Walter Zoo: So kommen Tiere mit Hitze klar
Hohe Temperaturen fordern auch die Tiere im Walter Zoo. Elia Heule erklärt, wie sie mit der Hitze umgehen und welche Massnahmen der Zoo trifft.

Die Amurtiger suchen den Schatten, kleine Pandas ziehen sich in ihre kühlen Innenanlagen zurück und für manche Tiere steht gefrorenes Futter auf dem Speiseplan. Wenn die Temperaturen in der Ostschweiz über 30 Grad steigen, beginnt auch im Walter Zoo ein besonderer Sommeralltag.
Hinter den Kulissen sorgt das Tierpflege-Team mit gezielten Massnahmen dafür, dass die Tiere die Hitze gut überstehen. Wie sich die verschiedenen Arten auf natürliche Weise abkühlen, welche Herausforderungen Extremtemperaturen mit sich bringen und warum der Klimawandel auch den Zoo beschäftigt, erklärt Elia Heule, Leiter Zoologie und Artenschutz, im Interview.
Er erklärt, wie einige Tiere ihr Verhalten anpassen, welche biologischen Abkühlungsstrategien die verschiedenen Arten nutzen und welche gesundheitlichen Gefahren drohen. Zudem beleuchtet er die intensive Arbeit des Pflege-Teams hinter den Kulissen, die Herausforderungen für die einheimische Tierwelt.

Redaktion: Wie behält man als Leiter Zoologie und Artenschutz an Hitzetagen selbst einen kühlen Kopf?
Elia Heule: Generell bin ich weniger hitzeempfindlich als viele andere. Das ist allerdings leicht gesagt, da ich die meiste Zeit im Büro arbeite und nicht draussen in der prallen Sonne.
Mein Team leistet auch bei grosser Hitze hervorragende Arbeit. Daher bereitet mir die Hitzewelle für unsere Zootiere nicht allzu grosse Sorgen. Anders sieht es für die einheimische Fauna aus.
Unsere Mitarbeitenden und Freiwilligen in der Wildvogelpflegestation St. Gallen pflegen momentan 150 Vögel gleichzeitig: Beispielsweise Mauersegler, die wegen der Hitze unter den Dächern aus dem Nest springen. Dieser unermüdliche Einsatz rettet vielen Wildvögeln das Leben.
Redaktion: Wer sind im Zoo die absoluten Hitzegewinner und wer leidet am meisten unter den hohen Temperaturen?
Heule: Da unsere Haltungsschwerpunkte auf Tieren aus tropischen und subtropischen Regionen liegen, kommen alle unsere Arten recht gut mit höheren Temperaturen zurecht.
Hauptgewinner sind wechselwarme Tiere wie Landschildkröten, die dann besonders aktiv werden. Unsere Amurtiger und Kleinen Pandas können der Hitze wohl am wenigsten abgewinnen.
Sie sind an kalte Regionen Asiens angepasst und ziehen sich bei grosser Hitze besonders gerne in ihre kühlen Innenanlagen zurück. Generell wird die allgemeine Aktivität reduziert und die Aktivitätsphasen verschieben sich in die kühleren Morgen- und Abendstunden.
Redaktion: Welche konkreten Massnahmen ergreift das Tierpflege-Team zur Abkühlung? Gibt es auch bei euch die berühmten «Eisbomben»?
Heule: Ja, wir machen tatsächlich Beschäftigungen mit gefrorenem Futter. Das bringt Abkühlung und ist eine Bereicherung im Alltag des Tieres: Es muss warten, bis das Futter auftaut, Strategien entwickeln, um an die Nahrung zu kommen oder braucht einfach mehr Zeit für die Nahrungsaufnahme – genauso wie in der Natur.
Je nach Tierart wird von Gemüse bis hin zu Blut alles eingefroren. Wo nötig, bieten wir zusätzliche Trinkstellen an, duschen gewisse Tiere ab oder schaffen Schattenplätze. Auch reinigen wir die kühlen Innenanlagen nicht über die Mittagszeit, damit sie den Tieren als Rückzugsort zur Verfügung stehen.
Redaktion: Gibt es in den Anlagen spezielle Kühlungssysteme oder Klimaanlagen?
Heule: Klimaanlagen haben wir nicht, da unsere Arten nicht darauf angewiesen sind. Kühl bleibende Innenanlagen reichen aus und sind ökologischer. Auch die Vegetation im Zoo sorgt für natürliche Kühlung.
Bei den Kleinen Pandas, den Schimpansen und den Wellensittichen haben wir zudem Sprühnebelanlagen zur Kühlung installiert. Für viele Tiere macht aber schon eine Bademöglichkeit einen grossen Unterschied, so etwa für die Tiger.
Redaktion: Man denkt bei Hitze schnell mal an Kamele. Trinken Ihre Trampeltiere im Sommer eigentlich mehr als sonst?
Heule: Auch Kamele haben bei Hitze einen höheren Wasserverlust, weshalb die Wasseraufnahme erhöht sein kann. Allerdings muss kein Tier bei uns Durstextreme aushalten. Alle haben ständig Zugang zu frischem Wasser.
In der Natur wäre das anders: Kamele können 150 bis 200 Liter Wasser (was einer vollen Badewanne entspricht) in einem einzigen Trinkgang zu sich nehmen.
Redaktion: Welche gesundheitlichen Gefahren birgt extreme Hitze für Zootiere?
Heule: Auch für Tiere kann Hitze negative Folgen haben. Allerdings sind ihre Instinkte zur Vermeidung von Extremhitze ausgeprägter als bei den meisten Menschen – sie exponieren sich nicht fahrlässig.
Gegen Sonnenbrand schützt das Fell: Je behaarter ein Tier und je dunkler die Haut, desto besser der Schutz. Anzeichen für einen Hitzschlag wären Schwindel, Erschöpfung oder extremes Hecheln.
Besonders anfällig sind junge oder sehr alte Tiere. Unsere Tierpflege kennt ihre Schützlinge aber genau und bei Bedarf leitet unser Tierärzte-Team sofort Massnahmen ein.
Redaktion: Wie kühlen sich die Tiere biologisch ab? Schwitzen sie genau gleich wie wir Menschen?
Heule: Schwitzen können tatsächlich alle Primaten, allerdings nicht so ausgeprägt wie wir. Menschen können ihren Körper durch das Schwitzen extrem effizient kühlen und das macht uns zu den wohl besten Dauerläufern im Tierreich.
Katzen- und Hundeartige können hingegen nur über die Pfoten schwitzen, Nager oder Vögel gar nicht. Vögel und Raubtiere hecheln deshalb zur Temperaturregulierung.
Andere Strategien sind das Durchbluten grosser Körperanhänge (wie die Ohren bei Eseln oder Kaninchen) oder das flache Hinlegen auf kühle Oberflächen.

