor erzielt haben? Sie jubeln. Sie springen hoch. Sie kriegen sich fast nicht mehr ein. Sie rennen. Sie zeigen auf ihr Leibchen, auf das Emblem und vor allem auf sich selbst. Schaut her, ich bin der Torschütze, ich habe es geschafft, ich bin der Grösste!
Viele sprinten auf die nächste Kamera zu, verziehen das Gesicht, grinsen breit, werfen sich sogar in Pose oder setzen noch schnell eine Botschaft ab.
Und da ist er, Haaland, das pure Kontrastprogramm.
Eben hat er gegen Brasilien das 1:0 erzielt, das die ganze Fussballwelt in Aufruhr versetzt, und was macht er nun? Nichts!
Er verzieht keine Miene und läuft locker in Richtung Mittellinie zurück. Er scheint uns zu sagen: Okay, das war ein Tor, das war für mich nicht so schwierig, weiter gehts, lasst uns das Spiel fortsetzen.

Erst als ihn seine jubelnden Mitspieler begeistert anspringen, lächelt auch er, als hätte er vor allem Freude daran, dass die andern sich freuen.
Beim 2:0 ist es ähnlich. Es besiegelt eine der grössten Überraschungen des WM-Turniers: Norwegen schickt Brasilien nach Hause. Und Haaland? Bleibt wieder die Ruhe selbst. Seine Körpersprache sagt: Das war ja nur ein weiteres Tor von mir, dafür bin ich ja angestellt, ist ja kaum der Rede wert…
Das ist cool! Das ist soo cool! Megacool! Cooler gehts nicht!
Erst beim Ruder-Ritual mit den Fans («Row!) bricht dann die Freude so richtig aus ihm heraus. Und auch aus mir: Haaland, mein Held!

Zum Autor
SRF-Legende und Fussball-Experte Beni Thurnheer (76) reiste für die Gruppenspiele der Schweizer Nati in die USA – und lässt uns an seinen WM-Eindrücken davor, während und danach teilhaben. Diese Kolumne erscheint ebenfalls in der Winterthurer Zeitung.








