Stadt Zürich

    Tiktok-Trend: Zürcher kleben Handys an Trams – ÖV-Betrieb warnt

    Cheri Reinhardt
    Cheri Reinhardt

    Zürich,

    Ein Zürcher klebt sein Handy an ein Tram und geht viral. Die VBZ kennen bereits zwei solche Fälle und warnen vor den Gefahren.

    00:00 / 00:00

    Dieser Tiktok-Trend ist gefährlich. - instagram @issa_offiziell

    Das Wichtigste in Kürze

    • Ein Tiktok-Trend mit Handys an fahrenden Trams erreicht Zürich.
    • Die VBZ kennen bereits zwei Fälle und warnen vor den Gefahren.
    • Ein Video von Issa Berro erreicht rund 500'000 Aufrufe.
    • Bei Sicherheitsgefährdungen erstatten die VBZ Anzeige.

    Handy ans Tram kleben, hinterherrennen und dabei ein spektakuläres Video drehen. Ein ungewöhnlicher Tiktok-Trend verbreitet sich derzeit in den sozialen Medien.

    Auch in Zürich macht ein junger Mann bei dieser Aktion mit. Auf einem Video ist zu sehen, wie er sein Smartphone aussen an ein Tram klebt. Kurz darauf fährt das Fahrzeug los – mit dem Handy an der Aussenseite.

    VBZ kennen bereits zwei Fälle

    Die Aktion ist kein Einzelfall. Wie Recherchen von Nau.ch zeigen, wissen die Verkehrsbetriebe Zürich (VBZ) von solchen Videos.

    «Uns sind aktuell zwei Fälle bekannt, bei denen solche Videos in Zürich erstellt wurden», erklärt VBZ-Mediensprecher Reto Wilhelm gegenüber Nau.ch.

    Von einer Trendentwicklung in Zürich könne man allerdings noch nicht sprechen. Bislang scheine es sich um Einzelfälle zu handeln.

    Einer der Männer, die das ausprobiert haben, ist Issa Berro. Er hat sein Smartphone mitten am Zürcher Paradeplatz an einem Tram befestigt.

    Sein Originalvideo ging viral und erreichte nach eigenen Angaben rund 500'000 Aufrufe.

    «Die Aufnahmen sind alle echt», bestätigt Berro gegenüber Nau.ch. Er habe sich von anderen Videos inspirieren lassen. Seines Wissens sei er einer der Ersten in der Schweiz gewesen, der den Trend umgesetzt habe.

    Wie bekommt er sein Handy zurück?

    Doch wie kommt der Zürcher wieder an sein Smartphone, wenn das Tram damit davonfährt?

    Berro verrät gegenüber Nau.ch: «Das Handy hat ein Kollege zurückgeholt, der im Tram geblieben ist und es an der nächsten Haltestelle abgenommen hat.»

    «Probleme mit der Polizei gab es keine. Der Tramfahrer hat sogar gelacht!», erzählt der Tiktoker. Besonders lustig fand er die Reaktionen der Passanten am Paradeplatz. Einige hätten ziemlich verwirrt geschaut.

    Würdest du für ein virales Video dein Handy an ein Tram kleben?

    Manche hätten wohl gedacht, dass er etwas im Tram vergessen habe. Andere hätten mit der Situation überhaupt nichts anfangen können.

    «Man braucht schon etwas Mut, um so eine Aktion mitten am Paradeplatz durchzuziehen», sagt Berro.

    VBZ: Handys ankleben ist verboten

    Was für den Tiktoker ein Spass ist, sehen die VBZ allerdings kritisch.

    «Die Trams sind Eigentum der VBZ und es ist nicht gestattet, Mobiltelefone daran festzukleben», stellt Mediensprecher Wilhelm klar.

    Verkehrsbetriebe Zürich
    Ein VBZ-Tram am Zürcher Limmatplatz. (Symbolbild) - Keystone

    Angeklebte Gegenstände könnten sich lösen und Passanten treffen. Zudem könnten Kleberückstände entstehen oder die Videoaufnahmen den Datenschutz verletzen.

