Heftige Gewitter haben am Montag in vielen Teilen der Schweiz grosse Schäden verursacht. Auch am Tag danach sind diese noch längst nicht alle beseitigt.
Aufnahmen vom Hagel in Bulle FR. - Snapchat

Das Wichtigste in Kürze

  • Hagel und Sturm haben gestern Scheiben eingeschlagen und Häuser überschwemmt.
  • Die Schäden nach der Gewitterfront vom Montag sind riesig.
  • Schweizerische Hagel-Versicherungs-Gesellschaft schätzt Schadenssumme auf 20 Mio. Franken.

12.50: Auch die Landwirtschaft ist vom Unwetter stark betroffen. Gemäss der Schweizerischen Hagel-Versicherungs-Gesellschaft sind seit gestern rund 2500 Schadensmeldungen eingegangen. Die Versicherung schätzt die Schadenssumme auf 20 Millionen Franken.

«Die Heftigkeit dieser Unwetterzellen ist so extrem, dass sogar teils bauliche Massnahmen wie Hagelnetze nicht mehr standhalten», sagt Bauernverband-Sprecher David Brugger. «Was wir in den letzten Tagen erlebt haben sind extreme, ausserordentliche Ereignisse.»

Das hat auch der Juckerhof in Aathal-Seegräben ZH erfahren müssen, wie Mediensprecherin Nadine Gloor erzählt: «Drei Viertel unserer Kulturen sind nicht mit Hagelnetzen geschützt. Die Reben hat es erwischt. Wie stark der Schaden effektiv ist, lässt sich erst in den nächsten Tagen und Wochen feststellen.»

Juckerhof
Ein abgebrochener Ast liegt vor dem Juckerhof in Seegräben ZH nach den gestrigen Gewittern.
Juckerhof
Ein Teil der geschützen Kulturen beim Juckerhof.
Junkerhof
In Seegräben ZH hagelte Hagelkörner in der Grösse eines Ping Pong-Balls.
Juckerhof
Die Hagelnetze schützen die Jungbäume vor dem Unwetter.

«In den geschützten Kulturen stehen viele Jungbäume, welche glimpflich davon gekommen sind. Aber das Problem ist, dass diese jungen Obstbäume noch keinen grossen Ertrag ergeben», so Gloor weiter. Man rechne dieses Jahr darum mit vielen 2. Klasse Äpfeln.

11.45: Das gestrige Gewitter verursacht Millionen-Kosten. Bei der Axa sind bisher 15'500 Schadensmeldungen eingegangen, wie Sprecherin Mirjam Eberhard auf Anfrage von Nau.ch erklärt. Die Versicherung schätzt die Schadenssumme aktuell auf rund 74 Millionen Franken.

Aufnahmen nach dem Gewitter in Meilen ZH. - Nau.ch/Drone-Air-Media.ch

Besonders betroffen waren die Regionen Bulle, La-Chaux-de-Fonds, der Kanton Bern, Sursee, Hochdorf, Cham und Horgen. Drei Viertel der Meldungen betreffen Autos, vor allem Hagelschäden. «Der Rest sind Sachschäden an Gebäuden und Hausrat beispielsweise durch überschwemmte Keller.»

Gemäss der Axa ist das gestrige Unwetter eines der grössten der letzten Jahre. «Ähnliche Schadensummen aus einem einzelnen Unwetterereignis verzeichneten wir letztmals 2012 und 2013.»

Bei der Mobiliar ist die Lage noch unübersichtlich. «Generell lässt sich sagen, dass zu den über 100 Millionen Franken Schadenaufwand der Unwetter von letzter Wochen nun von gestern bestimmt noch mehrere Millionen Franken hinzukommen», sagt Sprecherin Susanne Maurer. Das Schadensausmass belaufe sich aktuell auf mehr als damals bei den Stürmen Lothar und Burglind.

