Telefonbetrugsfälle erreichen im Kanton Thurgau neuen Höchststand
Im Kanton Thurgau sind im letzten Jahr trotz zahlreicher Warnungen rund 60 Telefonbetrugsfälle registriert worden. Die Beute betrug knapp 1,6 Millionen Franken. Die Polizei warnt vor einer neuen Variation der Betrugsmasche.

Die Thurgauer Kantonspolizei registrierte im letzten Jahr sowohl bei der Zahl der Fälle als auch bei den erbeuteten Beträgen einen neuen Höchststand.
Zu Opfern wurden in erster Linie Frauen und Männer im Alter von 60 bis 90 Jahren. Im Schnitt erbeuteten die Täter pro Fall knapp 27'000 Franken, zweimal war die Schadenssumme sogar sechsstellig. Die meisten Fälle ereigneten sich während zweier Wellen im August/September und gegen Ende Jahr.
Viele Opfer hätten den Betrug erst nach der Geldübergabe erkannt, heisst es in der Mitteilung der Kantonspolizei vom Montag. Die Meldung an die Polizei erfolge dann mit Verzögerung. Trotzdem sei im vergangenen Jahr rund ein Dutzend «Geldabholer» erwischt worden. Auch dies bedeute einen langjährigen Höchststand.
Der Trick mit den «falschen Polizisten» wird von den Tätern immer wieder variiert. Neu ist die Masche mit der «Banken-Revisionsstelle». Dabei geben sich die Kriminellen am Telefon als Mitarbeiter einer Bank aus und informieren die kontaktierten Personen über angeblich verdächtige Kontenbewegungen.
Die Opfer erhielten danach eine falsche Nummer der Polizei und hätten dort gleich den nächsten Betrüger in der Leitung. Dieser fordere sie dann auf, bei der Bank im Rahmen einer Betrugsermittlung Geld abzuheben. Weil es sich dabei um «Falschgeld» handle, solle das Geld an einen «Kurier der Staatsanwaltschaft» übergeben werden.
Diese Masche sei besonders perfid, weil die Opfer mit dem Rückruf auf eine echte Schweizer Telefonnummer tatsächlich den Eindruck hätten, mit der Polizei zu sprechen. Diese Rufnummern seien von den Betrügerbanden im Vorfeld registriert worden und könnten bei Bedarf auch schnell gewechselt werden.
Viele der Geschädigten hätten älter klingende Vornamen. Die Polizei geht davon aus, dass die Täter für ihre Anrufe gezielt nach solchen Namen in den Online-Telefonverzeichnissen suchen.
Eine der wichtigsten Schutzmassnahmen sei deshalb, den Eintrag in den Verzeichnissen zu löschen oder zu kürzen. So solle beispielsweise statt Elisabeth nur noch E. eingetragen werden, schlägt die Kantonspolizei vor.
Bei den Opfern handle es sich «entgegen der leider immer noch weit verbreiteten Annahme» nicht um hilflose Personen. Viele stünden mitten im Leben. «Sie werden von den Kriminellen überrascht und auf dem falschen Fuss erwischt.»






