Wirbel um Sexraum in Studen BE – Kunden wehren sich
Die Gemeinde schliesst ein Sexzimmer in Studen BE, unerlaubtes Sexgewerbe wurde befürchtet. Nun wehrt sich die Kundschaft – der Raum sei wie ein «Hotelzimmer».

Das Wichtigste in Kürze
- In Studen BE wurde ein Sexraum dicht gemacht.
- Die Gemeinde befürchtete unerlaubtes Sexgewerbe, dazu gab es Bewilligungs-Probleme.
- Die Kundschaft ist verärgert – es handle sich um einen «Loveroom».
Ein Zimmer oberhalb einer Schreinerei an der Worbenstrasse in Studen BE geriet zuletzt ins Visier der Behörden. Die Gemeinde befürchtete einen Swingerclub und unerlaubtes Sexgewerbe in einer ungeeigneten Zone.
Was genau in dem Sexzimmer geschah, blieb lange unklar. Betreiber und Schreiner verweigerten jede Auskunft.
Die Schliessung erfolgte nach Intervention der örtlichen Baukommission.
«Ein Loveroom»
Nun ärgert sich gegenüber «ajour» ein Kunde über die Schliessung des Sexzimmers. «Das war kein Swingerclub», stellt er klar. «Die richtige Bezeichnung lautet Loveroom.»
Der Mann erklärt das Konzept genauer: «Im Grunde war der Loveroom nichts anderes als ein Hotelzimmer.» Kunden konnten das Zimmer über eine Internetseite mieten. Die Buchung erfolgte für erotische Stunden zwischen Erwachsenen.
Die Geschäftsbedingungen verboten Prostitution ausdrücklich.
Unter der Kundschaft des Sexraums habe es einen Aufschrei wegen der Schliessung gegeben. Viele Nutzende verstehen die behördliche Intervention nicht. Sie sehen keinen Unterschied zu einem normalen Hotelzimmer.
«Loveroom ist kein Eventraum»
Gemeindepräsident Heinz Lanz kann den Ärger verstehen. Denn grundsätzlich spreche wenig gegen einen Loveroom, sagt er bei «ajour».
Im Endeffekt hätten die Betreiber das Aus selbst verschuldet. Das Problem lag bei der Baubewilligung für den Umbau. Die Betreiber kennzeichneten den Loveroom nicht korrekt, sprachen stattdessen von einem Eventlokal.
«Ein Loveroom ist aber kein Eventraum», so Lanz. Daher habe die Baukommission den Raum geschlossen.

Cécile Wendling, Rechtsanwältin und ehemalige Bieler FDP-Stadträtin, beurteilt das Vorgehen der Gemeinde bei «ajour» als korrekt.
Entscheidend sei die Baubewilligung. Auch für Umnutzungen brauche es oftmals eine Bewilligung. Der wahre Zweck wurde hier verschwiegen. Daher sei die Gemeinde befugt gewesen, den Betrieb einzustellen.
Die Betreiber wollen den Sexraum nicht weiter betreiben. Das bestätigt Gemeindepräsident Lanz: «Sie suchen nun nach einem neuen Konzept für den Raum.»








