Winterthur

Thaiboxer gibt Boxstunde für 90-Jährige

George Stutz
George Stutz

Winterthur Stadt,

Der Winterthurer Eric Stutz reist als Schweizer Meister und EM-Dritter an das Muay Thai World Festival in Bangkok.

Eric Stutz
Eric Stutz wird als aktueller Schweizer Meister auch dieses Jahr wieder um die EM-Krone kämpfen können. - zVg

Ein Kollege habe ihn 2017 in ein Thaibox-Training mitgenommen, seither sei er von dieser Sportart fasziniert, erzählt Eric Stutz unmittelbar vor seinem Abflug nach Thailand. Kurz vor dem Treffen in der Winterthurer Altstadt hatte sich der im Pflegebereich tätige 22-Jährige noch von den Bewohnern eines Winterthurer Pflegeheims verabschiedet.

«Ich habe dort bereits meine Lehre absolviert und kenne die meisten Bewohner schon lange. Als kürzlich deren Bewegungstrainer ausgefallen ist, durfte ich den teils weit über 90-Jährigen eine Boxstunde geben. Sie haben mit Begeisterung mitgemacht, sie sind wunderbar», meint Stutz mit einem Lächeln.

Überzeugende Statistik

Ein einfühlsamer Pfleger in einer der härtesten Vollkontakt-Kampfsportarten, dem Muay Thai, passt das?

«Von aussen mag Thaiboxen schon brutal aussehen, der K.-o.- Sieg ist schliesslich das angestrebte Ziel. Ich bin aber kein brachialer Boxer, der nur auf Zerstörung aus ist. Meine Schlagkraft zählt denn auch eher zu meinen Schwächen. Ich mache dies im Clinch, harten Knietritten, Kicks und meinem Lächeln wett», betont der sympathische junge Mann, der selbst noch keine K.-o.-Niederlage einstecken musste und in bisher 27 Kämpfen 19-mal gewonnen hat.

boxen
Kampfsport kann durchaus brutal anmuten, erfordert aber auch Taktik und Geschick. - pexels

Clever mit Köpfchen kämpfen, den Gegner bis in die letzte Runde austänzeln und ihn auch mit entsprechendem Gesichtsausdruck zermürben und ihm so seine Überlegenheit zeigen, will Stutz auch in Bangkok.

Bis zum Turnier vom 25. bis 29. Juni mit je einem Kampf pro Tag, wird er in einem angesehenen Gym in Thailand täglich zweimal je zwei bis drei Stunden hart trainieren.

Interessierst du dich für Kampfsport?

«Ich werde da unter sehr starken thailändischen Boxern der einzige Ausländer sein und weiter an meiner Technik feilen. Besonders freue ich mich aber auf die Fights im Rajadamnern Stadium, denn ich liebe es zu kämpfen», meint der in der Kategorie bis 57 Kilogramm antretende Winterthurer.

Weder Gagen noch Prämien

Ob er denn als Dritter der Muay Thai EM 2025 nach Thailand eingeladen wurde?

Eric Stutz lacht: «Obwohl wir mit der Nationalmannschaft antreten werden, zahle ich die 300 Franken Einschreibegebühr, Hotel und Flug sowie das Training aus der eigenen Tasche. Selbst als Sieger würde ich eine Medaille erhalten, jedoch keine Prämien. Vom Boxen alleine werde ich wahrscheinlich nie leben können. Schön wäre es aber, später einmal als Coach und Trainer arbeiten zu können.»

Vorerst wird er aber nach seiner Rückkehr aus Thailand wieder im Pflegeheim mit viel Herzblut seine Senioren ab und zu auf Trab halten und ihnen von seinen Erlebnissen und Erfolgen erzählen. Auch da stets mit einem Lächeln im Gesicht.

Hinweis

Dieser Artikel ist zuerst in der «Winterthurer Zeitung» erschienen.

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