Shitstorm für Abenteurer: Er liess Sohn zurück
Während Karl Bushby (57) drei Jahrzehnte lang um die Welt läuft, muss sein Sohn ohne Vater aufwachsen. Das bringt ihm nun heftige Kritik.

Das Wichtigste in Kürze
- Karl Bushby lief während 28 Jahren von Chile bis nach Grossbritannien.
- Dabei verliess er seinen damals achtjährigen Sohn Adam.
- Auf Social Media folgt nun ein heftiger Shitstorm, welcher Bushbys Rolle als Vater infrage stellt.
28 Jahre lang lief Karl Bushby um die Welt. Bei seiner Rückkehr nach Grossbritannien vor wenigen Tagen wird er mit Jubel empfangen. Doch seine Reise hat auch eine andere Seite.
Denn: Als der Brite 1998 zu seinem Abenteuer aufbrach, war sein Sohn Adam gerade einmal acht Jahre alt.
Am 1. November 1998 startete der damals 29-jährige Bushby in Punta Arenas im Süden Chiles. Sein Ziel: zu Fuss bis in seine Heimatstadt Hull in England zu gelangen.
Mit dabei hatte er einen zweirädrigen Gepäckwagen und gerade einmal 500 US-Dollar. Rund 50'000 Kilometer legte er in den folgenden Jahrzehnten zurück. Dabei durchquerte er zahlreiche Länder.
Am Montag erreichte der heute 57-Jährige seine Heimatstadt. Dort wurde er von zahlreichen Menschen empfangen. Besonders emotional war das Wiedersehen mit seiner Mutter Angela. Auch sein Sohn Adam war dabei.
Auf die Heimkehr nach knapp drei Jahrzehnten könne man sich nur bedingt vorbereiten, sagte Bushby. Die letzten Tage seiner Reise seien auch traurig gewesen. Dinge, die lange zu seinem Alltag gehörten, habe er zum letzten Mal getan.
«Der letzte Tag im Zelt, der letzte lange Herbsttag zu Fuss, heute Morgen das letzte Mal das Packen der Ausrüstung.»
Man lasse «ein ganzes Leben» hinter sich, so Bushby. «Es ist ein bisschen wie der Tag, an dem man in den Ruhestand geht.»
Sohn musste ohne Vater aufwachsen
Während Bushby für seine Leistung gefeiert wird, stösst seine Entscheidung in sozialen Medien auf Unverständnis. Im Zentrum steht dabei nicht seine sportliche Leistung, sondern die Frage nach seiner Verantwortung als Vater.

Als Bushby seine Reise begann, befand sich sein Sohn noch mitten in der Kindheit. Seine Ehe ging bereits zuvor in die Brüche. Während der Vater jahrelang die Welt erkundete, musste Adam weitgehend ohne ihn aufwachsen.
Mittlerweile hat dieser selbst eine Tochter. Bushby lernte seine Enkelin (12) erst bei seiner Rückkehr persönlich kennen. Zuvor hatten die beiden lediglich über Video Kontakt.
«Nicht spurlos am Sohn vorbeigegangen»
Auf Instagram kritisieren Nutzer, dass Bushby seine persönlichen Ambitionen über die Familie gestellt habe.
Ein Kommentator fragt: «Wie wäre es, als Vorbild einfach mal Care-Arbeit zu übernehmen? Seinen Teil zum Lebensunterhalt beizutragen, zu trösten, zu kochen und in den wichtigen Momenten da zu sein?»
Andere kritisieren den Zeitpunkt: «Wenn er zehn Jahre später gestartet wäre, hätte er immer noch um die Welt reisen können.»
Besonders deutlich wird die Kritik bei der Frage nach seiner Vorbildfunktion. «Er ist definitiv ein Vorbild – darin, wie man sich aus der Verantwortung zieht und sein Kind verlässt. Hoffen wir mal, sein Sohn schaut sich das niemals ab.»
Ein weiterer User befürchtet: «Glaube nicht, dass es spurlos am Sohn vorbeigegangen ist, ohne Vater erwachsen zu werden.»
Bushby kann Kritik nachvollziehen
Mit der Kritik konfrontiert, zeigt sich Bushby gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa) verständnisvoll. Er könne nachvollziehen, dass seine Entscheidung hinterfragt werde. Viele Menschen würden allerdings die persönlichen Hintergründe nicht kennen.
Nach seiner Rückkehr muss sich der Brite nun erst einmal an ein Leben ohne tägliche Reiseetappen gewöhnen. «Ich bin noch dabei, das alles zu verarbeiten. Das wird etwas schwierig werden», sagt er der dpa.
Eine weitere Reise dieser Art schliesst Bushby aus. «Ich hatte meine Zeit.»

















