Sichtfenster-Debatte: Bschüssig-Chef bezieht seit 1 Jahr keinen Lohn

Elena Hatebur
Elena Hatebur

Frauenfeld,

Die Pasta-Firma Bschüssig aus Frauenfeld TG setzt bei der Verpackung bewusst auf Papier statt Plastik. CEO Beat Grüter verzichtet deshalb sogar auf seinen Lohn.

Verpackung
Auf den Verpackungen der Bschüssig-Pasta finden sich keine Plastikfensterli. - bschuessig.ch

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Teigwaren-Firma Bschüssig verkauft ihre Produkte in einer plastikfreien Verpackung.
  • CEO Beat Grüter begründet dies damit, dass Öl endlich ist – Bäume wachsen hingegen nach.
  • Das Sichtfenster, auf das die Konkurrenz setzt, erachtet er als nicht notwendig.

Nicht jede bekannte Pasta kommt aus Italien. Seit 150 Jahren stellt die Firma Bschüssig in Frauenfeld TG Teigwaren her.

Chef Beat Grüter war im «Eco Talk» von SRF zu Gast. Und erzählte dort, weshalb seine Firma bei der Verpackung im Gegensatz zur Konkurrenz auf Papier statt auf Plastik setzt. Und damit auf das kleine, bekannte Sichtfenster verzichtet.

Pasta-Patron
Der Pasta-Patron, der auf Nachhaltigkeit setzt: Beat Grüter. - bschuessig.ch

Ein «Bauchentscheid» sei das gewesen. «Ich wollte etwas für die Nachhaltigkeit machen.» Seine Überlegung ist simpel: Öl, das für die Herstellung von Plastik nötig ist, sei endlich. Es solle dort eingesetzt werden, wo es wirklich gebraucht werde.

Grüter erklärt: «Ich bin nicht jemand, der Papier nimmt und dann noch ein Plastikfensterli einbaut, damit man die Teigwaren sieht.» Ein Seitenhieb auf die Konkurrenz? Viele Hersteller setzen weiterhin auf das typische Sichtfenster.

«Man weiss, wie Teigwaren aussehen»

Grüter winkt ab und argumentiert pragmatisch: «Man weiss, wie Teigwaren aussehen.» Für ihn sei es eine Frage der persönlichen Grundeinstellung.

Ganz ohne Gegenwind blieb die Umstellung nicht. «Negative Reklamationen» habe es gegeben, sagt Grüter dem Sender offen. Doch weder Absatz noch Volumen hätten gelitten.

Trotzdem: Einfach war der Wechsel offenbar nicht.

«Wir mussten drei neue Verpackungsanlagen kaufen», sagt Grüter. Papier sei anspruchsvoller in der Verarbeitung, weniger robust als Plastik. Die Produktion läuft langsamer, die Stückzahlen sinken.

Inhaber zahlt sich selbst keinen Lohn aus

Und trotzdem hält Grüter daran fest. Von der nachhaltigen Umstellung ist der Pasta-Patron felsenfest überzeugt – und fährt diesbezüglich eine Nulltoleranz-Politik.

«Dort wo es möglich ist, soll der Plastik verschwinden», so Grüter. Und zwar konsequent. «Zu 100 Prozent», betont er.

Gleichzeitig spürt auch er den wirtschaftlichen Druck. Das Geschäft mit Pasta sei ein «Rappengeschäft». Grundsätzlich sei die Firma nicht profitabel. Doch Investitionen, gerade auch beim Thema Nachhaltigkeit, seien notwendig.

Isst du gerne Pasta?

Seit einem Jahr nehme er für sich kein Geld mehr raus. Grüter zahlt sich selber also keinen Lohn. Möglich ist das nur, weil ihm eine Liegenschaft gehört.

Trotz allem denkt Grüter nicht ans Aufhören. Der 65-Jährige will seine Firma noch mindestens zehn Jahre weiterführen – und zwar mit Vollgas. Wie es danach weitergeht, lässt er offen.

Mehr zum Thema:

Kommentare

User #1462 (nicht angemeldet)

ich kaufe keine Teigwaren mit Teig.

User #1462 (nicht angemeldet)

Bschüssig-Chef es ist so wie es ist.

Weiterlesen

detailhandel
2 Interaktionen
Trotz höherem Ölpreis
self-checkout
221 Interaktionen
Self-Checkout
Plastik Recycling Katalysator Nickel
22 Interaktionen
Katalysator

MEHR AUS THURGAU

Meer Kreuzlingen massenschlägerei
In Engwang TG
Bring- und Hol-Tag mit Repair-Café
Frauenfeld
Riedt bei Erlen TG
Riedt bei Erlen TG
Kreuzlingen