11.10: Im Kanton Freiburg wurden am Montagabend 16 Schüler und zwei Begleitpersonen vom heftigen Hagelgewitter überrascht. Sechs Kinder und eine erwachsene Person mussten daraufhin ins Spital.

Der Grund: Die bis zu vier Zentimeter dicken Hagelkörner verletzten die Schüler so stark, dass sie blutige Wunden hatten. Dies erklärt Polizeisprecher Martin Mathys auf Anfrage. Die Wunden mussten im Spital behandelt werden.

10.15: Ein Nau.ch-Leser aus Kyburg-Buchegg SO berichtet von «mega Sturmböen». Das Dach seines Bauernhauses wurde gestern teilweise abgedeckt und begann nach kurzer Zeit undicht zu werden.

Das Unwetter hat die Dachziegel auf die Strasse geschleudert. - zVg

«Unser Nachbar hatte Glück im Unglück: Ein Baum hat sein Haus nur haarscharf verfehlt. Der ganze Garten ist platt», so der Leser gegenüber Nau.ch.

9.27: Das gestrige Unwetter forderte im Kanton Bern ein Todesopfer. Eine Autofahrerin kam ums Leben, nachdem in einem Waldstück bei Meikirch BE ein Baum auf ihr Auto gestürzt war. Dabei wurde sie in ihrem Fahrzeug eingeklemmt und zog sich schwere Verletzungen zu.

Wie die Kantonspolizei Bern am Dienstagvormittag schreibt, verstarb die Frau noch auf der Unfallstelle. Die Identifikation der Frau stehe noch aus.

Bei den Einsatzzentralen der Kantonspolizei Bern gingen seit gestern Abend rund 400 Meldungen ein. Hauptsächlich betroffen waren der Berner Jura, das Seeland sowie das Mittelland und Emmental. Es kam unter anderem zu zahlreichen Wassereinbrüchen in Gebäude, und mehrere Strassen mussten wegen umgestürzten Bäumen gesperrt werden.

9.00: Die heftige Gewitterfront, die gestern über die Schweiz zog, hat das Dach der Coop-Filiale in Bulle FR derart stark beschädigt, dass es ins Geschäft hagelte. «Ich hatte noch nie so fest Angst beim Einkaufen», schreibt Caroline Mauron und stellt ein eindrückliches Video online.

Es zeigt, wie ihr Hagelkörner und Glasscherben des beschädigten Daches vor die Füsse fallen.

Wie Coop auf Anfrage erklärt, konnte der Laden heute Morgen wieder geöffnet werden. Der Hagel habe die Kuppeln auf dem Dach zerschmettert. Verletzte habe es jedoch keine gegeben. Coop, Qualipet, Fust, die Import-Parfumerie und das Coop-Restaurant hatten evakuiert werden müssen.

8.30: Die Ortsteile Mühlethurnen und Lohnstorf der Gemeinde Thurnen BE waren gestern rund sechs Stunden ohne Wasser. Wie Gemeindepräsident Jürg Lüthi heute auf Anfrage von Nau.ch erklärt, stellten gewisse Einwohner gegen 18 Uhr einen Druckabfall beim Wasserhahn fest. In der Folge wurde das Wassernetz abgesperrt.

Weil gleichzeitig lokal Hochwasser herrschte, konnte die Quelle des Lecks zunächst nicht eruiert werden. Gegen Mitternacht waren dann aber wieder alle Einwohner mit Wasser versorgt. Die defekte Leitung wird ersetzt.

7.15: In vielen Kantonen standen die Feuerwehren gestern im Dauereinsatz. Im Kanton Aargau zum Beispiel waren es 270 Einsätze wegen Gewittern.

Aufnahmen vom Gewitter in Urdorf ZH am Montag. - Nau.ch

Im Kanton Bern gingen 400 Meldungen ein, in Freiburg rückten die Einsatzkräfte 300 Mal aus und in Solothurn gingen 100 Meldungen ein.

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