Wissenschaftler fordern Aufarbeitung der Verfolgung von Jenischen

Keystone-SDA
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Bern,

Die Verbrechen gegen die Jenischen und Sinti im 20. Jahrhundert in der Schweiz seien bis heute nicht ausreichend untersucht worden. So argumentieren elf Wissenschaftler in einem offenen Brief an den Bundesrat, das Parlament und die Konferenz der Kantonsregierungen. Sie fordern darin eine umfassende Aufarbeitung und eine unabhängige Untersuchungskommission.

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Die Verbrechen gegen die Jenischen und Sinti im 20. Jahrhundert in der Schweiz seien bis heute nicht ausreichend untersucht worden. - keystone

Bisherige Berichte und Untersuchungen hätten einzelne Aspekte der systematischen Verfolgung beleuchtet, heisst es in dem Brief, der am Montag auch den Medien zugänglich gemacht wurde. Diese Arbeiten seien wichtig und hätten die Grundlage gebildet für das im Februar 2025 veröffentlichte völkerrechtliche Gutachten, welches das Vorgehen im Rahmen des Hilfswerks für die Kinder der Landstrasse als Verbrechen gegen die Menschlichkeit qualifizierte.

Das Gutachten komme aber, wie alle wissenschaftlichen Publikationen davor, zum Schluss, dass erhebliche Lücken in der Aufarbeitung bestehen und das ganze Ausmass der Verfolgung deshalb nicht erfasst werden könne.

Konkret fehlten bis heute Untersuchungen zur Rolle der Kantone und Gemeinden, zu psychiatrisch begründeten Zwangsmassnahmen wie Sterilisationen und Internierungen, zum Verbleib, Bestand und Inhalt von Akten aller beteiligter Akteure, sowie zu den bis in die Gegenwart fortwirkenden Folgen für die betroffenen Familien und Gemeinschaften. Es sei auch nicht bekannt, wie viele Personen insgesamt von der Verfolgung betroffen waren.

Am 20. Februar vergangenen Jahres hatte der Bundesrat anerkannt, dass die systematische Verfolgung der Jenischen und Sinti in der Schweiz – durch das Hilfswerk für die Kinder der Landstrasse der Stiftung Pro Juventute unter Mitwirkung der Behörden und mit Beteiligung weiterer Akteure – als Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu qualifizieren sei. Am 27. April des laufenden Jahres zog der Nationalrat nach.

Unterschrieben haben den offenen Brief an Bundesrat, Parlament und Kantone unter anderen der Zürcher Historiker Jakob Tanner, der Basler Historiker Walter Leimgruber, die Neuenburger Rechtswissenschaftlerin Nadja Capus und der Berner Strafrechtler und Kriminologe Jonas Weber.

Kommentare

User #1168 (nicht angemeldet)

Was können wir für die Fehler der Vergangenheit. Mir wäre lieber dass Wissenschafter die heutigen Probleme angehen.

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