Zürcher Politiker: Wucher-Taxi will 70 Fr. für 5-Minuten-Fahrt
Der Zürcher Politiker Ueli Bamert ist entsetzt, als er während der Fahrt auf den Taxameter schaut: Nach knapp 1,5 Kilometern ist er schon bei 70 Stutz.
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Das Wichtigste in Kürze
- Ärger für einen Zürcher Kantonsrat: Er wird nach den Ferien Opfer eines Wucher-Taxis.
- Nach knapp 1,5 Kilometer habe die Fahrt schon 70 Franken gekostet, berichtet er.
- Schliesslich steigt er aus und legt den Rest des Wegs mit dem Tram zurück.
Der Zürcher SVP-Kantonsrat und Chef des Schweizer Erdöl-Branchenverbands Avenergy, Ueli Bamert, kommt gerade aus den Ferien. Er hat viel Gepäck dabei, als er am Zürcher Hauptbahnhof ankommt. Also beschliesst er, ein Taxi zu nehmen, statt die Koffer ins Tram zu schleppen.
Gesagt, getan. Der Taxifahrer, den er anspricht meint: Kein Problem, er müsse einfach mit seinem Tarif einverstanden sein. «Logisch sind wir einverstanden mit dem Tarif, wie teuer kann es auch sein?», denkt sich Bamert, wie er in einem Facebook-Video erzählt.
«Nach knapp einem Kilometer haben wir auf den Taxameter geschaut – da war er schon bei 40 Franken!» Der Betrag sei jede Sekunde gewachsen.
Bei 70 Franken steigt Zürcher aus
«Nach nicht einmal 1,5 Kilometer war er bei 70 Franken.» Bamert hat genug gesehen. Er bittet den Taxifahrer, anzuhalten. «Wir sind ausgestiegen und haben gezahlt – wir konnten nicht anders – und gingen mit dem nächsten Tram nach Hause.»
Er sei «stinkhässig» gewesen, erzählt der Co-Präsident der SVP Stadt Zürich. Für ihn ist klar: «Das sind Wucherpreise, das ist unanständig und nicht das, was man erwarten muss, wenn man in ein Taxi steigt.»
Letztlich schade es der gesamten Branche, denn es seien ja nur einzelne schwarze Schafe, die solche Preise verlangen, meint er.
Auch dem Tourismus schadet es, ist er überzeugt: «Stellt euch vor, ein Tourist steigt in Zürich am Hauptbahnhof in ein Taxi und wird derart abgezockt. Das führt zu einem ganz schlechten Ruf!»
Politiker will intervenieren
Für Bamert ist klar: Hier muss etwas getan werden. Wie er zu Nau.ch sagt, plant er einen Vorstoss zum Thema – in welcher Form, muss er noch abklären.
Klar ist für ihn: Er hätte deutlich weniger erwartet. «Für eine Fahrt vom HB zu mir nach Hause (weniger als zehn Minuten) hätte ich 30-40 Franken als angemessen empfunden.»
Das letzte Mal, als er ein Taxi genommen habe, sei letzten Winter nach Mitternacht gewesen, quer durch die Stadt. «Für die 15-20-minütige Fahrt habe ich damals 50 Franken bezahlt, was ich schon happig, aber noch im Rahmen fand.»
Jedenfalls «kein Vergleich zu den 70 Franken für eine nach fünf Minuten abgebrochene Fahrt», stellt er klar. Und rechnet: «Hätte uns der Taxifahrer nach Hause gefahren, hätte es über 100 Franken gekostet.»
«Das ist ein unhaltbarer Zustand»
Auf sein Video hat Ueli Bamert zahlreiche Rückmeldungen erhalten. «Einige waren überrascht und empört, andere haben von ähnlichen Erlebnissen erzählt», berichtet er Nau.ch.
Doch: «Der mit Abstand häufigste Kommentar war ‹deshalb nehme ich seit Jahren nur noch Uber›.» In diesem Zusammenhang sei oft generelle Kritik am Taxigewerbe geäussert worden.
«Dazu möchte ich sagen: Ich nutze Uber ebenfalls seit Jahren regelmässig, sowohl in der Schweiz als auch im Ausland. Ich sehe das Geschäftsmodell aber durchaus kritisch», betont Bamert.
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Denn: «Die Preise sind so tief, dass ich mir oft nicht vorstellen kann, wie es sich für die Fahrer rechnet.»
Ihm sei auch wichtig zu betonen, dass er nicht allgemein gegen die Taxibranche wettern will. «Im Gegenteil – mir geht es darum, die Branche zu schützen. Denn solche schwarzen Schafe sind sicher die Ausnahme und schaden der ganzen Branche.»
Genau diese schwarzen Schafe würden Taxi-Fahrer zusätzlich zu den tiefen Uber-Löhnen unter Druck setzen. «Das ist ein unhaltbarer Zustand», sagt Bamert.
Mit den steigenden Sprit-Preisen ist für die Taxis noch ein weiterer Sorgenpunkt hinzugekommen.
Taxi-Fahrer fühlen sich nicht gehört: «Wöchentlich Beschwerden»
Dem pflichtet die Zürcher Taxi-Branche bei. «Uns erreichen wöchentlich Beschwerden von geprellten Kundinnen und Kunden», klagt die Taxi-Sektion Zürich auf Anfrage von Nau.ch.
Sie kritisiert: «Bereits im Februar 2026 haben wir die zuständige Regierungsrätin auf den Missstand hingewiesen, stiessen dort allerdings auf taube Ohren. Das zuständige Amt für Mobilität ist sich dem Problem bewusst, aber nicht Willens oder in der Lage, die Regierungsrätin umzustimmen.»
Hintergrund: Seit 2024 gibt es keine Preis-Obergrenze mehr für Taxifahrten in Zürich.
Im Februar schrieb die Taxi-Sektion Zürich in einem offenen Brief: «Gewisse Taxihalter verlangen neuerdings Preise, die nicht im Sinne unserer Kunden sein können.»

Es gebe beispielsweise Grundtaxen von zehn Franken, dazu pro Kilometer acht Franken und pro Minute zwei Franken. Deutlich über der Preisempfehlung des Verbands.
Das könne und dürfe nicht sein.
Die Regierungsrätin Carmen Walker Späh erteilte den Taxi-Fahrern im März eine Absage: Es wird vorerst keine Preis-Obergrenze festgelegt. Man wolle die weitere Entwicklung aber «aufmerksam verfolgen».

















