Vogel-Pflegestationen verhängen Aufnahmestopp

Bettina Zanni
Bettina Zanni

Bülach,

Die Hitzewelle hat viele Vögel in Not gebracht. Pflegestationen sind deshalb am Anschlag.

Wildvögel
Im Juni registriert die Einsatzzentrale 108 Rettungseinsätze von Vögeln in schlechtem Zustand. - zVg.

Das Wichtigste in Kürze

  • Im Juni litten viele Wildvögel an Überhitzung, Wasser- und Futtermangel.
  • Die Stiftung Tierrettungsdienst vermeldet nun aber einen Aufnahmestopp der Wildvogel-Pflegestationen.
  • Wer einen Vogel in Not findet, soll sich an die Stiftung oder die Polizei wenden.

Die Drähte der Notrufzentralen in den Schweizer Spitälern liefen in der Juni-Hitzewelle heiss. Patienten mit Kreislaufproblemen oder Dehydrierung brauchten Hilfe. Die Hitze setzte aber auch den Tieren zu.

Das Team der Stiftung Tierrettungsdienst rückte in den letzten Tagen vermehrt aus. Im Juni registrierte die Einsatzzentrale 108 Rettungseinsätze von Vögeln in schlechtem Zustand. Im selben Zeitraum im Vorjahr waren es 80.

Knapp 460 Anrufe gingen wegen Wildvögeln in schlechtem Zustand ein. Das sind rund 160 Anrufe mehr als im Juni 2025.

Knapp 760 Anrufe registrierte die Stiftung wegen aufgefundenen Jungvögeln in schlechtem Zustand. Im selben Zeitraum vor einem Jahr waren es rund 40 weniger. Die Vögel litten bei hohen Temperaturen vor allem an Überhitzung, Wasser- und auch Futtermangel.

«Selbst an den Anschlag gekommen»

Die abgeholten Tiere übergibt das Team Partner-Pflegestationen. Diese hätten im Dauereinsatz Grossartiges geleistet, schreibt die Stiftung auf Instagram. «Sie sind durch diesen enormen Ansturm nun aber an ihren absoluten Kapazitätsgrenzen angelangt.» Deshalb gelte bis auf Weiteres ein temporärer Aufnahmestopp.

Unternimmst du etwas, wenn du einen Vogel in Not siehst?

Martina Monti hält auf Anfrage fest, dass der Tierrettungsdienst durch die aussergewöhnliche Hitze häufiger aufgeboten worden sei. «Dadurch sind wir selbst an den Anschlag gekommen», sagt die Mediensprecherin der Stiftung.

Der Aufnahmestopp der Pflegestationen beeinträchtigt auch die Arbeit des Tierrettungsdienstes. «Wir dürfen in unserem Tierheim keine Wildvögel zur Pflege aufnehmen», sagt Monti. Genauso ist die private Pflege eines jungen Wildvogels in der Schweiz gesetzlich verboten.

Gewisse Vogelarten werden noch aufgenommen

Wer einen Vogel in Not findet, soll sich dennoch an die Stiftung wenden.

Laut Claus Feuerstein, stellvertretender Leiter Tierrettung, ist es unbedingt sinnvoll, bei einem Wildvogelfund als Erstes die Einsatzzentrale zu kontaktieren. «Nach wie vor nehmen die Pflegestationen für Greifvögel sowie Mauer- und Alpensegler Vögel auf.»

Angaben von Finderin oder Finder und optimalerweise ein Foto des Vogels helfen, Art, Alter und Zustand zu bestimmen. «Davon abhängig empfehlen wir ein weiteres Vorgehen und entsprechende Massnahmen.» Anruf und Beratung seien kostenlos.

Polizei registriert ein Dutzend Meldungen

Auch bei der Kantonspolizei Zürich meldeten sich Retterinnen und Retter von Wildvögeln.

«In der Einsatzzentrale der Kantonspolizei Zürich gingen in den vergangenen zwei Wochen rund ein Dutzend Meldungen betreffend Wildvögel ein.» Dies bestätigt ein Mediensprecher. Diese seien jeweils an die zuständigen Wildhüter oder Jagdaufseher weitergegeben worden.

Aufgrund des Aufnahmestopps verweist der Tierrettungsdienst auf Instagram ausserdem an die Polizei. Diese könne Anrufende mit den zuständigen Revierverantwortlichen oder der Wildhut der betreffenden Region verbinden. Diese würden das weitere Vorgehen koordinieren und die Situation vor Ort beurteilen.

Kontakte bei gefundenen Vögeln

Wer einen Vogel findet, ist manchmal unsicher. Es stellen sich Fragen wie: Braucht der Vogel überhaupt Hilfe? Handelt es sich um einen Segler? Die Stiftung Tierrettungsdienst berät Anrufende unter der Notrufnummer 0800 211 222.

Im Kanton Bern etwa ist für verletzte Wildtiere und Vögel die Wildhut des Kantons Bern zuständig. Die kantonale Hotline ist täglich von 7 bis 19 Uhr unter 0800 940 100 erreichbar.

Kommentare

User #1475 (nicht angemeldet)

Wo anders wäre ein Aufnahmestopp auch nötig.

User #6292 (nicht angemeldet)

Falsche Zeit, falscher Ort. Das ist die reine Lehre der Evolution.

Weiterlesen

sf
661 Interaktionen
Wegen Hitzewelle
6 Interaktionen
Bern

MEHR AUS UNTERLAND