Störende Kinder können neu in Förderklassen untergebracht werden

Keystone-SDA
Keystone-SDA

Zürich,

Lernschwache und verhaltensauffällige Kinder sollen in Zürich künftig getrennt unterrichtet werden können. Die Ratsmehrheit sieht einen nötigen Kurswechsel.

Im Kanton Zürich sollen Förderklassen eingeführt werden. (Symbolbild)
Im Kanton Zürich sollen Förderklassen eingeführt werden. (Symbolbild) - KEYSTONE/GAETAN BALLY

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Zürcher Kantonsrat will Förderklassen für lern- und verhaltensauffällige Kinder.
  • Gemeinden sollen sie je nach Bedarf einführen und heilpädagogisch führen lassen.
  • Definitiv ist der Entscheid noch nicht, ein Referendum bleibt möglich.

Der Zürcher Kantonsrat hat sich am Montag deutlich für die Einführung von Förderklassen ausgesprochen.

Damit sollen Gemeinden die Möglichkeit haben, lernschwache und verhaltensauffällige Schülerinnen und Schüler in separaten Klassen zu unterrichten.

Die Linke warnt – und blitzt ab

Die Ratslinke warnte, dass auf diese Weise Kinder mit sehr unterschiedlichen Bedürfnissen in die Förderklassen kämen – erfolglos. Der Kantonsrat schmetterte alle Anträge ab. Einen Antrag auf Nichteintreten lehnte er mit 117 zu 57 Stimmen ab.

Nach dem Willen der Mehrheit sollen die Gemeinden künftig Förderklassen einführen, wenn sie Bedarf sehen. Diese würden von Heilpädagoginnen und Heilpädagogen geführt.

Derzeit können Gemeinden Kleinklassen einführen. Dies wird jedoch kaum genutzt. Einen Antrag, diese Klassen beizubehalten, lehnte der Kantonsrat ab.

Sibylle Jüttner (SP, Andelfingen) begründete den Antrag mit unterschiedlichen Zielen von Klein- und Förderklassen. «Kinder in Kleinklassen haben Förderungsbedarf über eine längere Zeit, Förderklassen sollen sie nur vorübergehend besuchen.»

Wie Marc Bourgeois (FDP, Zürich) ausführte, sind Kleinklassen finanziell nicht attraktiv für die Gemeinden. «Hier haben wir mit den Förderklassen nachgebessert», sagte er. Er sah lediglich eine Umbenennung der Klassen.

Integrative Schule im Visier

Die Diskussion drehte sich vor allem darum, ob Förderklassen Kindern und Lehrpersonen schaden oder helfen. Bourgeois fand, die Linken sollten «endlich das Scheitern der integrativen Schule anerkennen».

Mit der Vorlage hätten die Gemeinden eine Wahlfreiheit. Auch erweiterte Lernräume als kurzfristige Massnahme für störende Kinder seien möglich. «Statt in eine Sonderschule gehen zu müssen, können Kinder in der Gemeinde bleiben, das ist integrierend».

Sind solche Förderklassen eine gute Idee?

Nadia Koch (GLP, Rümlang) fand die Warnung vom Ende der integrativen Schule übertrieben. «Die Förderklassen sind keine Sackgasse, die Kinder werden gestärkt», sagte sie. Vorgesehen ist, dass die Kinder mindestens sechs Monate in eine Förderklasse kommen.

Grundsätzlich gegen Separierung war Wilma Willi (Grüne, Stadel). «Schule soll für alle funktionieren, wir wollen keine Trennung», sagte sie.

Wie andere Sprecherinnen störte sie sich daran, dass die Kommission die «Kann»-Formulierung des Regierungsrats bei der Einführung der Förderklassen gestrichen hat.

Gemeinden sollen handeln – nicht bloss dürfen

Bourgeois betonte, dass dies nur bei Bedarf passieren soll, die Gemeinden sollten selber entscheiden. Der Rat lehnte den Antrag der Linken für eine «Kann»-Formulierung mit 116 zu 57 Stimmen ab.

Wie Anita Borer (Uster) im Rat sagte, brachte die SVP das Thema schon vor über zehn Jahren aufs Tapet. «Integration um jeden Preis funktioniert so nicht mehr», sagte sie.

Mit den Förderklassen werde ein «längst überfälliger Kurswechsel in der Volksschule» eingeleitet, teilte die SVP gleichentags mit.

Bildungsdirektorin Silvia Steiner (Mitte) zeigte sich zufrieden. Es gebe keinen Zwang für Förderklassen, die Gemeinden hätten Gestaltungsmöglichkeiten. Finanziell könne die Vorlage sinnvoll sein. «Wenn wir die Sonderschulquote senken, sparen wir Kosten.»

Am Ende könnte das Volk das letzte Wort haben

Die Förderklassen-Initiative stammt aus Kreisen der GLP, FDP und SVP. Der Kantonsrat stimmte der Initiative im März 2025 zu. Einen Gegenvorschlag des Regierungsrats, der auf Förderklassen verzichten wollte, lehnte das Parlament damals ab.

Weil die Initiative nur als allgemeine Anregung formuliert war, musste der Regierungsrat eine Vorlage ausarbeiten. Über diese befand der Kantonsrat am Montag.

Das Geschäft geht nun an die Redaktionskommission. Die Schlussabstimmung findet an einer der nächsten Sitzungen statt. Das Stimmvolk könnte definitiv entscheiden: Ein Referendum gegen den Entscheid wäre möglich.

Kommentare

User #6164 (nicht angemeldet)

Es gibt Kinder die unter ADHS leiden und sicht mit Ritalin vollpumpen müssen. Dennoch sind manche deutlich schlauer als die sogenannten "normalos". Müssen diese wegen dem in eine "schlechtere" Klasse eingeteilt werden? Fakt ist die heutigen Lehrpersonen haben weder Geduld, noch die Kompetenz des Lehrens wie die früheren Lehrpersonen. Ein Knabe darf stand 2026 Mädchen Kleider tragen aber im Unterricht nicht stören. WOW

User #3990 (nicht angemeldet)

Rentner Paul 1 . Mir scheint , die neuen Förderklassen könnten in die Zeit der Hilfsschule zurück versetzt werden , und das wollen nicht alle betroffenen Eltern akzeptieren ! Dabei ist zu beachten , für die zusätzlichen Klassen braucht es auch Schulräume und Lehrpersonen und das kostet recht viel . Und für die betroffenen Kinder ist diese Art "Abschiebung" ein Rückschritt in der Pesönlichkeitsfindung !

Weiterlesen

Zürich
Schule Schüler Unterricht
6 Interaktionen
Schule im Seeland
7 Interaktionen
Fertig Ausnahmeregel
Betreutes Wohnen
Gegen Einsamkeit

MEHR AUS STADT ZüRICH

«Ja zur Wohnungsinitiative»
2 Interaktionen
Politik
7 Interaktionen
Zürich
7 Interaktionen
14. Juni