Tessin will bei Grenzöffnung mitreden

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    Bellinzona,

    Auch im Tessin sind die Corona-Zahlen aktuell rückläufig. Die Regierung hat aber Bedenken, was die Öffnung der Grenze zu Italien angeht.

    grenze schweiz italien
    Ein Beamte des Grenzwachkorps am Grenzübergang San Pietro di Stabio zwischen der Schweiz und Italien. - sda - KEYSTONE/Davide Agosta

    Das Wichtigste in Kürze

    • Im Tessin gibt es zuletzt weniger Corona-Infektionen und Todesopfer.
    • Trotzdem bleibt die Regierung des Südkantons weiterhin vorsichtig.
    • Auch einer möglichen Öffnung der Grenze zu Italien sieht man noch skeptisch entgegen.

    Die Tessiner Regierung verlängert trotz sinkender Zahlen von gemeldeten Neuinfektionen und Todesfällen den Notstand bis Ende Juni. Dadurch wolle er dem Krisenstab Luft verschaffen, erklärte Regierungspräsident Norman Gobbi am Mittwoch vor den Medien.

    Norman Gobbi
    Der Tessiner Regierungspräsident Norman Gobbi. - Keystone

    Trotz den guten Zahlen sei weiterhin vorsichtiges Handeln gefragt, sagte Gobbi gleich zu Beginn der Medienkonferenz. «Wir müssen auch während des Sommers noch mit dem Virus leben - und wahrscheinlich noch um einiges länger.»

    Gäste aus dem Norden seien wieder willkommen im Tessin, sagte Gobbi weiter. Sie werden aber von der Regierung zu verantwortungsvollem Verhalten aufgefordert. Mit dem dreisprachigen Flyer «Willkommen zurück im Tessin» hält der Regierungsrat ausserkantonale Gäste dazu an, Abstand zu halten. «Auch im Urlaub».

    Auch im Tessin wird gelockert

    Eine Schutzmaske zu tragen, sei ein altruistischer Akt, hielt Gobbi fest. Unabdingbar sei die Maske an Orten, an denen sich viele Personen befänden.

    Neben dem Hinweis auf die Maske fordert die Regierung auf ihrem Flyer alle Gäste dazu auf, Abstand zu halten. Zudem sollen sie das Versammlungsverbot beachten. Dies sei eine «neue Art des Zusammenseins», resümierte Gobbi. Das Einhalten der Regeln würde von der Tessiner Kantonspolizei überprüft, sagte Elia Arrigoni.

    Tessin Coronavirus
    Das Coronavirus machte dem Tessin zu schaffen. - Keystone

    Nichtsdestotrotz werden auch im Tessin die Massnahmen zur Eindämmung der Pandemie schrittweise gelockert. So sind auch im Südkanton ab dem 28. Mai Gottesdienste wieder erlaubt.

    Weiterhin geschlossen bleiben trotz Lobbyarbeit die Campingplätze. Auf Rückfrage eines Journalisten erinnerte Gobbi daran, dass wildes Campen verboten sei. Es könne durch die betreffende Gemeinde sanktioniert werden.

    Grenzöffnung: Tessin will einbezogen werden

    Auf die Frage, wie es mit der geplanten Grenzöffnung vonseiten Italiens per 3. Juni weitergehe, antwortete zuerst Kantonsarzt Giorgio Merlani.

    Man müsse sich bewusst sein, dass das Tessin zwar an die Lombardei grenze. Die epidemiologische Situation jenseits der Grenze sei jedoch eine völlig andere. Im Südkanton befänden sich derzeit nur 22 Personen in Quarantäne, hielt Merlani fest.

    Der Bundesrat habe akzeptiert, dass die Tessiner Regierung in die weiteren Schritte involviert werden wolle, ergänzte Regierungspräsident Gobbi. Den Entscheid, am 3. Juni die Grenzen zu öffnen, habe Italien «unilateral» getroffen.

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    Grenzwächter an der Schweizer Grenze zu Italien. (Archivbild) - Keystone

    Der Regierungsrat habe sich am Vormittag mit der Tessiner Delegation von National- und Ständerat getroffen. Bei dieser Gelegenheit habe er seinen Befürchtungen hinsichtlich einer Grenzöffnung Ausdruck gegeben. Ziel müsse es sein, dass die Neuinfektionen im Tessin nicht mehr ansteigen, sagte Gobbi.

    Die Situation in und um Mailand müsse aufmerksam verfolgt werden. Die engen Wohn- und Lebensverhältnisse seien in etwa mit New York vergleichbar, sagte Gobbi weiter. Nächste Woche werde sich die Regierung mit dem Bundesrat austauschen.

    Konsumation «al banco» verboten

    Nach den ersten Lockerungen sei es zu einigen Regelverstössen gekommen, sagte Elia Arrigoni von der Tessiner Kantonspolizei. Am häufigsten habe die Polizei auf Terrassen von Restaurants und Bars intervenieren müssen. Dies, weil Personen zu nah beieinander sassen, erklärte er.

    Auch hätten mehrere Personen stehend an einer Bar etwas konsumiert, was verboten sei, hielt Arrigoni fest. Zudem hätten gewisse Restaurants oder Bars nicht pünktlich um Mitternacht geschlossen.

    coronavirus
    Blick in eine Bar am Samstag, 14. März 2020 in Bellinzona. - keystone

    Kantonsarzt Giorgio Merlani präsentierte anschliessend die aktuellen Zahlen. Demnach wurden im Tessin bis Mittwoch 3287 Personen positiv auf das Coronavirus getestet. Neu seien in den letzten 24 Stunden zwei positiv Getestete dazu gekommen.

    In den Spitälern würden derzeit 49 Personen aufgrund einer Covid-19-Erkrankung behandelt, davon vier auf der Intensivstation. Insgesamt sind bis Mittwoch im Tessin 344 Personen am Coronavirus gestorben. In den letzten 24 Stunden sei jedoch kein neuer Todesfall gemeldet worden, hielt Merlani fest.

    Studie: 200 liessen sich schon testen

    Der Kantonsarzt informierte die Medienschaffenden auch zum aktuellen Stand einer Studie im Kanton. 1500 Personen sollen während eines Jahres immer wieder auf das Coronavirus getestet werden. Ziel der Studie ist es, zu eruieren, wie viele Menschen im Tessin bereits mit dem Virus in Kontakt gekommen sind.

    Von den 1500 angeschriebenen Personen habe man schon über 200 getestet, sagte Merlani. Er riet überdies grundsätzlich davon ab, sich bei Symptomlosigkeit auf das Virus testen zu lassen. Die Tests seien noch nicht sehr verlässlich und könnten Getestete in einer falschen Sicherheit wiegen, warnte der Arzt.

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