So geht Zürcher Gemeinde gegen Steuererklärungs-Sünder vor
Mehr als 200 Personen in Rümlang reichen ihre Steuererklärung jedes Jahr nicht ein. Mit einem neuen Projekt will die Gemeinde sie gezielt unterstützen.

Jedes Jahr reichen in Rümlang über 200 Personen ihre Steuererklärung nicht ein. Das entspricht rund 4,5 Prozent der ordentlich Steuerpflichtigen oder etwa jeder 20. Person. Mit einem neuen Unterstützungsprojekt will die Gemeinde nun gegen dieses Problemvorgehen.
Anfangs dieser Woche verschickte das Steueramt ein Schreiben an alle Betroffenen. Darin weist die Gemeinde nochmals auf die gesetzliche Pflicht zur Einreichung der Steuererklärung, mögliche Bussen und Ermessensveranlagungen hin – gleichzeitig informiert sie über verschiedene Unterstützungsangebote.
Für Roman Rinaldi, Bereichsleiter der Abteilung Steuern, steht dabei nicht das Mahnen, sondern das Helfen im Vordergrund. «Wir unterstützen Sie gerne bei der Einreichung Ihrer Steuererklärung», heisst es im Schreiben.
Möglich sind eine kostenlose persönliche Beratung am Schalter oder per Telefon, Unterstützung bei einzelnen Fragen, Hinweise auf externe Treuhandbüros sowie eine Fristerstreckung bis Ende November, sofern diese rechtzeitig beantragt wird.
Zudem verweist die Gemeinde auf die Online-Steuererklärung «ZHprivate Tax» auf der Webseite www.zh.ch/steuern.

Der Brief solle einerseits deutlich machen, welche Folgen eine fehlende Steuererklärung haben kann, andererseits aber auch zeigen, dass das Steueramt Unterstützung anbietet. «Wenn sich auch nur fünf bis zehn Personen auf diesen Brief melden, dann sehen wir das schon als einen Erfolg», sagt Rinaldi.
Die Gründe, weshalb Steuererklärungen nicht eingereicht werden, seien sehr unterschiedlich. Ein wesentlicher Faktor sei fehlendes Wissen. Viele junge Menschen hätten nie gelernt, wie eine Steuererklärung ausgefüllt werde.
«Weil es die Eltern auch nicht wissen», sagt Rinaldi. Auch in der Schule oder Berufsausbildung werde das Thema zu wenig behandelt. Aus seiner Sicht sollten dort neben Steuern auch grundlegende Finanzthemen wie simple Budgetplanungen vermittelt werden.
Daneben beobachtet das Steueramt immer wieder Menschen, die mit administrativen Aufgaben grundsätzlich überfordert seien – unabhängig von Einkommen oder Beruf. Viele wüssten zwar, dass sie die Steuererklärung einreichen müssten, meldeten sich aber trotzdem nicht.
Rinaldi vermutet, dass Scham dabei oft eine Rolle spielt. «Ich glaube, das Problem Nummer eins ist ein wenig das Schamgefühl», sagt er. Genau diese Hemmschwelle wolle die Gemeinde abbauen.
«Wir sind auch ganz normale Menschen hier. Es ist nicht unser Interesse, andere Leute kleinzumachen oder finanziell zu ruinieren – genau im Gegenteil: Wir wollen helfen und Hand bieten.»
Hilfe statt Hemmschwelle
Wer seine Steuererklärung nicht einreicht, muss damit rechnen, dass die Steuern aufgrund einer Schätzung festgesetzt werden– diese kann deutlich höher ausfallen als das tatsächliche Einkommen und Vermögen.
«Das muss nicht sein», betont Rinaldi. Denn selbst als Laie lasse sich eine einfache Steuererklärung oft innerhalb einer Stunde ausfüllen.
Dass einzelne Personen ihre Steuererklärung bewusst nicht einreichen, um Einkommen oder Vermögen zu verbergen, komme ebenfalls vor. Rinaldi ist jedoch überzeugt, dass dies nur einen kleinen Teil der Betroffenen betrifft.
Wer in diesem Falle seiner Deklarationspflicht nicht nachkomme, müsse bei einer Entdeckung mit Nachsteuern und zusätzlichen Bussen rechnen, die je nach Schweregrad «heftig ausfallen» können.
«Man sollte das Risiko auf keinen Fall eingehen», sagt Rinaldi. Gemeinderat Patrick Cotting, Vorstand Finanzen und Steuern, erklärt die politischen Ziele hinter dem Projekt.
Künftig solle es sich nicht mehr lohnen, sich von der Gemeinde einschätzen zu lassen. Betroffene müssten mit deutlich höheren Einschätzungen und entsprechend höheren Steuerrechnungen rechnen.
Das Projekt ist Teil der finanzpolitischen Zielsetzungen des Geschäftsfeldes Finanzen und Steuern. «Einerseits wollen wir die Schulden der Gemeinde besser in den Griff bekommen», so Cotting.

Im Gemeinderat werde kein Antrag mehr behandelt, ohne dass vorher geprüft wurde, welche finanziellen Folgen er für Budget und Steuern hat. Andererseits soll die Bevölkerung den Umgang mit Finanz- und Steuerfragen besser kennenlernen.
Deshalb werde die Unterstützung durch das Steueramt gezielt ausgebaut. Langfristig soll die Zahl der Personen, die ihre Steuererklärung nicht einreichen, von heute über 200 auf unter 20 sinken.
«Damit werden wir mehr Gerechtigkeit und Transparenz erleben, was allen Steuerpflichtigen zugutekommen wird», erklärt Cotting. Für das Steueramt bedeutet jede fehlende Steuererklärung zusätzlichen administrativen Aufwand und entsprechende Personalkosten.
Gleichzeitig betont Rinaldi, dass niemand Hemmungen haben müsse, Hilfe in Anspruch zu nehmen. «Schämt euch nicht, vorbeizukommen – wir werten nicht. Das ist unser Job.»
Das Schlimmste sei, gar nichts zu unternehmen und sich nicht beim Steueramt zu melden. Das neue Unterstützungsangebot versteht die Gemeinde als Startschuss.
Künftig könnten beispielsweise Abend- oder Wochenendkurse zum Ausfüllen der Steuererklärung angeboten werden. Entsprechende Ideen seien bereits vorhanden, sagt Rinaldi.
Entscheidend werde sein, ob dafür genügend personelle Ressourcen zur Verfügung stehen. Sein Appell an die Bevölkerung ist klar: «Kommt auf uns zu, wir sind auch nur Menschen und helfen euch gerne.»
Gleichzeitig gelte aber: Auch das Steueramt müsse sich an die gesetzlichen Vorgaben halten und könne nur im bestehenden rechtlichen Rahmen handeln.
Hinweis
Dieser Artikel ist zuerst im «Rümlanger» erschienen.








