Ungeduldige Päckli-Kunden belästigen Pöstler schon im Auto

Bettina Zanni
Bettina Zanni

Bern,

Der Stresspegel der Postbotinnen und -boten steigt. Dafür sorgen Kunden, die ihr Päckli spontan abfangen wollen.

Pöstler
Anstatt zu Hause auf ihr Paket zu warten, sprechen Kundinnen und Kunden die Pöstler direkt am Fahrzeug an. - keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Kunden fangen Pöstler auf ihrer Route ab, um sich ihr Päckli zu schnappen.
  • Dies führt laut dem Personalverband der Postboten zu Zeitverlust und Stress.
  • Die Schweizerische Post will am Standort-Tracking festhalten.

Wer ein Päckli bestellt hat, kann in Echtzeit verfolgen, wo es sich gerade befindet. Dies ermöglicht das Post Tracking der Schweizerischen Post. Zu Hause auf das Päckli warten, mögen manche Empfängerinnen und Empfänger aber nicht.

«Kundinnen und Kunden laufen teilweise zum angezeigten Standort, um ihre Päckli abzuholen», sagt Kerstin Büchel zu Nau.ch. Sie ist Leiterin Branche Post und Logistik und Mitglied der Geschäftsleitung bei Transfair, dem Personalverband für den Service Public. Zuerst hat sie sich im «Transfair»-Magazin dazu geäussert.

Immer wieder fangen Kunden Pöstler auf ihrer Route ab und stören die Abläufe. «Sie sehen im Post Tracking, dass der Bote gerade in ihrer Umgebung unterwegs ist», sagt Kerstin Büchel. «Darauf gehen sie zum angezeigten Lieferwagen und fragen nach ihrem Paket.»

«Schon genug unter Druck»

Durch die Päckli-Abfang-Aktionen verlieren die Postboten Zeit. «Weil manche das gewünschte Paket für den Kunden extra hervorkramen», sagt Kerstin Büchel. Andere verlören Zeit, weil sie erklären müssten, dass sie keine Zeit hätten. «Oder sich das Paket gar nicht in ihrer Lieferung befinde.»

Die Päckli-Flut nimmt zu. 2025 haben die Mitarbeitenden der Post über 180 Millionen Pakete verarbeitet. Das sind knapp vier Prozent mehr als im Vorjahr.

Soll der Standort im Tracking entfernt werden?

Die Zeit sei für die Postboten «extrem wertvoll», sagt Kerstin Büchel. «Das Tracking setzt sie schon genug unter Druck, weil der Arbeitgeber ihr Tempo verfolgen kann», sagt Büchel. «Tauchen dann noch Kunden auf, die ihr Päckli abfangen wollen, verursacht dies noch mehr Stress.» Sie bremsten die Boten aus.

Standort soll wegfallen

Transfair setzt sich bei der Schweizerischen Post deshalb für Anpassungen beim Tracking ein. Demnach solle die Sendeverfolgung lediglich die Zeit bis zur Ankunft des Pakets und nicht mehr den Standort des Pöstlers anzeigen.

Auch solle das Tracking mit der Bitte versehen sein, Das Paket nicht selbst zu holen.

Die Schweizerische Post bestätigt das Phänomen. «Es kommt zwar vor, dass Kundinnen und Kunden unsere Zustellerinnen und Zusteller direkt am Fahrzeug ansprechen.» Dies sagt Mediensprecher Stefan Dauner. Es handle sich dabei jedoch um wenige Einzelfälle.

Zudem merkt Stefan Dauner an, dass es dieses Phänomen bereits in analogen Zeiten gegeben habe. «Auch früher kamen Kundinnen und Kunden zum Teil zum Fahrzeug, sobald sie dieses in der Nachbarschaft sahen», sagt er. In der Regel lasse sich die Übergabe in solchen Fällen schnell und unkompliziert abwickeln.

Der Vorteil des Trackings: Leute sind parat für ihr Päckli

Den Erfahrungen des gelben Riesen zufolge erleichtern die genauen Zustellinformationen den Alltag der Botinnen und Boten.

«Die Post wie auch die Zustellerinnen und Zusteller sehen die Sendungsverfolgung in Echtzeit als Gewinn», sagt Stefan Dauner. Dies zeigten Rückmeldungen ihrer Mitarbeitenden.

«Die transparente und zuverlässige Information führt dazu, dass Kundinnen und Kunden oftmals bereits an der Haustüre warten.» Dadurch entfalle für ihre Mitarbeitenden das Klingeln und Warten vor verschlossenen Türen.

Dass die Paket-Abfang-Aktionen die Abläufe verzögern, bezeichnet Dauner als «absolute Ausnahme». Auch falle diese gegenüber den reibungslosen Abläufen und der Arbeitserleichterung im Alltag nicht ins Gewicht.

«Diebstählen vorbeugen»

Ein abgespecktes Tracking kommt für die Post nicht infrage.

Die Kundinnen und Kunden wünschten sich den Service eines lückenlosen Paket-Trackings, sagt der Post-Mediensprecher. «Sie wollen zu jedem Zeitpunkt wissen, wo ihr Paket ist und wann es zugestellt wird.» Die Sendungsverfolgung auf den letzten Metern sei ein Zusatzservice bei «Meine Sendungen». Dieser werde von ihrer Kundschaft sehr geschätzt.

Dank der genauen Ankündigung könne die Post auch Diebstählen vorbeugen. «Weil die Pakete nicht zu lange im Ablagefach oder im Eingangsbereich liegen bleiben.»

Stefan Dauner betont, dass das Tracking ausschliesslich dem Kundenservice diene. «Es ist kein Instrument zur Überwachung unserer Mitarbeitenden.» Auch würden zu keinem Zeitpunkt Personendaten der Zustellerinnen und Zusteller an die Kundschaft übermittelt.

Das Anliegen, das Tracking mit einer Nicht-Abhol-Bitte zu versehen, nimmt die Post zur Kenntnis. «Wir prüfen laufend Optimierungen unserer Services und nehmen Rückmeldungen unserer Mitarbeitenden sowie der Sozialpartner ernst», sagt Dauner.

Kommentare

Medicine-1

Hab mir per post einen schwurbi bestellt. Leider ist er pünktlich angekommen...☝️!

User #5624 (nicht angemeldet)

Am schlimmsten ist die Situation am Postschalter: Von den vielen Schaltern ist genau einer besetzt, obwohl die Poststelle gerammelt voll ist von Leuten. Auf der Nummerntafel steht dann gerne: Wartezeit ca. 12 Minuten. Ist es das, was die Post unter "Kundenorientiertheit" versteht?

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