Wil SG: Der grosse «Gemsli»-Plan – aus der Beiz wird ein Fan-Treff

Lui Eigenmann
Lui Eigenmann

Wil,

Mit neuer Sportsbar und umfassendem Umbau soll das «Gemsli» wieder zum Treffpunkt im Südquartier werden.

Das «Gemsli» bekommt einen neuen Anstrich, aussen wie innen.
Das «Gemsli» bekommt einen neuen Anstrich, aussen wie innen. - le

Seit dem verletzungsbedingten Ausfall von Wirt Marcel Müller steht das «Gemsli» still. Nun sprechen die Verantwortlichen erstmals ausführlich über ihre Pläne: Die Quartierbeiz bleibt, wird aber komplett neu gedacht.

Am Tisch im «Gemsli» sitzen derzeit keine Gäste, sondern jene, die über die Zukunft des Lokals entscheiden. Die Räume wirken noch wie eingefroren: Seit dem Ausfall von Wirt Marcel Müller ruht der Betrieb.

Doch für Manfred Raschle ist klar: Die Geschichte der bekannten Wiler Beiz ist noch lange nicht zu Ende. «Das Visier ist ausgesteckt, wir sind an der Planung», sagt Raschle.

Der Präsident der Gönnervereinigung Club 2000 und Verwaltungsrat der Gemsli Founders AG zieht im Hintergrund die Fäden bei der Neuausrichtung des Lokals.

Aus Alt wird Kult

Die Verantwortlichen haben das Gebäude bewusst übernommen, weil sie vom Potenzial überzeugt sind. «Wir hatten die Gelegenheit gepackt, als das ‹Gemsli› zum Verkauf stand», erklärt Raschle.

Manfred Raschle
Manfred Raschle ist Präsident der Gönnervereinigung Club 2000 und im Verwaltungsrat der Gemsli Founders AG. - le

Nun soll daraus ein Ort entstehen, der Tradition und Zukunft verbindet. Im Mittelpunkt steht dabei der Erhalt der Quartierbeiz. «Für uns ist ganz wichtig, dass das ‹Gemsli› ‹Gemsli› bleibt», sagt Raschle.

Der Charakter als Treffpunkt im Südquartier soll nicht verloren gehen. Geplant ist weiterhin ein Restaurantbetrieb mit Mittagsmenüs und einem Angebot am Abend. Dafür wird das Lokal umfassend erneuert.

Die geplanten Arbeiten gehen weit über eine kosmetische Auffrischung hinaus. Küche, Sanitäranlagen und Innenräume sollen komplett ersetzt beziehungsweise modernisiert werden, praktisch eine Kernsanierung.

Auch auf der Aussenseite sind Veränderungen geplant. Das Gebäude soll aufgefrischt werden, aber seinen Bezug zur Umgebung behalten.

Eine Idee gibt es bereits: «Ich hätte eine coole Vorstellung mit den EC- und FC-Wil-Logos an der Fassade. Aber ob das möglich ist, wissen wir noch nicht», sagt Raschle beim Gespräch vor Ort.

Neue Bar am Stadion

Die grösste Neuerung entsteht auf der Rückseite des Gebäudes. Dort, wo heute noch ein Malergeschäft eingemietet ist, soll in Zukunft eine Sportsbar entstehen. Sie soll das Angebot rund um das Bergholz erweitern und vor allem an Spieltagen eine neue Anlaufstelle werden.

«Wir wollen den Bereich öffnen. Der Zugang soll von beiden Seiten möglich sein, auch direkt Richtung Stadion», erklärt Raschle. Die Idee dahinter: Das Stadionerlebnis soll nicht erst mit dem Betreten der Tribüne beginnen und nach dem Schlusspfiff enden.

«Wir möchten einen Treffpunkt schaffen, wo man gemeinsam Fussball und Eishockey schauen kann, beispielsweise Champions-League-Spiele oder grosse Turniere.» Trotz der neuen Ausrichtung soll das Restaurant klar getrennt bleiben.

