Bodensee

Seepromenade am Bodensee: «70 Ideen erhalten»

Stefanie Rohner
Stefanie Rohner

Bodensee,

Die Gemeinde Horn plant die Neugestaltung des Festplatzes und der Seepromenade am Bodensee. Die Bevölkerung konnte Ideen einreichen.

Seepromenade
Eine der 70 eingereichten Ideen. - pd

Ziel ist es, das zentral gelegene Seeufer als Begegnungs-, Erholungs- und Veranstaltungsort aufzuwerten und attraktiver zu gestalten.

Bevor konkrete Projekte ausgearbeitet werden, setzt die Gemeinde auf die Mitwirkung der Bevölkerung: In einer Ideenphase können Einwohnerinnen und Einwohner Vorschläge für die künftige Nutzung und Gestaltung einbringen.

Die gesammelten Anregungen bilden die Grundlage für ein Grobkonzept, aus dem später konkrete Projekte entwickelt werden. Im Fokus stehen dabei sowohl die Aufenthaltsqualität als auch die vielseitige Nutzung des Areals für Freizeit, Erholung und Veranstaltungen.

Noch bevor konkrete Pläne entstehen, durfte die Bevölkerung ihre Ideen einbringen – mit grossem Erfolg. Rund 70 Vorschläge sind eingegangen.

Nun geht es darum, die unterschiedlichen Bedürfnisse zu bündeln und daraus ein Grobkonzept zu entwickeln.

See als Bestandteil

«Schon länger stand auf unserer Agenda, die traditionelle Nutzung des Festplatzes mit den heutigen Bedürfnissen der Bevölkerung zu verbinden», sagt Karolin Halter, Gemeinderätin in Horn.

Karolin Halter, Gemeinderätin Horn.
Karolin Halter, Gemeinderätin Horn. - pd

Gleichzeitig habe sich bei der Überprüfung der bestehenden Planung für die Seepromenade gezeigt, dass auch dort Optimierungspotenzial bestehe. Deshalb sollen beide Bereiche künftig «aus einem Guss» gedacht werden – sowohl gestalterisch als auch bei möglichen baulichen Massnahmen.

«Der Festplatz und die Seepromenade sind das Herzstück unserer Gemeinde. Deshalb soll das Projekt die Zeit bekommen, die es braucht», sagt Halter.

Die Gemeinde hat die Bevölkerung bewusst früh in den Planungsprozess eingebunden – was, wie sich jetzt zeigt, gelohnt hat. Von der Resonanz auf die Mitwirkung zeigt sich Halter sehr erfreut.

«Wir haben fast 70 Ideen erhalten. Besonders gefreut hat mich, dass nicht nur einzelne Wünsche eingegangen sind, sondern durchdachte Konzepte.»

Die Eingaben zeigten deutlich, welche Anliegen in der Bevölkerung besonders wichtig seien. So hätten sich einige überschneidende Bedürfnisse gezeigt.

Eine erste Auswertung habe fünf Schwerpunkte ergeben. «Viele wünschen sich einen Ort mit hoher Aufenthaltsqualität, an dem sich Menschen aller Generationen gern aufhalten und begegnen sowie Zeit am See verbringen können», sagt Halter.

Häufig genannt wurden zusätzliche Sitzgelegenheiten, Picknickmöglichkeiten, Familienfreundlichkeit sowie mehr Schatten durch Bäume oder überdachte Bereiche sowie eine stärkere Begrünung.

«Das Klima wurde oft erwähnt in den eingereichten Beiträgen. Und bei den Temperaturen, die wir heute haben, ist das wichtig für die Zukunft», meint Halter.

Ebenso gross sei der Wunsch nach einem besseren Zugang zum Wasser – etwa mit Sitzstufen, Wasserspielen oder einer Seebühne. «Der See soll nicht nur Kulisse sein, sondern aktiver Bestandteil des Ortes», sagt Halter.

Seefest soll weiter Platz haben

Nicht alle Wünsche liessen sich allerdings problemlos vereinen. «Während sich einige mehr Ruhe und Natur wünschten, hätten andere gern zusätzliche Veranstaltungen oder Konzerte. Gerade solche Gegensätze sind wertvoll, sie zeigen auf, welche Themen sorgfältig gegeneinander abgewogen werden müssen», sagt Halter.

