«Wer bezahlt meine Miete, wenn Nachhaltigkeit nichts kosten darf?»
Richard Miklavcic will etwas Nachhaltiges aufbauen, dass auch wirtschaftlich Früchte trägt. Ein Widerspruch?

Es gibt Menschen, die werden öfter von Musen geküsst als andere. Richard Miklavcic ist so jemand. Seine Welt steckt voller Ideen.
In seiner Werkstatt werden sie zum Leben erweckt. Wie etwa sein neuestes Baby, das Phonix-Sound-System. Unter dem Motto «Wir bringen historische Radiogeräte zurück ins 21. Jahrhundert» rüstet er das Innere der charmanten Radios zu einem modernen Soundsystem mit Bluetooth- und Wi-Fi-Verbindung auf.
Bruch mit der Gastrobranche
Der Gastronom kam vor acht Jahren nach Winterthur, um den «Bunten Hund» in Veltheim zu leiten. Das Ende des Restaurants 2020 leitete seine berufliche Neuorientierung ein, auch wenn er danach noch drei Jahre als Sommelier in der Zürcher Markthalle arbeitete.
«
Nach 20 Jahren in der Gastronomie
musste ich mir irgendwann eingestehen, dass ich zunehmend Mühe damit habe, unter Bedingungen zu arbeiten, unter denen man mit Glück 30 Franken pro Stunde verdient, gleichzeitig aber selbstverständlich an Wochenenden und Feiertagen verfügbar sein soll, während andere Branchen freitags um 17 Uhr den Computer ausschalten und um 25 Prozent besser verdienen», sagt er im Gespräch.
Viele Pläne
Wer so viele Ideen hat wie Miklavcic
, der muss auch vieles ausprobieren. Sein Lebenslauf verläuft nicht geradlinig. Miklavcic folgte seiner Leidenschaft und wurde Fotograf.

Höhepunkt war eine Ausstellung in der Motorworld in Kemptthal samt Postkartenbuch. «Mein Fazit heute: Es bezahlt niemand mehr für Fotografie», so Miklavcic.
Der gesellige Gastronom lancierte anschliessend auf Instagram die Plattform «Essen & Trinken Winterthur». Der grosse Durchbruch kam nie. «Es wurde schnell klar, dass in der Gastronomie oft schlicht keine Budgets für Werbung vorhanden sind», sagt Miklavcic.
Er versuchte es weiter als Marketing-Manager und erwarb den Fachausweis bei der Swiss Marketing Academy. «Mein Fazit nach zwei Jahren Eventleitung in Kemptthal: Gefühlt jede vierte Person hat inzwischen irgendeine Marketingausbildung.»
Winterthur ist eine Velostadt
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Da müsste sich doch etwas daraus machen lassen, sagte er sich, kaufte mehrere Tandems und bot diese an verschiedenen Standorten, etwa beim Roten Turm, zum Verleih an. Höhepunkt war das Tandem-Picknick, das er zusammen mit «Les Wagons» auf die Beine stellte. Niemand aber mietete das Angebot.
«Entweder gibt es bereits zu viele Velos in Winterthur, oder zu wenig Bereitschaft, Geld dafür auszugeben», sagt der Österreicher.
Ein Widerspruch
Entmutigen liess sich der Idealist dadurch nicht. Auf Plan A (Gastro), B (Fotografie), C (Tandemverleih) und E (Marketing & Social Media) folgt Plan F: Vintage Radios.
Bei all seinen Projekten
begleitete ihn immer der Nachhaltigkeitsgedanke. Und genau hier stösst er wieder an Grenzen im System.
Miklavcic spricht von einer skurrilen Diskrepanz
.
So wird Nachhaltigkeit von allen als sinnvoll erachtet, jedoch seien nur wenige bereit, auch mehr dafür zu bezahlen. Mit den heutigen Strukturen sei es kaum möglich, gleichzeitig nachhaltig und wirtschaftlich rentabel zu arbeiten.
«Wer bezahlt am Ende meine Miete, wenn Nachhaltigkeit möglichst nichts kosten darf?», fragt er sich und kritisiert, dass viele Fördermittel wie der Klimafonds der Stadt für nachhaltige Projekte vergeben werden, nachhaltige unternehmerische Tätigkeiten aber ausgeschlossen werden.
«Es gibt heute positive Beispiele von nachhaltigen Unternehmen, wie Brockenhäuser, Wick Reuse oder Renner Bikes, um nur einige zu nennen. Das Problem ist oft die fehlende Sichtbarkeit, um sich im öffentlichen Bewusstsein zu verankern», so Miklavcic.
Hier sei auch die Stadt gefordert, die sich als Schnittstelle positionieren könnte. «Es ist vieles schon da, aber es braucht eine Plattform, die einzelnen Projekte miteinander verbindet und deren Sichtbarkeit fördert – in Winterthur oder auch überregional.»
Hinweis
Dieser Artikel ist zuerst in der «Winterthurer Zeitung» erschienen.
Dieser Artikel ist zuerst in den «Winterthurer Zeitung» erschienen.








