Zugpersonal fordert Ticketpflicht für E-Trottis
E-Trottis stehen in Zügen im Weg und sorgen für Zoff. Das Zugpersonal fordert, dass der Transport der Gefährte künftig kostet.

Das Wichtigste in Kürze
- E-Trottis versperren in den Zügen Fluchtwege und werden zu Stolperfallen.
- Das Zugpersonal hat die Nase voll vom Trotti-Chaos.
- Der Verband fordert eine Ticketpflicht ab einer bestimmten Trotti-Grösse.
In den Zügen wird es enger. Regelmässig müssen sich Passagiere durch Koffer, Taschen und Sportausrüstungen zu einem Platz kämpfen. Das Chaos komplett macht nun ein beliebtes Gefährt.
E-Trottinette sind für das Zugpersonal zunehmend ein Problem im Pendlerverkehr.
«Die Trottinette versperren auf den Flächen im Wagen den Weg von den Einstiegstüren ins Abteil oder von dort nach draussen.» Dies sagt Markus Fischer zu Nau.ch. Er ist Mediensprecher des Schweizerischen Eisenbahn- und Verkehrspersonalverbands (SEV). «Im Notfall würden sie die Flucht nach draussen behindern.»
«Kommt zu Konflikten»
Die Trottis blockieren nicht nur die Fluchtwege.
Sie nähmen auch Platz ein, der für das Abstellen von Kinderwagen, Gepäckstücken oder Velos vorgesehen sei, sagt Markus Fischer. Ebenso besetzten sie den Platz für Stehplätze zu Spitzenzeiten.
In der Folge können Reisende ihre Velos oder Kinderwagen nicht abstellen. Dies führt zu angespannten Situationen in den Zügen. «Kundinnen und Kunden sind unzufrieden und es kommt zu Konflikten mit den Trottinette-Besitzerinnen und -besitzern», sagt Fischer. Andere reagierten verständlicherweise mit Beschwerden gegenüber dem Kundenbegleitpersonal.
Prekäre Situation in Genfer S-Bahn
Das Trotti-Chaos ist nicht nur ärgerlich, sondern birgt auch Unfallpotenzial.
Oftmals würden diese Trottinette in den Zügen einfach irgendwo hingestellt und teilweise sogar angekettet, sagt Markus Fischer. «Und stellen Stolperfallen dar.»
Besonders prekär ist die Situation in der Genfer S-Bahn. «Die Problematik zeichnet sich aktuell vor allem im Bereich der S-Bahn Genève ab», sagt der Mediensprecher. Insbesondere betreffe es die Strecke Genève – Bellerive (F). «Wir sehen allerdings eine Zunahme dieser Thematik auch auf anderen Linien und im Fernverkehr in der Schweiz.»
Transport von Velos koste auch
Das Zugpersonal hat die Nase voll vom Trotti-Chaos.
«Ab einer bestimmten Grösse müsste eine Ticketpflicht für Trottinette eingeführt werden», fordert Markus Fischer. Es gehe um die Gleichbehandlung von Trottinette- und Velofahrenden.
Wer mit dem Trotti im Zug reist, bezahlt nichts. Ausnahmen sind Modelle mit Radgrössen von über 12 Zoll. Ein Velo-Streckenticket hingegen kostet die Hälfte des regulären Tickets, eine Velotageskarte 15 Franken. «Die jetzige Ungleichbehandlung fördert den Umstieg auf Trottinette und deren Zunahme», so Fischer.
Meldungen bei Alliance SwissPass
Die Branchenorganisation Alliance SwissPass gestaltet unter anderem die Billettpreise.
Die Organisation registriert vereinzelt Rückmeldungen von Kunden und Kundinnen oder vom Kontrollpersonal zu «Herausforderungen mit Platzproblemen im Zusammenhang mit Trottinetten».
Mediensprecher Philipp Bosshard hilft aber fest: «Eine konkrete Anpassung der Bestimmungen betreffend Trottinette ist aktuell nicht geplant.» Die Alliance SwissPass beobachtet die Thematik genau und überprüft die Entwicklung der Kundenbedürfnisse laufend.
Bitte zum Zusammenklappen
Die SBB ist sensibilisiert. «Die SBB stellt sicher, dass Fluchtwege jederzeit frei bleiben», sagt Mediensprecherin Carmen Hefti. Dafür sorgten klare Regeln, zugängliche Beschilderung und vorgesehene Abstellplätze.
«Unser Zugpersonal wird regelmässig geschult und greift, wenn nötig ein, wenn Gegenstände wie Velos, Trottinette oder Gepäck Fluchtwege blockieren.»
In einem solchen Fall würden ihre Fahrgäste sensibilisiert und gebeten, Rollgeräte zusammenzuklappen, sagt Hefti. «Und so zu platzieren, dass Türen und Gänge ungehindert passierbar sind.» Dasselbe gelte für Gepäck. Ihre Erfahrungen zeigten, dass dies insgesamt sehr gut funktioniere.