    Gefährlich könne es zudem werden, wenn das Fahrpersonal wegen einer solchen Aktion einen Notstopp einleiten müsse. Unfälle im Zusammenhang mit solchen Videos seien auf dem VBZ-Netz bisher glücklicherweise keine bekannt.

    Bei Gefahr droht eine Anzeige

    Die VBZ machen weiter deutlich, dass solche Aktionen Konsequenzen haben können.

    «Handlungen, welche die Sicherheit gefährden, werden von den VBZ angezeigt», erklärt Wilhelm. Bemerkt das Fahrpersonal eine solche Aktion, wird das Tram nach Möglichkeit angehalten und die Leitstelle informiert.

    Diese entscheidet anschliessend, ob die Polizei aufgeboten wird.

    In Wien haben die Wiener Linien bereits öffentlich vor dem gefährlichen Tiktok-Trend gewarnt. Die VBZ planen derzeit keine solche Warnung, beobachten die Situation aber sehr genau.

    Besonders kritisch sehen sie die mögliche Nachahmung. Andere Personen könnten durch solche Videos zu ähnlichen Aktionen animiert werden, obwohl sie die Risiken noch schlechter einschätzen könnten.

    In Bern und Basel wird gewarnt

    In Bern rät Bernmobil dringend davon ab, Smartphones an Fahrzeugen zu befestigen und ihnen hinterherzurennen.

    «Ein solches Verhalten kann sehr gefährlich sein und die Sicherheit im Tram- oder Busbetrieb beeinträchtigen», erklärt Mediensprecher Didier Buchmann gegenüber Nau.ch.

    Sollten solche Tiktok-Aktionen gebüsst werden?

    Die Basler Verkehrs-Betriebe (BVB) stellen ebenfalls klar, dass das Anbringen von Handys an ihren Fahrzeugen nicht gestattet ist.

    Der SBB sind derzeit laut eigenen Angaben keine Fälle bekannt, bei denen Smartphones an Zügen befestigt wurden.

    Unabhängig davon warnt das Bahnunternehmen vor gefährlichen Aktionen: «Das Aufspringen auf oder Berühren eines losfahrenden Zuges ist grob fahrlässig», erklärt Mediensprecherin Mara Zenhäusern gegenüber Nau.ch.

    Dabei bestehe die Gefahr, mitgeschleift zu werden, zu stürzen oder unter den Zug zu geraten.

    Was sagt die Polizei?

    Die Stadtpolizei Zürich warnt vor solchen Tiktok-Aktionen. Bislang seien bei ihr jedoch keine entsprechenden Meldungen eingegangen. Doch was ist rechtlich überhaupt erlaubt?

    «Das Rennen im öffentlichen Raum stellt keinen Gesetzesverstoss dar, solange Dritte weder behindert noch gefährdet werden», sagt Stefan Schmitt von der Kantonspolizei Basel-Stadt gegenüber Nau.ch.

    Entstehen beim Anbringen des Handys hingegen Schäden am Fahrzeug, könne eine Sachbeschädigung vorliegen. Diese werde auf Antrag verfolgt.

    Eine pauschale Antwort auf mögliche Konsequenzen gibt es allerdings nicht. Wie die Kantonspolizei Bern betont, müsse jeder Fall einzeln beurteilt werden.

    Mehr zum Thema:

    Kommentare

    User #4027 (nicht angemeldet)

    Dümmer geht immer..

    User #2466 (nicht angemeldet)

    Nicht alles, was man denkt, muss oder kann man posten....

    Weiterlesen

    2 Interaktionen
    Personalmangel
    Tiktok Trend Ei
    Wegen Tiktok-Trend
    3 Interaktionen
    Zürich
    Quickline
    18 Interaktionen
    Tipps für den Alltag

    MEHR AUS STADT ZüRICH

    Kanton Zürich
    Kanton Zürich
    GC
    8 Interaktionen
    Spätes 2:2 gegen FCV
    Pocher
    12 Interaktionen
    Halloween
    Leerkündigungen in Witikon – Anbau wäre möglich gewesen
    7 Interaktionen
    Abriss-Wirbel