So stark verändert KI unseren Nachrichten-Konsum
Immer mehr Menschen holen sich ihre Nachrichten direkt bei KI-Chatbots. Das kann den News-Konsum grundlegend verändern. Ein Experte warnt vor «Filterblasen»

Das Wichtigste in Kürze
- Laut dem «Digital News Report 2026» greifen bei den unter 24-Jährigen 20 Prozent bei den News zu KI.
- Experten warnen vor Filterblasen und einer wachsenden Finanzierungskrise für den Journalismus.
- Nur 16 Prozent vertrauen KI-Tools komplett – dennoch nutzen sie viele für News-Zwecke.
KI-Chatbots wie ChatGPT werden in der Schweiz zunehmend als Zugang zu Nachrichten genutzt – besonders bei jungen Menschen. Laut dem «Digital News Report 2026» greifen bei den unter 24-Jährigen 20 Prozent bei den News zu KI. In der Gesamtbevölkerung sind es 10 Prozent.
Gleichzeitig bleibt das Vertrauen in die neuen Tools gering, und die Nutzung erfolgt meist nur ergänzend zu klassischen Medien.
Trotzdem stellt sich eine zentrale Frage: Verändert künstliche Intelligenz bereits heute, wie wir Nachrichten konsumieren?
«KI hat bereits vieles verändert»
Patric Raemy ist Medien- und Kommunikationswissenschaftler an der Universität Freiburg. Er sagt: «KI hat bereits vieles verändert und wird noch vieles radikal verändern, im Journalismus und in der Nachrichtenwelt.»
Für ein Publikum, das Nachrichten zunehmend selektiv nutze oder teilweise gar vermeiden würde, könnten KI-Chatbots eine Chance sein.
Denn: Die KI liefert Informationen, die «kompakt und auf die individuellen Interessen der Nutzerinnen und Nutzer zugeschnitten» seien.

Raemy betont, dass vor allem jüngere und medienaffine Bevölkerungsgruppen neue Technologien früh nutzen würden. Diese Einschätzung deckt sich mit dem News-Report.
Im News-Report-2026 ist von sogenannten «Early Adopters» die Rede, welche KI einsetzen, um Nachrichten besser zu verstehen. «Das haben wir in unterschiedlicher Form bereits beim Internet, beim Smartphone und bei sozialen Medien gesehen», ergänzt der Experte.
Raemy beschreibt, warum KI vor allem bei jüngeren Nutzerinnen und Nutzern so beliebt ist: «Man kann gezielt eine Frage stellen, erhält unmittelbar danach eine kurze und verständliche Antwort. Ebenfalls muss man sich nicht erst durch mehrere Artikel oder Nachrichtenseiten arbeiten.»
Das «Zero-Click-Internet»
Beim sogenannten «Zero-Click-Internet» konsumieren Nutzer Informationen direkt – ohne auf die ursprünglichen Quellen zu klicken. Das bedeutet, dass die Antworten, welche die KI liefert, direkt und ohne Prüfen der Quelle übernommen werden.
Laut News-Report klicken Männer jedoch deutlich häufiger auf die Quellen: 50 Prozent nutzen sie «häufig oder immer», bei Frauen sind es 34 Prozent.

Raemy warnt vor der Gefahr der «Informationsblase». Die «Filterblase» bedeutet, dass man immer wieder ähnliche Inhalte sieht, die zu seinen Interessen passen. Dieses Phänomen werde, ähnlich wie bei Social Media, von den Algorithmen befeuert.
KI ist Ergänzung und Konkurrenz zugleich
Ein weiteres Problem würde laut Raemy die Produktion und Finanzierung von Journalismus betreffen: «KI recherchiert die meisten Nachrichten nicht selbst, sondern greift auf Informationen zurück, die von journalistischen Medien und Quellen produziert wurden.» Somit sei KI eine Ergänzung und potenzielle Konkurrenz zugleich.
Zudem «verschärft sich die ohnehin schwierige Finanzierungslage des Journalismus». Weil KI-Anbieter Nachrichteninhalte zusammenfassen und vermitteln, ohne dass ausreichend Geld an die ursprünglichen Nachrichtenproduzenten zurückfliesst.
Der News-Report bestätigt, dass KI vor allem auch für das Zusammenfassen von News genutzt wird: «Für 40 Prozent der Nutzenden von KI‑Chatbots stellen sie einen besonders schnellen Weg dar, um News zu erhalten.»

Ein Drittel der Befragten sieht in der Bündelung von News aus verschiedenen Quellen einen Vorteil. Am geringsten wird KI genutzt, um News in Audio- oder Video-Dateien umzuwandeln.
Trotz wachsender Nutzung: Vertrauen in KI eher gering
Laut News-Report ist das Vertrauen in den Journalismus (42%) deutlich höher als das Vertrauen in Suchmaschinen (26%) oder KI-Tools (16%). Trotzdem steigt die Nutzung von KI für Nachrichten-Zwecke an – woran liegt das?
Raemy spricht von einer «Diskrepanz zwischen angegebenem Vertrauen und tatsächlichem Verhalten».
In Befragungen beispielsweise geben viele an, den Antworten von KI eher wenig zu vertrauen. Auch wenn man die Informationen der KI im Alltag «möglicherweise trotzdem relativ unkritisch» übernehmen würde.
Eine kritische Haltung gegenüber den Antworten von KI sei durchaus angebracht und gehöre heute zur Medienkompetenz. «Viele wissen, dass Künstliche Intelligenzen Fehler machen oder Quellen unklar wiedergeben können.»












