Vom Hirtenessen zum Schweizer Klassiker
Vom einfachen Hirtenessen zum Schweizer Klassiker: Raclette hat seinen Ursprung im Wallis und bringt heute Menschen an einen Tisch.

Es beginnt mit einem Feuer, einem Stück Käse und knurrenden Mägen. Im Wallis sollen Hirten und Bauern schon vor Jahrhunderten einen halben Käselaib ans offene Feuer gehalten haben. Sobald die Schnittfläche zu schmelzen begann, schabten sie die weiche, duftende Schicht ab und liessen sie auf Kartoffeln fliessen.
Dazu gab es etwas Brot, ein paar Gurken und die frische Bergluft. Dieses einfache Essen für den Alltag in den Alpen gab dem Gericht seinen Namen: «racler» ist französisch und heisst «schaben».
Aus den Bergen in die Welt
Lange blieb Raclette ein Geheimtipp der Walliser Täler. Erst im 20. Jahrhundert verliess das Gericht die Berge. Walliser Käser und Gastwirte warben dafür, und an der Landesausstellung 1939 in Zürich entdeckten viele Besucher, wie gut geschmolzener Käse schmeckt.
Von da an eroberte das Gericht Stück für Stück die Schweiz.
Raclette für zu Hause
Der grosse Durchbruch kam mit den Raclette-Öfen für zu Hause, die ab den 1950er-Jahren in vielen Küchen auftauchten. Plötzlich musste niemand mehr einen Käselaib vors Kaminfeuer halten. Ein Tisch, ein paar Gäste, kleine Pfännchen und heisse Kartoffeln genügten.
Bei Raclette sitzt man nie lange allein. Man reicht den Käse herum, wartet gemeinsam auf den perfekten Moment und isst, bis niemand mehr kann.
Ein Gefühl von Winter auf dem Tisch
Heute ist Raclette mehr als ein Rezept. Es ist ein Gefühl von Winter, Wärme und Gesellschaft. Im Wallis wird es weiterhin mit Stolz am offenen Feuer zubereitet, in den Städten sitzen Freunde zum Raclette-Abend zusammen, und auf den Weihnachtsmärkten zieht sein Duft durch die Gassen.
Aus dem Hirtenessen von früher ist ein Klassiker geworden, der Menschen an einen Tisch bringt.
Hinweis
Dieser Artikel ist zuerst in den «Aarauer Nachrichten» erschienen.