Dadurch habe die Gemeinde einen wichtigen Richtungsweiser für die weitere Planung erhalten. Klar sei bereits heute, dass das traditionelle Seefest weiterhin seinen Platz haben soll.

«Es ist ein wichtiger Teil der Identität von Horn. Unser Ziel ist nicht, das Seefest zu verdrängen, sondern dessen Bedürfnisse mit der Nutzung im Alltag zu verbinden», sagt Halter. Man wolle alles unter einen Hut bringen.

Neue Denkanstösse erhalten

Im nächsten Schritt gehe es darum, die Bedürfnisse und Ideen thematisch zu ordnen und gruppieren.

«Was wir jetzt machen, versuchen thematisch Bedürfnisse verordnen und gruppieren. Die Vorschläge müssen zudem auf ihre Machbarkeit geprüft werden. Dabei spielen unter anderem Kosten, Umweltaspekte und die politische Akzeptanz eine Rolle», so Halter.

Zu den grössten Herausforderungen gehören der begrenzte Raum, die unterschiedlichen Bedürfnisse, bauliche und rechtliche Vorgaben wie der Gewässerschutz sowie Fragen zur Machbarkeit und Finanzierung.

Bodensee
Der Bodensee. (Archivbild) - keystone

Nach den Sommerferien will die Gemeinde mit der Erarbeitung eines Grobkonzepts beginnen. Liegt dieses vor, sollen auch erste konkrete Ideen und Visualisierungen folgen.

Wie mutig das Projekt am Ende ausfällt, lässt Halter bewusst offen. «Wir waren ausdrücklich offen für verrückte Ideen und haben nichts eingeschränkt. Oft entsteht die beste Lösung aus einer Kombination verschiedener Vorschläge.»

Einige kreative Eingaben hätten den Gemeinderat durchaus überrascht und neue Denkanstösse geliefert. «Das ist für uns natürlich eine Inspiration gewesen.»

Für die Auswertung habe die Gemeinde auf die Anzahl der Bewertungen verzichtet und stattdessen die inhaltlichen Schwerpunkte der Eingaben analysiert. Diese seien aussagekräftiger, auch wenn die Ergebnisse keinen repräsentativen Querschnitt der Bevölkerung darstellten.

Unterstützt wurde Horn beim Mitwirkungsprozess von Urban Equipe, einem nicht gewinnorientierten Verein, der Gemeinden bei Beteiligungsprozessen begleitet und die Plattform für die Einreichungen aus der Bevölkerung zur Verfügung stellte.

Verbringst du gerne Zeit an Seepromenaden?

Für Halter ist der Mitwirkungsprozess auch unabhängig vom konkreten Projekt ein Gewinn. Sie würde anderen kleinen Gemeinden empfehlen, eine solche Möglichkeit zu nutzen, um die Bevölkerung frühzeitig einzubeziehen.

Dank neuer digitaler Werkzeuge und diesem Verein sei dies heute auch für kleinere Gemeinden mit überschaubarem Aufwand möglich. Mit der Zusammenarbeit mit Urban Equipe zeigt sich Halter zufrieden. «Wir wurden während des Prozesses begleitet.»

Stärkere Nutzung gewünscht

Als Erfolg würde Halter die Neugestaltung dann sehen, wenn der Festplatz und die Seepromenade künftig stärker genutzt werden und zu einem Ort werden, an dem sich die Hornerinnen und Horner gerne aufhalten.

«Es ist wie gesagt das Herzstück von Horn. Wir möchten die Aufenthaltsqualität und die Nutzbarkeit dieses schönen Ortes erhöhen und die Hafenpromenade attraktiver machen», sagt Halter.

Schön wäre es, wenn die Menschen künftig noch mehr Zeit dort verbringen möchten. Ein weiterer Wunsch aus der Bevölkerung sei, flexible Nutzungsmöglichkeiten zu schaffen – etwa als zusätzliche Fläche bei hoher Auslastung der Badi.

Hinweis

Dieser Artikel ist zuerst in den «Bodensee Nachrichten» erschienen.

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