Redaktion: Merken Sie an Hitzetagen, dass sich die Besucherströme verändern?
Heule: An heissen Tagen kommen, vor allem ab Mittag, deutlich weniger Gäste zu uns. Das bedauern wir sehr, denn als Non-Profit-Organisation sind wir auf die Einnahmen angewiesen.
Ein Sommertag im Zoo hat aber auch etwas Eigenes: Das Imitieren der Zwergotter auf unserem Abenteuerspielplatz macht dann im Bach besonders Spass. Auch Glace haben wir in allen Formen parat.
Um Familien tolle Sommerferien vor der Haustür zu ermöglichen, erhalten bis Ende Juli alle Kinder in Begleitung einer zahlenden erwachsenen Person kostenlosen Eintritt.
Redaktion: Müssen Sie den Walter Zoo aufgrund des Klimawandels langfristig «klimafest» machen?
Heule: Das ist tatsächlich ein Thema, allerdings vor allem für unsere Besuchenden. Die Tieranlagen gestalten wir ohnehin so, dass sie optimal auf die Bedürfnisse der Arten abgestimmt sind.
Für die Gäste wollen wir mittelfristig mehr Schatten schaffen: Mit unserem Biodiversitätskonzept und der natürlichen Bepflanzung ist der Grundstein dafür bereits gelegt.
Hinweis
Dieser Artikel ist zuerst in den «Gossauer Nachrichten» erschienen.








