US-Studis überschwemmen Schweizer Hochschulen – wegen Trump?
Die renommierten Schweizer Hochschulen verzeichnen derzeit einen grossen Anstieg an Bewerbern aus den USA. Ist Donald Trumps Politik dafür verantwortlich?

Das Wichtigste in Kürze
- Immer mehr US-Studierende wollen an Schweizer Hochschulen studieren.
- Teilweise stieg die Anzahl US-Bewerbern um 80 Prozent.
- Nebst den hohen Studiengebühren in den USA hat auch Donald Trumps Politik einen Einfluss.
Egal ob in Zürich, Lausanne oder Genf: Renommierte Schweizer Universitäten spüren aktuell einen grossen Anstieg an US-Studierenden.
Nebst den Studierenden zieht es auch US-Akademiker, darunter Nobelpreisträger in die Schweiz.
Die Hochschul-Landschaft scheint hierzulande attraktiv zu sein. Oder liegt es an Donald Trump?
Alleine an der ETH Zürich bewarben sich 680 US-Amerikaner für einen Masterstudienplatz. Dies entspricht einer Zunahme von 46 Prozent. Auch die Anzahl Personen, die tatsächlich auch einen Masterstudiengang angetreten sind, stieg stark von 53 auf 123 im vergangenen Herbst.
Bei der EPFL in Lausanne stieg die Zahl der US-Bewerber für Masterstudiengänge gar um 60 Prozent an. Auch bei den Doktoratsstellen war ein Anstieg von 31 Prozent zu verzeichnen.
Das Geneva Graduate Institut erlebt den höchsten Anstieg an US-Bewerbungen. Er beträgt 80 Prozent, wie die Direktorin, Marie-Laure Salles bei «Le Temps» sagte.
Die «SonntagsZeitung» hat bei zwei Studierenden der Universität in Genf nachgefragt, warum immer mehr US-Studierende in die Schweiz kommen.
«Ich spare Geld und bekomme dafür erst noch eine bessere Bildung»
Einen grossen Einfluss habe das Geld. «Ich spare mit einem Studium in Genf Geld und bekomme dafür erst noch eine bessere Bildung», so Andrew Travis. Er und seine Mitstudentin Gabrielle Shell studieren Entwicklungszusammenarbeit.
Shell berichtet über US-Studiengebühren von rund 90'000 US-Dollar jährlich. Angesichts dessen ist es nicht verwunderlich, das US-Studierende durchschnittlich 38'000 Dollar Schulden durch Studiengebühren haben.
Was hat Donald Trump damit zu tun?
Aber auch Donald Trump habe einen Einfluss. Gerade im Studienbereich von Travis und Shell seien die Aussichten in den USA nicht gut: «Die politische Situation in den USA bringt viele Studenten dazu, überhaupt über ein Studium ausserhalb der USA nachzudenken», so Travis.
Die Schweizer Hochschulen sehen dies als Chance. Michael Hengartner ist Chef des ETH-Tats und der eidgenössischen Hochschulen. Das Businessmodell der Schweizer Hochschulen basiert laut Hengartner nicht darauf, mit ausländischen Studenten möglichst viel Geld zu machen.
«Wir wollen in erster Linie für die Schweizer Wirtschaft ausbilden. Da helfen uns die besten Talente aus dem Ausland, insbesondere den USA mit ihren Topuniversitäten», sagt er gegenüber der Zeitung.
Selbst Nobelpreisträger kommen in die Schweiz
Auch für Akademiker scheint die US-Hochschullandschaft nicht sehr attraktiv zu sein. Über die Hälfte der im Dezember neu ernannten ETH-Professorinnen und Professoren stammten aus den USA. Die Universität Zürich konnte sogar zwei Nobelpreisträger für sich gewinnen.













