Airlines warnen: Passagiere retten Handgepäck statt Menschenleben
Der Airline-Dachverband IATA warnt mit einer neuen Kampagne vor gefährlichem Verhalten bei Evakuationen. Auch Swiss erlebte, dass Reisende Handgepäck mitnahmen.

Das Wichtigste in Kürze
- Die IATA warnt: Bei Evakuierungen zählen Sekunden, nicht Koffer.
- Viele Passagiere greifen trotzdem zu Gepäck oder filmen mit dem Handy.
- Das blockiert Gänge, verzögert Fluchten und kann Notrutschen beschädigen.
- Swiss erlebte das zuletzt bei einer Evakuierung in Delhi selbst.
Bei einer Not-Evakuierung zählt jede Sekunde. Doch offenbar tun viele Flugpassagiere genau das Falsche: Sie greifen zuerst nach ihrem Handgepäck. Oder zücken das Smartphone, um die Szene zu filmen.
Der Airline-Dachverband IATA hat deshalb eine neue Sicherheitskampagne lanciert. Ihr Slogan: «Save a life, not a bag» – rette ein Leben, nicht eine Tasche.
Passagiere blockieren mit Gepäck den Ausstieg
Denn: Immer wieder zeigen Videos in sozialen Medien, wie Passagiere bei Evakuierungen mit Koffern und Taschen über Notrutschen steigen. Andere filmen brennende Flugzeuge oder chaotische Szenen in der Kabine.
Das kann lebensgefährlich sein. Passagierflugzeuge müssen im Notfall innert 90 Sekunden vollständig evakuiert werden können.
Wer Gepäck aus dem Fach holt, blockiert den Gang, hält andere Reisende auf und kann Notrutschen beschädigen. Auch Filmen lenkt ab und erschwert den schnellen Ausstieg.
Viele kennen die wichtigste Regel nicht
In einer IATA-Umfrage, die in Grossbritannien, den USA, Singapur und den Vereinigten Arabischen Emiraten durchgeführt wurde, offenbarten sich Wissenslücken: Nur 61 Prozent der Befragten wussten, dass Gepäck im Notfall zurückgelassen werden muss.
Auch die US-Luftfahrtbehörde FAA warnt, sie beobachte zunehmend Fälle, in denen Passagiere bei Notfällen Anweisungen der Crew nicht befolgten.
Branchenvertreter diskutieren deshalb bereits über härtere Massnahmen. Zur Diskussion stehen Bussen, aber auch technische Lösungen wie automatisch verriegelte Gepäckfächer. Die IATA setzt vorerst auf Aufklärung.
Swiss erlebte das Problem in Delhi
Bei der Swiss kam es in den letzten zehn Jahren zwar lediglich zu zwei Evakuationen. Dennoch hat die Airline bereits schlechte Erfahrungen gemacht.
Sprecher Remo Müller sagt: «Bei der letzten Evakuierung einer Swiss-Maschine in Delhi haben tatsächlich viele Passagierinnen und Passagiere ihr Handgepäck mitgenommen.»
Das sei gefährlich, denn: «Handgepäck kann auf der Notrutsche Personen treffen und verletzen.»
Der Vorfall ereignete sich Ende vergangenen April. Wegen eines Problems an einem Triebwerk wurde der Start des A330 abgebrochen und die Maschine vorsorglich evakuiert.
Dabei sei auch mit dem Smartphone gefilmt worden, berichtet Müller. Er warnt: «Wer filmt, achtet weniger auf die Umgebung und auf die Anweisungen der Crew. So kann diese Person andere beim schnellen Aussteigen behindern – und sich selbst in Gefahr bringen.»
Airlines setzen weiter auf klare Anweisungen
Auch Edelweiss beurteilt die von der IATA angesprochene Entwicklung kritisch. Sprecher Andreas Meier hält fest: «Das Mitnehmen von Handgepäck oder Ablenkungen durch das Filmen können den geordneten und schnellen Ablauf einer Evakuierung beeinträchtigen.»
Eigene Fälle hat Edelweiss nach eigenen Angaben bisher aber nicht erlebt.
Swiss und Edelweiss weisen ihre Passagiere bereits heute an mehreren Stellen auf die Regel hin.

Bei Swiss läuft vor jedem Flug ein Sicherheitsvideo. Die Safety Card am Sitz zeigt ebenfalls, dass Gepäck bei einer Evakuierung zurückgelassen werden muss.
Edelweiss verweist ebenfalls auf Sicherheitsansagen vor dem Start, den Safety-Briefing-Film und weitere Hinweise. Zudem trainierten die Crews regelmässig Evakuierungsszenarien.
«Die klare Anweisung, kein Handgepäck mitzunehmen, ist dabei ein zentraler Bestandteil der Verfahren», so Meier. Zusätzliche Massnahmen planen beide Airlines derzeit nicht.