«Das ‹Gemsli› bleibt ‹Gemsli› für jene, die zum Mittagessen kommen oder am Abend gemütlich essen möchten. Die Sportsbar ist eine Ergänzung.»

Grosse Visionen fürs Südquartier

Die Verbindung zum FC Wil 1900 spielt bei den Überlegungen eine zentrale Rolle. Das «Gemsli» soll künftig eng mit dem Verein Fussballstadt Wil verbunden sein und zur gesellschaftlichen Heimat des Wiler Sports werden.

Würdest du dich über eine Sportsbar an dieser Stelle freuen?

«Früher sassen hier Fussballer und Eishockeyspieler am gleichen Tisch. Dieses Gefühl wollen wir wieder aufleben lassen», sagt Raschle. Der Verein Fussballstadt Wil ist dabei ein wichtiger Bestandteil der Vision.

Das Lokal soll nicht nur Treffpunkt für Fans sein, sondern ein Ort, an dem sich Sportbegeisterte, Unterstützer, Funktionäre sowie Spielerinnen und Spieler des Vereins begegnen. Auch der Gönner- und Business-Club 2000 und der neu gegründete Founders Circle sind in die Pläne eingebunden.

Das Netzwerk soll über die Region Wil hinaus wirken. Eingeladen werden sollen unter anderem Präsidenten, Geschäftsführer und Sponsoren anderer Sportvereine. «Wir wollen einen Ort schaffen, an dem Begegnungen entstehen – für die Region und für den Sport.»

Die Ideen reichen noch weiter. Eine Verbindung zwischen Stadion und «Gemsli» mittels Passerelle, zusätzliche Räume für medizinische Angebote wie Ärzte oder Physiotherapeuten, Büro- und Eventflächen oder Wohnmöglichkeiten für Spieler gehören zu den langfristigen Gedankenspielen.

«Wir haben viele Visionen und sicher auch einige Träumereien», sagt Raschle. Entscheidend sei aber, dass das Gebäude künftig sinnvoll genutzt werde.

Neustart noch vor dem Umbau

Bis zum eigentlichen Umbau soll das «Gemsli» im Südquartier möglichst nicht komplett stillstehen. Die Verantwortlichen suchen deshalb weiter nach einer Zwischennutzung und sind auch offen für kreative Ideen.

«Wir können uns viel vorstellen. Ein Foodtruck wäre möglich, ein kleiner Ausschank oder auch ein Angebot an Matchtagen. Wichtig ist, dass wieder Leben entsteht.»

Auch Vereine könnten sich engagieren und den Betrieb beispielsweise für die eigene Vereinskasse übernehmen. Das Ziel ist klar: Spätestens beim ersten Heimspiel Ende Juli soll rund um das «Gemsli» wieder etwas passieren.

Parallel läuft die Suche nach einem künftigen Pächter für die Zeit nach dem Umbau. Erste Interessenten gibt es laut Raschle bereits.

FC Wil
In der Lidl Arena trägt der FC Wil seine Heimspiele aus. (Archivbild) - keystone

«Am Ende steht und fällt alles mit den Gastgebern», sagt Raschle. «Es muss nicht zwingend ein Fussballfan sein. Entscheidend ist, dass jemand ein gutes Gespür für Gastronomie und Menschen hat.»

Auch beim gastronomischen Konzept gibt es noch Gestaltungsmöglichkeiten, die dann zusammen mit den zukünftigen Gastgebern festgelegt werden. Die Baubewilligung für das Projekt wurde eingereicht.

Wenn alles nach Plan läuft, ist die Wiedereröffnung für das Frühjahr 2027 vorgesehen. Die Verantwortlichen sind heute schon davon überzeugt: Das «Gemsli» wird wieder ein sozialer Treffpunkt, an dem sich Menschen aus allen Generationen treffen, vor, während und nach den Spielen, aber auch unabhängig von Eishockey und Fussball.

Hinweis

Dieser Artikel ist zuerst in den «Wiler Nachrichten» erschienen.

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