Stadt Zürich

    Zürcher Kreis 4: Diese Pächtergruppe übernimmt «Café Boy»

    Jeannette Gerber
    Jeannette Gerber

    Zürich,

    Viele haben sich am geschichtsträchtigen Café Boy im Kreis 4 bereits die Zähne ausgebissen. Nun wagt ein siebenköpfiges Kollektiv einen Neuanfang.

    Boy-Team
    Das neue Boy-Team (v.l.): Leo Baumann, Barkeeper; Justine Yee, Design und Raumgestaltung; Livio Felber, Koch; Julia Senn, Finanzen; Jan Stähli, Kommunikation; Zarina Friedli, Sommelière; Patrick Metzger, Musikprogramm. - Fabienne Watzke

    Ein siebenköpfiges Team wagt sich an ein Abenteuer, an dem sich andere schon die Zähne ausgebissen haben. Ein Kollektiv engagierter junger Gastronominnen und Gastronomen übernimmt das Café Boy an der Kochstrasse 2 im Kreis 4 von der Bonlieu Genossenschaft in Pacht. Die Gruppe hat bereits seit Jahren Erfahrung mit temporären Gastroprojekten gesammelt.

    Das Haus und die Beiz haben eine turbulente Vergangenheit. 1934 gebaut, war es zuerst Wohnhaus und Versammlungsort der Proletarischen Jugend, später ein Refugium für Nazigegner. Schliesslich wurde das Café Boy unter dem Namen «Wirtschaft zum Guten Menschen» zum Lokal der Sozialdemokraten.

    Doch der Betrieb ging Konkurs. Es folgten zahlreiche weitere Pächter, von denen nicht wenige ebenfalls scheiterten.

    Mehr als ein Restaurant

    Eigentlich sind die strukturellen Voraussetzungen für den Erfolg gegeben: Das Café Boy liegt in der unmittelbaren Umgebung des Locherguts. Der hohe, lichtdurchflutete Raum, das moderne, grosszügig gestaltete Interieur inklusive Bartheke, der Garten mit Pergola sowie die 80 Innen- und 80 Aussenplätze sollten ein Garant dafür sein. Die neue Pächtergruppe gründete die Gesellschaft «Die letzte Runde GmbH».

    Als erste Massnahme strichen sie das Wort «Café» aus dem Namen des Lokals. «Wir wollen als Restaurant wahrgenommen werden», sagt Jan Stähli. Im markanten Logo allerdings bleibt der Schriftzug «Café» erhalten.

    Jedes Teammitglied verantwortet einen eigenen Bereich. Jan Stähli ist für die Kommunikation zuständig. Zarina Friedli, Sommelière und Weinhändlerin, betreut die eigens eingebaute Weinkühlvitrine und verkauft auch Weine über die Gasse.

    Livio Felber ist gelernter Koch und steht in der Küche. Justine Yee, von Beruf Handarbeitslehrerin, kümmert sich ums Design und die Raumgestaltung. Leo Baumann ist Barkeeper, Patrick Metzger kümmert sich um das Musikprogramm und hilft im Service mit. Julia Senn, Kunsthistorikerin, verantwortet die Finanzen.

    Neu sind das Restaurant und die Bar räumlich voneinander getrennt. Wer das Lokal betritt, gelangt zunächst in die Bar. Dort gibt es tagsüber kleine Snacks, mittags Suppen und Salate und nachmittags Kaffee mit hausgemachtem Kuchen.

    Am Abend lädt die Bar zum Feierabendbier oder Apéro ein, bevor es zum Nachtessen ins Restaurant geht. «Die Grundlage unserer Küche sind saisonale und regionale Produkte mit speziellem Fokus auf Gemüse», erklärt Koch Livio Felber. «Fleisch wird jedoch nicht explizit ausgeschlossen.»

    «Das Boy soll nicht nur Restaurant, sondern auch ein attraktiver Treffpunkt werden», sagt Jan Stähli. Jeweils dienstags steht die Kultur im Mittelpunkt. «Wir organisieren Spielabende, Kochkurse, Vorträge, Lesungen, einen Stammtisch für politische Diskussionen, Kerzenziehen und Guetslibacken.»

    Freitags wiederum findet der Musikabend statt. «Entweder wird Livemusik gespielt, oder es werden Platten aus diversen Sammlungen aufgelegt. Auch eine Pianistin bringt gelegentlich den Flügel zum Klingen.» Das Programm wird im Schaukasten beim Eingang sowie auf der Webseite und auf Instagram veröffentlicht.

    Die Eröffnung wird am Donnerstag, 5. November, ab 17 Uhr gefeiert.

    Dieser Artikel ist zuerst im «Tagblatt Zürich» erschienen.

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